Position im Pilotstadium

Feature | 4. Februar 2014 von Jacqueline Prause 0

Adrian Simpson, Chief Innovation Officer SAP UK & Ireland (Photo: SAP)

Adrian Simpson, Chief Innovation Officer SAP UK & Ireland (Foto: SAP)

SAP.info: Vor kurzem wurde bei der SAP die Position des CINO eingeführt. Gegenwärtig sind CINOs nur für eine Handvoll regionaler Märkte der SAP vorgesehen: England und Irland, Frankreich, Benelux, Niederlande, Italien und Skandinavien. Was sind die Aufgaben eines CINOs, und nach welchen Kriterien hat die SAP entschieden, für welche Märkte er eingesetzt wird?

Adrian Simpson: Meine wichtigste Aufgabe als CINO besteht darin, unseren Kunden, unseren Partnern, den Medien und den eigenen Mitarbeitern die Innovationen und die Produktstrategie der SAP zu vermitteln. Es ist eine Art Sprecherrolle; die Stellung wird manchmal auch als Chief Technology Architect bezeichnet.

Im Wesentlichen geht es darum, die Außenwahrnehmung der SAP als führendes innovatives Technologieunternehmen zu prägen, die Leistungsfähigkeit unserer Produkte zu verdeutlichen und die falsche Vorstellung aus der Welt zu räumen, dass es sich bei der SAP lediglich um einen Anbieter von ERP-Software handelt. Die SAP hat sich im Laufe der letzten Jahre tiefgreifend verändert, und wir müssen in der Lage sein, unseren Kunden zu vermitteln, was das für sie bedeutet.

Hat sich die Position bei SAP schon etabliert?

Momentan befindet sich die Position noch im Pilotstadium. Wir möchten herausfinden, ob sie für die SAP erfolgversprechend ist. Die Entscheidung darüber, für welche regionalen Märkte die Position eingeführt wird, wird von den dortigen Gegebenheiten und Anliegen abhängig gemacht. Außerdem richtet sie sich danach, ob eine Wertsteigerung der Market Unit erzielt werden kann.

Was motiviert Sie zu dem Job?

Es macht mir Spaß, wenn ich bei einem Gespräch mit einem Kunden merke, wie ihm ein Licht aufgeht und er sagt: „Jetzt wird mir das klar. Jetzt begreife ich, weshalb ihr diesen Weg eingeschlagen habt und, welchen Wert das für mich als SAP-Kunde hat.“

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Weshalb spielen im Hinblick auf den Austausch mit Kunden Großveranstaltungen wie die UK & Ireland User Conference für Sie eine so große Rolle?

Veranstaltungen für Kunden spielen für uns eine wichtige Rolle, weil wir damit eine große Zahl an Kunden erreichen und gleichzeitig Einzelgespräche führen können. Sie sind eine gute Gelegenheit, um unsere übergeordneten Strategien und Einschätzungen vorzustellen.

Die UK & Ireland SAP User Group ist für uns besonders wertvoll, weil sie unabhängig von der SAP geleitet wird. Daran ist uns sehr gelegen, denn wir möchten nicht nur mit unseren üblichen Gesprächspartnern in Kontakt kommen, sondern auch mit Leuten, die in einem bestimmten Zusammenhang gar nicht an die SAP denken würden. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe für die Rolle des CINOs.

Ein strategischer Schwerpunkt der SAP in den letzten Jahren war die gemeinsame Innovation mit unseren Partnern. Welchen Beitrag leistet der CINO zu diesen Bestrebungen? Sind die SAP-Partner für Sie eine wichtige Zielgruppe?

Auf jeden Fall. Die Partner haben für uns eine Schlüsselrolle. Sie stehen oft an vorderster Front unserer Entwicklungsaktivitäten. Immerhin sind sie diejenigen, die Betatests durchführen und feststellen, wie die Technik in der Praxis funktioniert und wie sie unterstützt werden kann. Bei uns in England habe ich die Erfahrung gemacht, dass einige Partner ausgesprochen innovativ sind. Sie investieren schon früh und prüfen gemeinsam mit Kunden, ob eine neue Lösung erfolgversprechend ist. Zudem bringen sie Kompetenzen mit, die SAP allein nicht entwickeln könnte. Daher ist es sehr wichtig, dass wir unsere Partner bei dieser Arbeit unterstützen und uns ihres Werts bewusst sind, denn im Alleingang können wir diese Aufgaben nicht bewältigen.

Die SAP hat den Innovationszyklus für wichtige Produkte innerhalb von drei Jahren von 14,7 auf 7,4 Monate verkürzt. Was bedeutet dieses neue Tempo für die Kunden?

Wir haben die Markteinführung beschleunigt und reagieren rascher auf Branchentrends. Wir bringen Innovationen weitaus schneller auf den Markt und stellen sie Kunden damit früher zur Wertschöpfung zur Verfügung. Das alles ist ausgesprochen positiv.

Allerdings sagen uns die Kunden auch, dass es ihnen nicht leicht fällt, mit unserem Tempo Schritt zu halten. Wir bemühen uns, ihnen die Innovationen so zur Verfügung zu stellen, dass sie ihren Geschäftsbetrieb möglichst wenig beeinträchtigen. Da haben wir viel Arbeit hineingesteckt und auch große Fortschritte erzielt. Meiner Ansicht nach heben wir uns in dieser Hinsicht deutlich von unseren Wettbewerbern ab.

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Das Internet der Dinge und die Analyse von Big Data haben die zweite Digitalisierungswelle in der Geschäftswelt ausgelöst. Was können Unternehmen tun, um sich anzupassen und diese Daten zu nutzen?

In dieser Hinsicht stehen unsere Kunden vor einem schwierigen Dilemma. Einerseits müssen sie in ihrer bestehenden Struktur Kosten senken. Andererseits müssen sie Innovationen im Auge behalten und genau prüfen, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird und was ihre Wettbewerber tun.

Die zentrale Frage ist, wie durch intelligente Investitionen in die neueste Technologie geschäftliche Potenziale freigelegt werden können. Es geht um Alleinstellungsmerkmale. Wodurch kann ein Unternehmen sich deutlich von seinen Wettbewerbern abheben? Dafür gibt es in den verschiedenen Branchen zahlreiche Möglichkeiten, im Einzelhandel beispielsweise das Echtzeit-Konzept für Angebots-, Bestands- und Sortimentsmanagement. Manches ist auch für alle Branchen anwendbar und kann Unternehmen generell dabei helfen, Geschäftschancen zu erschließen und sich von allen anderen abzuheben.

Von welchen Technologien werden Ihrer Ansicht nach 2014 die größten Veränderungen ausgehen?

Ich erwarte eine Weiterentwicklung in den Bereichen Cloud, Big Data und mobile Lösungen. Außerdem werden wohl insbesondere kundenorientierte Unternehmen die sozialen Netzwerke noch intensiver nutzen als bisher. Dieser Beziehungsaspekt wird bei der Kundeninteraktion verstärkt zum Tragen kommen.

Hinzu kommt eine weitere Neuerung, die zwar oft Thema ist, aber nicht wirklich in Gang gekommen ist: die Kommunikation zwischen Maschinen. Für 2014 rechne ich auf diesem Gebiet mit einer beschleunigten Entwicklung. Unsere Welt wird in diesem Jahr wohl noch weitaus stärker vernetzt werden. Und wir dürfen erwarten, wie eingebettete technische Lösungen miteinander kommunizieren.

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