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Papier war gestern. Heute ist Industrie 4.0

18. Februar 2016 von Carmen Peter 0

SAP hilft im Rahmen eines Forschungsprojekts dabei, dass Papierlisten und System-Zoos bald einer Technologie weichen, die mitdenkt.

Produktionsmitarbeiterin Barbara Civettini hat den Fortschritt nun jeden Tag vor Augen. „Vorher hatten wir Arbeitspläne in Papierform. Kam etwas Unvorhergesehenes, musste die Teamleitung die Pläne für alle neu ausdrucken. Eine schnelle Aktualisierung gab es nicht“, sagt Civettini und blickt für den nächsten Arbeitsschritt inzwischen, statt auf den üblichen Zettel, auf einen Bildschirm.

Auch im 21. Jahrhundert bietet der Betriebsablauf in Unternehmen jeder Größenordnung noch – gelinde gesagt – Optimierungspotenzial. Das von der Europäischen Kommission mitfinanzierte Forschungsprojekt „Sense & React“, an dem auch SAP beteiligt war, setzt hier an. Ziel war es, eine zeitgemäße intelligente Technologie zu entwickeln, die genau weiß, was in der Produktionskette wann, an welcher Stelle und von wem benötigt wird.

Unter der Leitung von Patrik Spiess arbeiteten SAP-Mitarbeiter aus dem Bereich Strategic Projects mit unterschiedlichen Firmen und Instituten daran, die Zukunft in Unternehmen einziehen zu lassen. „Es war eine große Bereicherung, mit Experten aus anderen Bereichen und Ländern zusammenzuarbeiten“, meint Spiess.

Rollenkonzept mit Echtzeitinformation

Er und seine deutschen Kollegen konzipierten die Infrastruktur und ein adaptives UI für den „Sense & React“-Prototypen. Statt, wie bisher, Produktionspläne bei Änderungen manuell und zeitversetzt anzupassen und auszudrucken, wie es bei dem italienischen Waschmaschinenhersteller bisher der Fall war, sollte jeder Produktionsmitarbeiter Zugriff auf ein einziges zentrales System haben. Durch ein anspruchsvolles Rollenkonzept lässt sich die darin vorhandene Echtzeitinformation individuell abrufen. So muss kein Mitarbeiter wertvolle Zeit darauf verwenden, zunächst eine Flut von Daten zu analysieren, um herauszufiltern, was davon überhaupt für die eigene Tätigkeit relevant ist. Angezeigt wird nur, was der jeweilige Benutzer wirklich braucht. Vorarbeiter sollen darüber hinaus Änderungen von mobilen Endgeräten aus eingeben können, durch die die Daten im System dynamisch angepasst werden. Und das, ohne parallel angemeldete Kollegen zu sperren. Möglich macht das eine spezielle Erkennung durch das Überlagern und Abgleichen von Rollen.

Eine Kombination aus ERP-Daten, Gewichts- und Bewegungssensoren sowie RFID-Chips gibt zudem jederzeit Rückmeldung über Engpässe oder Fehler im Produktionsablauf. Zeitverluste und Missverständnisse zwischen den involvierten Bereichen nehmen dadurch ab, während die Präzision zunimmt – mit erheblichen Auswirkungen auf die Produktqualität und die damit verbundenen Kosten.

„Wir haben auch ein Patent angemeldet“, fügt Patrik Spiess fast beiläufig hinzu. Das von SAP entwickelte UI, das Apps mit relevanten Informationen nebeneinander anzeigt, die wichtigsten jedoch automatisch hervorhebt, indem es sie nach vorne stellt, wurde patentiert und soll auch innerhalb bestehender SAP-Produkte zur Anwendung kommen. „Ein Supplier-Szenario haben wir bereits in SAP S/4HANA einfließen lassen.“ So sieht ein Einkäufer dort nur die Lieferanten, mit denen er regelmäßig zu tun hat und nicht die Vielzahl derer, die gar nicht in seine Zuständigkeit fallen.

Die Technologie ist auch für kleinere Unternehmen geeignet, wie ein weiterer Test des Prototyps in einer kleinen portugiesischen Werft bewies. „Außerdem ist das Ganze sowohl ‚on-premise‘ als auch in der Cloud nutzbar“, betont Spiess.

Forschungsprojekte wie „Sense & React“ zeigen den zunehmenden Wandel der Technologie hin zu proaktiven Systemen, die neben allen anderen Vorteilen, auch dem Benutzer das Leben erleichtern. Der Trend ist zumindest eindeutig: Papier war gestern. Heute ist Industrie 4.0.

 

Foto: SAP TV

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