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Prognosen für 2017, Teil 5: Toolkits mit künstlicher Intelligenz, Autos mit emotionaler Abhängigkeit, Deep Learning

7. Februar 2017 von Jacqueline Prause 14

Wird maschinelles Lernen 2017 schnell von Deep Learning abgelöst? Was passiert, wenn künstliche Intelligenz (KI) in der nonverbalen Spracherkennung trumpft? Könnte Lippenlesen zur Zukunftsvision nach Art von Minority Report werden? Welche Auswirkungen hätte es, wenn Sie und Ihr Auto emotional voneinander abhängig würden? Denken Sie nur daran, wie schwierig eine Trennung wäre.

Dies sind nur einige der provokanten und unerwarteten Prognosen der Experten, die in dieser Woche in der von der SAP präsentierten Internet-Radioshow Coffee Break with Game-Changers 2017 Predictions Special – Part 5 zu Gast waren. Moderatorin Bonnie D. Graham fragte 15 renommierte Experten, Akademiker und einflussreiche Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, was sie für 2017 in ihrer Kristallkugel sehen. Jeder Interviewpartner hatte zwei Minuten Zeit für seine Prognose, was dieses Jahr für seine Branche, sein Unternehmen, die Welt oder seinen Technologiebereich bereithält.

Und hier sind die Aussagen der Experten:

1. Künstliche Intelligenz (KI) wird bei der Entwicklung selbstfahrender Autos ein wichtiger Faktor werden. Autos werden lernen, selbst zu fahren. Autos werden ein Bewusstsein entwickeln. Das Auto wird zum Partner werden. Und Ihr Auto wird sich emotional an Sie binden. Das wiederum bedeutet, dass eine Trennung eine schwierige Sache wird.

– Larry Stolle, Senior Global Director of Automotive Marketing, SAP

2. 2017 wird neue Tools und Technologien bringen, mit denen sich Informationen zu Käufern auswerten lassen. Damit werden wir in der Lage sein, den Kaufprozess realitätsgetreu abzubilden – mit Ausrichtung auf den Entscheidungsprozess sowie mit Zuordnung von Interaktionen, freien Inhalten und Marketingmaßnahmen.

– Marisa Kopec, Vice President, Innovation and Product Management, SiriusDecisions

3. 2017 muss eine echte Vertriebsunterstützung realisiert werden. Die Rolle des Vertriebsleiters wird immer noch unterschätzt. Sie ist nicht genau umrissen und es mangelt an angemessener Ausstattung. Tatsächlich spielen Vertriebsleiter, besonders dann, wenn sie Kundenkontakt haben, in jedem Unternehmen die wichtigste Rolle bei der Umsetzung der Strategie – wozu Veränderungen und Transformation zählen. Die praktische Umsetzung findet hier statt oder überhaupt nicht.

– Tamara Schenk, Research Director, CSO Insights bei Miller Heiman Group

4. In 2017 wird der Übergang zum digitalen Geschäft massiv vorangehen. So schnell, wie die Dinge sich verändern und Innovationen aufeinanderfolgen, reicht eine manuelle Integration nicht mehr aus, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Das werden wir in diesem Jahr an den größten Unternehmen der Welt beobachten können, die sich von alten, statischen und zerbrechlichen Silo-Architekturen abwenden und neue horizontale, dynamische und stabile Geschäftsnetzwerke implementieren werden.

– Dave Duggal, Gründer, EnterpriseWeb

Start-ups entwickeln verstärkt Produkte für KI-unterstützte Sicherheit

5. Es wird Synergien zwischen den beiden Denkmodellen geben, von denen eines drei Verteidigungslinien und das andere eine verbesserte Compliance propagiert. Wir müssen intelligenter und proaktiver an die Erkennung von Schwachstellen in unseren Unternehmenssystemen herangehen und die richtigen Tools, Prozesse und Menschen einsetzen, um Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen sowie die Sicherheit wiederherzustellen. Je besser die Hacker werden, umso intelligenter und proaktiver müssen die Unternehmen agieren.

