Partner und Prozesse im Einklang

Feature | 21. Mai 2008 von Stephan Magura 0

An einem sonnigen Dienstagmorgen, dem zweiten Tag der SAPPHIRE 2008 in Orlando, betrat Henning Kagermann, Ko-Vorstandssprecher der SAP AG, unter kräftigem Applaus die Bühne. Er kam sehr schnell zur Sache und sprach über die ständig neuen Herausforderungen, vor denen Unternehmen in einer globalisierten Wirtschaftswelt stehen: „Sie müssen als Team ins Spiel gehen und viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten: Rentabilität, Wachstum und Risiko. Wenn Ihre IT der Aufgabe nicht gewachsen ist, können Sie leicht einen Ball fallen lassen. Wir möchten nicht, dass Sie Ihre Bälle verlieren.“

Je mehr sich die Geschäftswelt nach Branchen diversifiziert, desto häufiger haben es Unternehmen mit unklaren Branchengrenzen zu tun, stellte Kagermann fest. Anwender müssen daher weitere Stücke des Informationspuzzles sammeln, in alle Richtungen drehen und zusammensetzen. Als Reaktion auf diesen steigenden Trend hält Kagermann innovative Geschäftsmodelle für äußerst wichtig, sogar für wichtiger als neue Produkte.

Kagermann gab einen kurzen Überblick über die Schwerpunkte von SAP für die kommenden Jahre, angefangen mit den SAP Enhancement Packages, die, seiner Aussage nach, „einzigartig in der Branche“ sind und die es für alle SAP-Produkte geben soll. Kagermann hob ebenfalls kontinuierliche Innovation. Er versprach, Anwender mit dem Einsatz von neuen Lösungspaketen zu unterstützen, die auf die Wertschöpfung der Unternehmen zugeschnitten sind.

Abschließend erläuterte er, wie man Daten „leicht verdaulich” macht – leicht für andere Netze in Form von Serviceorientierung und Geschäftsnetzen und leicht für Anwender, dank des neuen einheitlichen Erscheinungsbilds der Benutzeroberfläche und eingebetteter Analyse- und Suchfunktionen.

Datenübertragung auf die einfache Art

Ian Kimbell, Leiter Business Process Validation, demonstrierte einige dieser Funktionen, als ihm Kagermann für eine Präsentation von SAP Customer Relationship Management (SAP CRM) auf die Bühne überließ. „Da alles servicebasiert ist und eine bidirektionale Kommunikation stattfindet, ist es ganz einfach, Informationen in das Excelsius-Dashboard zu übertragen und wieder zurück ins CRM-System zu importieren“, sagte Kimbell und zeigte, wie man per Drag & Drop Daten in das schicke neue Dashboard transportiert.

Im weiteren Verlauf seiner Präsentation demonstrierte Kimbell, wie durch einen Anruf von seinem BlackBerry automatisch Informationen in SAP CRM übertragen werden – ein praktisches Beispiel für die in der vergangenen Woche bekannt gegebene Partnerschaft zwischen RIM und SAP.

Das Geschäft mit den Geschäftsnetzwerken

Mehr als 7.000 Kunden und 3.000 Ausstellungspartner kamen ins Kongresszentrum von Orange County, um sich die zentrale Rede von Léo Apotheker, Ko-Vorstandssprecher der SAP, anzuhören. Er betonte, dass Partnerschaften im Rahmen von Geschäftsnetzwerken unverzichtbar seien.

Nach einem kurzen Überblick über die Markttrends in den heutigen Geschäftsnetzwerken – darunter die Anbindung an das Internet, die Macht des Verbrauchers im Entscheidungsfindungsprozess, die Fähigkeit, Produkte mit unglaublicher Schnelligkeit herzustellen sowie die Möglichkeiten der Bezugsquellenfindung mit neuen Standorten für Fabriken und Menschen – fasste Apotheker zusammen: „Die Welt wird immer flacher, dreht sich schneller und wird von Tag zu Tag flüchtiger.“ Für Apotheker sind Geschäftsnetzwerke die Antwort auf diese Herausforderungen – Netzwerke, in denen Unternehmen gemeinsam erreichen können, was für sie alleine zu schwierig und zu teuer wäre.

„Wenn wir glauben, dass die Möglichkeiten eines Netzwerkes uns Wettbewerbsvorteile bringt, dann hängt der nachhaltige Erfolg der Mitglieder dieses Netzwerkes davon ab, dass das Netzwerk diese gemeinsamen Fähigkeiten voll ausschöpfen kann“, sagte Apotheker.

