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Wie IoT die Personalisierung von Produkten unterstützt

Feature | 4. September 2017 von Derek Klobucher 14

Drei große Trends stellen Fertigungsunternehmen vor neue Herausforderungen. In allen drei Bereichen kann SAP eine Rolle spielen.

Zwei bahnbrechende Veränderungen für Hersteller sind die Geschwindigkeit in der Logistikkette und die Personalisierung von Produkten. Davon ist Hans Thalbauer, Senior Vice President der SAP-Organisation IoT & Digital Supply Chain, SAP Leonardo, überzeugt. Der wirtschaftliche Erfolg hängt wesentlich von diesen beiden Faktoren ab. Aber Unternehmen können das nicht alleine stemmen.

„Wir müssen in der Lage sein, ein Produkt innerhalb einer Stunde zu liefern, vielleicht sogar in 30 Minuten … Dafür muss ich aber ein ganz klares Bild von der Nachfrage haben“, sagte Thalbauer auf der SAP Leonardo Live. „Es kommt nicht nur auf statistische Prognosen an, sondern auch auf maschinelles Lernen in der Lieferkette und vorausschauende Analysen.“

Mit der zunehmenden Bedeutung von bedarfsgesteuerten Liefernetzwerken sind Unternehmen gezwungen, ihre Prozesse zu überdenken und unterschiedliche Daten aus einem wachsenden Netzwerk zu nutzen, um die immer spezifischere Kundennachfrage noch schneller bedienen zu können. Thalbauer rechnet damit, dass sich Unternehmen durch die Personalisierung von Produkten mit drei großen Trends in der Fertigung auseinandersetzen müssen:

  • Der Umstieg von Outsourcing zu verteilter Fertigung
  • Der Wechsel von Massenproduktion zu kundenindividueller Massenproduktion
  • Der Aufbau eines Netzwerks

1. Verteilte Fertigung

„Wir sprechen nicht mehr von Outsourcing“, so Thalbauer, „sondern von verteilter Fertigung, das heißt es wird so nahe wie möglich am Endkunden produziert.“

Der 3D-Druck oder die additive Fertigung ist eine gute Möglichkeit, eine verteilte Fertigung für verschiedene Branchen – beispielsweise auch für Hollywood und Hochschultheater – zu erreichen, da damit komplexe Objekte unterschiedlicher Größe schnell produziert werden können. Und das bei einem erheblich geringeren Verletzungsrisiko. Materialise, ein belgischer Vorreiter für additive Fertigung, vermeldete eine steigende Nachfrage nach 3D-Druck.

Das Technik-Magazin The Engineer schrieb: „Im Gegensatz zu herkömmlichen Produktionsverfahren wie die Bearbeitung mit CNC-Werkzeugmaschinen, bei dem Material aus einem Rohteil mit Dreh- und Fräswerkzeugen abgetragen wird, ist der 3D-Druck ein schnelles Fertigungsverfahren, bei dem nur minimaler Abfall anfällt. Durch die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten können Nutzer mit geringen Kosten maßgeschneiderte Objekte herstellen.“

2. Kundenindividuelle Massenproduktion

Der nächste Trend ist die kundenindividuelle Massenproduktion, auch Mass Customization genannt. Dabei werden Waren und Dienstleistungen zu Preisen der Massenproduktion flexibel an ganz individuelle Anforderungen der Kunden angepasst. So wird es laut Thalbauer intelligente Fertigungsinseln – im Gegensatz zu Fertigungsstraßen – in der Konsumgüterindustrie aber auch in anderen Branchen geben.

„Die Fertigung wandelt sich zu einem sehr, sehr flexiblen Umfeld“, erläuterte Thalbauer. „Wir benötigen eine noch stärkere Automatisierung, um schnell zu sein, aber auch um die Nachfrage der Kunden flexibel bedienen zu können.“

Online-Händler können innerhalb von Tagen kundenspezifische Schuhe produzieren – und zwar zu einem Preis, der mit den Standardprodukten ihrer Konkurrenten vergleichbar ist. Und Anbieter von Abo-Boxen schneiden ihre Kisten individuell auf die Verbraucher zu. Aber die kundenindividuelle Massenproduktion könnte schon bald noch einen Schritt weitergehen.

„Zum Beispiel verfolgen Google und Ivyrevel mit ihrer „Data Dress“-App die Aktivitäten, Lebensweise und das Umfeld einer Nutzerin, um ein auf die Kundin zugeschnittenes Kleid zu entwerfen“, berichtete Maya Mikhailov, Mitgründerin von GPShopper, einem Anbieter von Lösungen für mobiles Marketing, kürzlich auf CNBC. „Das ist der Anfang eines neuen Konzepts, bei dem gar nicht mehr die Rückmeldung der Nutzer benötigt wird. Vielmehr erhält der Verbraucher anhand seiner Aktivitäten Produktvorschläge.“

3. Aufbau eines Netzwerks

„Wir müssen Geräte auf intelligente Weise mit Menschen und Prozessen vernetzen“, erklärte Thalbauer von SAP. „Vom Gerätehersteller bis zum Logistikdienstleister müssen alle Partner in einem einzigen Netzwerk miteinander verbunden sein, um eine effizientere Logistikkette zu erreichen.“

Ein durchgängiges Netzwerk kann die Effizienz steigern und die Kosten senken. So drängten kürzlich Verbände für den Containertransport in Australien auf ein integriertes Logistiknetzwerk, das Seeverkehr, Bahn und andere Verkehrsträger besser miteinander vernetzt. Und Alibaba hat gerade ein Netzwerk aus mittelständischen US-Lieferanten aufgebaut. Der chinesische E-Commerce-Konzern erhält dadurch zuverlässige Partner, während die Lieferanten vom Zugang zu mehr Kunden profitieren.

„Sie haben ein zentrales System mit SAP S/4HANA, das sich auf den Geschäftsbetrieb konzentriert und ein Netzwerk mit SAP Ariba“, so Thalbauer. „Wenn Sie dann SAP Leonardo dazunehmen, haben sie den erforderlichen Überblick, um hochinnovativ zu sein und das System optimal zu nutzen.“

Communitys helfen

Die Zahl der Teilehersteller ist groß und nicht alle können mit der CAD-Datei eines Kunden das gewünschte Ergebnis erzielen. Hier helfen Online-Netzwerke Kunden, den passenden Anbieter zu finden. Und über eine neue Community, die teilweise auf der SAP Cloud Platform aufgebaut wurde, konnte „ein neues offenes Umfeld für digitale Innovationen in der Supply-Chain-Planung geschaffen werden“, sagte Josef Packowski, CEO des langjährigen SAP-Partners CAMELOT Management Consultants AG.

„Kunden berichten bereits von hervorragenden Ergebnissen und sind in der Lage, den Bestand um 50 Prozent zu reduzieren und Vorlaufzeiten um 80 Prozent zu verkürzen“, erläuterte Packowski auf der SAP Leonardo Live. „Das ist aus meiner Sicht der größte Schritt in unseren 20 Jahren gemeinsamer Innovationen.“

Folgen Sie Derek Klobucher auf Twitter: @DKlobucher

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Business Trends in der SAP Community.

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