– Elvia Novak, Director, Audit and Enterprise Risk Services, Cyber Risk Services Practice von Deloitte

6. Big Data werden dieses Jahr sowohl in persönlicher als auch in geschäftlicher Hinsicht eine große Rolle spielen. Die Unternehmen sind bereit, den Sprung zu wagen und sich wirklich mit dem Potenzial und den gegenwärtigen Möglichkeiten von Big Data zu befassen. Außerdem werden immer mehr Abläufe auf Geräten automatisiert und nicht nur im privaten Bereich, sondern auch von Unternehmen verwendet werden – beispielsweise Alexa von Amazon.

– Chris Carter, CEO, Approyo

7. Vorausschauende Analysen werden auch weiterhin in vielen Unternehmen ein enormes Wachstum erleben. Damit ist es Unternehmen bereits gelungen, ihren Kunden maßgeschneiderte Lösungen anzubieten und sie auf eine Art und Weise anzusprechen, die früher unvorstellbar gewesen wäre, z. B. über Mobilgeräte, Fernseher, Computer, Smartwatches und mobile Apps. Und sie können Informationen sammeln, die sich verkaufen lassen.

– Maria Haggen, Account Executive, SAP und Mitbegründerin von Community Networker

8. Im Hinblick auf die Cybersicherheit in der verarbeitenden Industrie werden wir beobachten können, wie Möglichkeiten entstehen, Informationsressourcen mit künstlicher Intelligenz zu schützen. Doch auch Hacker werden KI nutzen, um besser angreifen zu können. Es könnte also dazu kommen, dass sich sowohl Angreifer als auch Verteidiger auf KI stützen. Außerdem wird es Toolkits mit künstlicher Intelligenz geben, die den traditionellen Produkten, Services und Architekturen für Cybersicherheit den Rang ablaufen. Ich sehe mehr Start-ups und Ventures, die Produkte mit KI-Unterstützung für die Sicherheit fördern.

– Carlos Russell, Risk Management Director, Ternium

Digitalisierung in der verarbeitenden Industrie und soziale Vernetzung der Arbeit

9. 2017 wird sich in der verarbeitenden Industrie die Transformation zum digitalen Unternehmen vollziehen. Die Fertigungssteuerung wird dann vollkommen personalisiert sein und im Einklang mit den Geschäftszielen stehen. Außerdem rechne ich damit, dass sich verarbeitende Industrien mit Direktvertrieb die agile Fertigung zu eigen machen werden. Dann werden sie in der Lage sein, Einzelstücke ganz nach den Anforderungen jedes einzelnen Kunden herzustellen.

– Vic Briccardi, President, RTS Consulting – Automation

10. Wir werden unglaubliche Anwendungen erleben, in denen sich das menschliche Verhalten und die Absichten des Menschen auf ganz neue Art und Weise mit künstlicher Intelligenz überschneiden. Es wird sich herauskristallisieren, dass die KI nach und nach besser als die Menschen selbst wird interpretieren können, was diese meinen. Beim Lippenlesen, auch als nonverbale Spracherkennung bezeichnet, ist KI inzwischen fast viermal besser als die weltweit führenden Experten. Und das heißt, dass nicht nur Lippenbewegungen erkannt werden, sondern auch der Zusammenhang und die Bedeutung des Gesagten verstanden wird.

– Rich Seltz, Vice President, Digital Transformation, SAP

11. Was die Weiterbildung und Leistungsbeurteilung angeht, werden wir 2017 eine aggressivere Verlagerung des Schwerpunkts von der Organisation hin zum einzelnen Mitarbeiter beobachten. Das wird sich in den Tools und Anwendungen manifestieren, die bei den Mitarbeitern ansetzen. Da kommt es darauf an, wie diese ihr eigenes relevantes System für Weiterbildung und Leistungsbeurteilung als Einzelperson oder in Koordination mit anderen aufbauen. Es werden weniger die ausgefeilten, schwerfälligen organisationsorientierten Prozesse im Vordergrund stehen, sondern vermehrt der Wert der Erfahrung und die Ergebnisse auf individueller Ebene in den Mittelpunkt gerückt.