Geschäftsnetzwerk zum Nutzen von Procter & Gamble

Dann bat Apotheker den CIO und Präsidenten des Bereichs Global Business Services von Procter & Gamble, Filippo Passerini, auf die Bühne. Passerini lieferte ein Beispiel dafür, wie P&G während seines 170-jährigen Bestehens eine praktisch unangreifbare Marke geschaffen hat, was teilweise auf die Leistungsfähigkeit von Geschäftsnetzwerken zurückzuführen sei. Eine 25 Meter hohe PowerPoint-Folie unterstrich Passerinis Aussage, dass P&G dank der durch SAP erreichten Leistungsfähigkeit und Effektivität seit 1984 Einsparungen von mehr als 600 Millionen US-Dollar erzielt hat.

Mit lautem Getöse

Köpfe wandten sich erstaunt um, als Jim Haney, CIO von Harley-Davidson, unter dem Gebrüll seiner Harley-Davidson Fatboy FLST auf die Bühne fuhr, um zu erläutern, wie der Motorradhersteller aus Milwaukee die Leistungsfähigkeit von Geschäftsnetzwerken nutzt, um die Kundenpflege zu intensivieren und langfristige Beziehungen zu fördern.

„Letztes Jahr haben wir SAP CRM eingeführt, mit dem Ziel, dem [Händlervertriebspersonal] besseren Zugang zu Kundeninformationen zu ermöglichen. Zudem wollten wir den Prozess effektiv gestalten, wie wir jemanden, der von diesem Motorrad träumt, dazu bringen, es wirklich zu kaufen und zu fahren“, sagte Haney und zeigte dabei auf die glänzende graue Maschine neben ihm.

Zugangsportal für alle Unternehmensgrößen

Als „Eintrittskarte für das Netzspiel“ sei SAP Business Suite und SAP NetWeaver bestens geeignet, meinte Apotheker. SAP Business Suite ist eine strategische Gruppierung von Anwendungen, die einen maximalen Wert aus internen Daten schöpfen. Die Verbindung zwischen Geschäftsprozess-Managementfunktionen und SAP-NetWeaver-Technik bietet Experten die Möglichkeit, neue oder angepasste Geschäftsprozesse zu entwickeln, zu modellieren und sofort umzusetzen, ohne selbst Programmcodes zu entwickeln.

„Unternehmen jeder Größenordnung, einschließlich mittelständischer Unternehmen, muss es möglich sein, Geschäftsprozesse in einem Geschäftsnetzwerk umzusetzen“, meinte Apotheker, der noch immer neben der Harley-Davidson stand. Er fuhr fort: „Wir bieten flexible Lösungen sowohl für große als auch für mittelständische Unternehmen“.

Coca Cola verbessert Kommissionierung

Wie wichtig ein Geschäftsnetzwerk ist, belegte auch das Beispiel von Coca-Cola Enterprises. Mithilfe der Partner SAP, Cisco und Datria hat der Getränkeabfüller den Betrieb seiner Lager in den USA umgebaut. Coca-Cola entwickelte einen automatischen Kommissionierprozess unter Einsatz von Voice-over-Internet-Protokoll (VoIP) und Datenerkennungstechniken. Diese Verbesserung erhöhte die Kommissioniergenauigkeit von 75 Prozent auf 99,8 Prozent.

Nachdem ein Gabelstapler zwei Paletten Coca-Cola Zero auf die Bühne gebracht hatte, verschaffte Apotheker den Kunden einen Einblick in SAP Enterprise Support − ein neues, umfassenderes Serviceangebot, das SAP im Januar 2008 eingeführt hat. „Mit Enterprise Support bieten wir ihnen neue auf die heutige Zeit zugeschnittene Supportmöglichkeiten“, meinte er.

Eins plus eins ergibt eins

Was passiert, wenn man SAP, führend bei Unternehmensanwendungen, und Business Objects, führend bei Business Intelligence, kombiniert? Nach John Schwarz, CEO von Business Objects, erhält man die bestmögliche Kombination aus Anwendung und Strategie. „Ich weiß, 1+1=1 ist eine seltsame Rechnung. Aber, wenn man die Marktführer vereinigt, ist klar, dass diese Kombination nur die Nummer Eins im Markt ergeben kann”, sagte Schwarz.

„Mir ist wichtig, dass Sie verstehen, dass Business Objects perfekt zur SAP-Familie passt und wir gemeinsam mehr erreichen können”, sagte Schwarz. „Wir sind das einzige Unternehmen, das Strategie- und Umsetzungsautomatisierung anbieten und miteinander verbinden kann.“

Das Problem vieler Firmen sei die Trennung von Entscheidungsfindung und Ausführung. Es bestehe eine regelrechte Barriere zwischen der Strategie eines Unternehmens und ihrer tatsächlichen Umsetzung. Der Grund läge nicht in der Unfähigkeit, die Geschäfte richtig zu führen, sondern vielmehr in der Konzentration auf alltägliche Probleme. Business Objects habe sich zum Ziel gesetzt, diese Barriere zu überwinden.

