Profitable Pflichten beim Chargenmanagement

Feature | 28. Juni 2006 von admin 0

In der US-Niederlassung von Perfetti Van Melle (PVM), dem weltweit sechstgrößten Hersteller von Süßigkeiten, werden die beliebten Kaubonbons Airheads, Airheads Extreme und Mentos produziert, vorwiegend im Werk in Kentucky. Obwohl PVM in den USA als mittelständisches Unternehmen gilt, konkurriert es Kopf an Kopf mit Süßwarenriesen wie Hershey oder Mars. Der Betrieb läuft an fünf Tagen in der Woche rund um die Uhr auf Hochtouren. Pro Stunde werden rund 2.700 Kilogramm Süßigkeiten hergestellt, insgesamt drei Millionen Airheads am Tag. Umgerechnet aufs Jahr stellen mehr als 4,5 Millionen Kilogramm Zucker die Versorgung mit Airheads in den Geschmacksrichtungen Kirsche, blaue Himbeere, Wassermelone, Erdbeere, grüner Apfel, Orange und “white mystery” (weißes Geheimnis) sowie der extrasauren und prickelnden roten, gelben, grünen, orange- und aquafarbenen Airhead Extreme Sour Belts sicher.

Stichtag 9. Juni 2006

Unbemerkt von den Schleckermäulern rund um den Globus hatten die Anschläge vom 11. September 2001 gewaltige Auswirkungen auf die Lebensmittelindustrie. Nach dem Gesetz zum Schutze vor Bioterrorismus von 2002 müssen sich nicht nur alle Unternehmen, die Lebensmittel – die in den USA konsumiert werden sollen – herstellen, verarbeiten, verpacken oder lagern, bei der amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) registrieren. Die Unternehmen müssen vielmehr auch umfassende Unterlagen über den Kauf, die Produktion, die Distribution und den Verkauf der Lebensmittelprodukte aufbewahren und jederzeit in der Lage sein, der FDA einen detaillierten Bericht über jedes Lebensmittelprodukt abzuliefern. Unternehmen, die diese Bestimmungen nicht einhalten, drohen empfindliche Bußgelder bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung. Stichtag für Perfetti van Melle war der 9. Juni 2006.
Früher seien die Produkte des Unternehmens mit Hilfe des Datumscodes zurückverfolgt worden, erläutert Dave Hofmeister, CIO von PVM USA. Zwar habe es in der Geschichte von PVM nie eine Rückrufaktion gegeben, doch im Falle eines Falles hätten alle innerhalb eines bestimmten Zeitraums produzierten Süßigkeiten den Heimweg antreten müssen. Das Gesetz zum Schutz vor Bioterrorismus zwingt den Hersteller, die Chargen jetzt nun wesentlich selektiver zu durchsuchen und gegebenenfalls zurück zu rufen – eigentlich ein Vorteil.
Doch die neuen Anforderungen an das Tracking und Tracing erhöhen im Gegenzug den Haftungsumfang, der von Prozessschritt zu Prozessschritt bei der Herstellung der Süßwaren anfällt. “Für das Informationsmanagement besteht die Herausforderung darin, die Echtzeitdaten für alle Bestandteile zurückzuverfolgen, von den Rohmaterialien über das Zwischenmaterial bis hin zum Endprodukt”, erläutert Hofmeister. Kein Zweifel: Per Handarbeit ist hier kein Stich zu machen. Daher entschloss sich der SAP-Kunde Perfetti van Melle, auch bei der Chargenrückverfolgung auf SAP R/3 zu setzen.

SAP Auto-ID-Infrastructure auf der Liste

Mit Hilfe des SAP-Global-Partners itelligence wurde die Funktionalität in nur drei Monaten implementiert. Den Mitarbeitern bei Perfetti van Melle war sowohl die Bedeutung als auch das Ausmaß an Veränderungen klar, die das Chargenmanagement mit sich bringen würde – was, so Hofmeister, sehr zum Erfolg des Projekts beigetragen hat. Für den CIO war darüber hinaus der Ablauf des Projekts Erfolg entscheidend.
Zwei wertvolle Wochen verwendete PVM auf den Projekt-Blueprint, in dem die Meilensteine für das Go-live abgesteckt wurden. Im Anschluss wurde das Chargenmanagement implementiert. Parallel implementierte Catalyst International eine RFID-Zwischenlösung zur Kennzeichnung der Waren, die bei eventuellem Warenrückruf in Aktion tritt. Als Resultat kann Perfetti van Melle in seiner SAP-Lösung jetzt nicht nur seine Waren in Echtzeit verfolgen, auch die Qualität der Daten hat sich gegenüber den manuellen Eingaben aus alten Tagen erheblich verbessert.
Für Hofmeister war es zunächst wichtig, die Möglichkeiten des Mittelständlers richtig einzuschätzen und damit sowohl den zeitlichen Rahmen, als auch das Budget einzuhalten. Nun ist Perfetti van Melle bereit, den nächsten Schritt zu tun: Der Süßwarenhersteller wird in Kürze mit der Implementierung der SAP Auto-ID-Infrastructure beginnen. Als mittelständischer Zulieferer vieler großer Einzelhandelsketten hat dieses Vorhaben für Perfetti van Melle zurzeit Vorrang. Gleichzeitig evaluiert das Team von Hofmeister jedoch weitere Möglichkeiten des Rollouts – bei Verkaufsaufträgen, Preisgestaltung und Logistik.
Natürlich, räumt Hofmeister ein, habe das Bioterrorismusgesetz bei seinem Unternehmen für den notwendigen Druck gesorgt. Doch darüber hinaus habe Perfetti van Melle darin eine Chance gesehen – und genutzt – seine Geschäftsprozesse zu optimieren und mit einem verbesserten Chargenmanagement zu unterstützen: Gleich ob beim Mischen, Formen, Kühlen, Schneiden, Verpacken oder dem Versand der Süßwaren. Die Liebhaber von Airheads und Mentos kümmern sich indes nicht um die Losgrößen auf dem Produkt und den Verpackungen – doch sowohl die Verbraucher als auch die FDA können sich nun auf eine größere Produktsicherheit verlassen.

Christine Macfarlane

Christine Macfarlane

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