– Matt Donovan, Vice President, GP Strategies Learning Solutions Group

12. Es wird eine einzige Plattform für gängige Aufgaben geben, so wie z. B. LinkedIn für die Profile von Fachkräften verwendet wird. Warum sollte es mehrere Datenquellen geben? Warum mehrere Benutzeroberflächen? Jeder versucht, sich auf der Arbeit sozial zu vernetzen, und alle investieren in soziale Plattformen. Doch das ist nicht ganz einfach, denn es gibt eine Lernkurve. Wenn für alle gängigen Aufgaben nur eine einzige Plattform verwendet würde, würde das die Dinge erheblich vereinfachen. Plattformen wie LinkedIn zeigen, dass es geht.

– Sherryanne Meyer, HR Transformation Strategist, Americas’ SAP Users’ Group (ASUG)

Deep Learning könnte maschinelles Lernen ablösen 

13. Die IT in Unternehmen wird viel sicherer werden, aber auch viel unheimlicher. Das sage ich, weil es überall vernetzte Geräte gibt und wir damit erheblich mehr einer Mentalität à la „Big Brother“ ausgesetzt werden. Überall wird es Kameras und Geräte geben, um uns auszuspionieren. Aber die größte Veränderung wird sein, dass wir die Spione bewusst hereinlassen. Wir werden alle Datenschutzgesetze über Bord werfen und zulassen, dass Geräte überwachen, wo wir uns befinden. Sehr bald, noch vor Ende 2017, werden Maschinen außerdem anfangen, über unser Schicksal zu bestimmen.

– Sathish Gajaraju, Chief Technology Officer, Sensify

14. Computer werden „verschwinden“, eben weil sie so allgegenwärtig sind. Bevor es dazu kommt, müssen zunächst die Grenzen verschwimmen. Im Bereich der Infrastruktur konnten wir das auf gewisse Weise bereits beobachten – als aus den physischen Computern von Unternehmen zuerst dedizierte, in einem Rechenzentrum betriebene Systeme, dann Leasing-Server und jetzt virtualisierte Systeme wurden. Ein weiteres Beispiel ist Lambda von Amazon. Damit lässt sich Software in Form einer Reihe individualisierter Funktionen schreiben, was viel einfacher ist als ein monolithisches Programm, das auf einem Computer ausgeführt wird. Wenn Apps mit Lambda entwickelt werden, ist das ungefähr so, als ob sich das Bewusstsein der Software auf Dutzende physischer Gehirne aufteilen würde.

– Ken Redler, Chief Technology Officer und Partner, cSubs

15. Maschinelles Lernen ist überholt. 2017 wird Deep Learning zum Lösen großer Probleme in aller Munde sein. Und im IoT wird es endlich ein skalierbares Problem zu lösen geben – und zwar im Verkehr aufgrund all der selbstfahrenden Autos, die künftig online sein werden.

– Padman Ramankutty, Chief Executive Officer, Intrigo

 

(Anmerkung der Redaktion: Die hier veröffentlichten Prognosen haben wir anhand der Aussagen der Experten in der Radiosendung editiert und paraphrasiert.)

Die Aufzeichnung der vollständigen Sendung können Sie unter SAP Game-Changers 2017 Predictions – Part 5 abrufen.

Coffee Break with Game-Changers

Wenn Sie sich über aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaft und der IT auf dem Laufenden halten möchten, schalten Sie Coffee Break with Game-Changers ein, die Radiosendung mit Bonnie D. Graham. Die Sendung wird jeden Mittwoch um 17 Uhr MEZ unter http://spr.ly/SAPRadio live übertragen. Hier kann die Sendung live abgerufen werden.

Foto: Shutterstock

 

 

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