Business Intelligence bei Disney

Als Mitglied der SAP-Familie trägt Business Objects dazu bei, eine in sich geschlossene Business-Performance-Optimierung auf Grundlage fundierter Daten zu erreichen. „Auf diese Weise verknüpfen wir Planung und Realität”, stellte John fest.

Schwarz erläuterte dies am Beispiel von Floridas größtem Arbeitgeber: Disney setze auf Business Objects, um im Pariser Themenpark die gleiche Rentabilität wie in Disney World in Orlando zu erreichen. „Indem Disney Strategie und Umsetzung miteinander verknüpfte, stieg die Kundenzufriedenheit in Paris und ist dort jetzt zehnmal höher als in anderen Parks.“

Mit einer Reihe von Demos zeigte Schwarz, wie Business Objects Unternehmen dabei unterstützt, Daten neu zu bewerten und so ein tiefer gehendes Verständnis des eigenen Geschäfts zu erhalten. Eine umfassende Datenanalyse etwa helfe, Problemfelder frühzeitig aufzudecken.

Ein Versprechen von Business Objects

Schwarz ist überzeugt, dass Business Objects die Arbeitsweise eines Unternehmens grundlegend verändern kann: „Wir versprechen, zusammen mit SAP die Arbeitswelt zu revolutionieren: Indem wir Menschen und Informationen zusammenbringen, verknüpfen wir das Business mit den Menschen, die es machen, und den Informationen, die es ausmachen. Wir werden nicht ruhen, bis wir dieses Versprechen einlösen können.”

Plattner mit der „neuen Idee“

Hasso Plattner unterstrich die Bedeutung von Integration, Echtzeitsystemen und Hauptspeichern. „Integration ist unser größter Trumpf”, sagte der Vorsitzende des SAP-Aufsichtsrates. „Und um Integration zu verstehen, müssen Sie zunächst die Geschäftsprozesse durchgängig verstehen. Integration zu ermöglichen heißt, die Technik für ihre Umsetzung bereitzustellen.“

Bei der Präsentation von Polestar − die integrierte Oberfläche von Business Objects für SAP NetWeaver Business Intelligence (SAP NetWeaver BI) − habe Plattner zum ersten Mal ein Echtzeitsystem in Aktion erlebt, ein System, das durch den Einsatz von schnelleren, kostengünstigeren Speichern, leistungsfähigerer Hardware und durch integrierte Software möglich ist..

Das Grundgerüst für das heutige Echtzeitsystem wurde mit dem SAP-Konzept „Die neue Idee“ geschaffen, das Plattner vorstellte und erläuterte. Zu den Kernpunkten dieses Konzepts gehören eine einheitliche Benutzersoberfläche, Echtzeitanalyse, die Nutzung von Ereignissen und Auslösern, hauptspeicherbasierte Datenbanken, Cloud Computing, modellbasierte Konfiguration, modulare Implementierung, serviceorientierte Architektur (SOA), geschlossene Informationsverarbeitung, Community, Standards, neue Märkte und keine Offenlegung von Programmcodes.

Zukunft ohne Festplatte

Plattner blickte auf seinen Auftritt auf der SAPPHIRE 07 zurück, wo er das Konzept der hauptspeicherbasierten Lösung von SAP darlegte. 2008 wurde die Latte mit der Übernahme von Business Objects durch SAP noch höher gelegt, da man sich eine Optimierung der Leistungsfähigkeit der hauptspeicherbasierten Datenbanktechnologie von SAP verspricht.

Zwar räumte Plattner ein, dass Festplattenplatz exponenziell billiger sei als Speicher. „In Zukunft werden Geräte keine Festplatte mehr haben“, ist er aber überzeugt. Apple habe es mit dem iPod vorgemacht: Die ersten iPods hatten noch eine kleine Festplatte, der Nano habe keine mehr.

„Wenn wir die Transaktion und Analyse in Lichtgeschwindigkeit auf einem System durchführen und diese Daten dann in andere Systeme übertragen und externe Daten nutzen können … bedeutet das einen großen Schritt nach vorn.” Als Beispiel hierfür kann die Nutzung von für Web 2.0 erweiterbare Mash-Up-Technik genannt werden, auf der das Dashboard in SAP Business ByDesign beruht.

Mit der Darstellung des Zusammenspiels zwischen der offenen Architektur von SAP Business ByDesign und die Datenmodellierung von Business Objects beendete Plattner seine Erläuterungen der „neuen Idee“. „Die Arbeit sollte zu Ihnen kommen“, fasste er zusammen, „und nicht Sie als Benutzer sollten die Arbeit holen.”

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