Das ist der CIO von morgen

Feature | 29. November 2012 von Susan Galer 0

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Untersuchungen von Gartner zufolge waren 24 Prozent der heutigen CIOs nicht in der IT-Branche tätig, bevor sie ihre jetzige Position übernahmen.* Etwa 50 Prozent der Studenten, die an der Grand Valley State University (GVSU) im US-Bundesstaat Michigan das Kursprogramm „Enterprise Resource Planning (ERP)“ belegt haben, studieren im Hauptfach Betriebswirtschaft. Und rund 250.000 Informatikstudenten in Indien möchten nicht nur den Umgang mit Technologie, sondern auch den Umgang mit Menschen lernen. Dies sind nur drei Beispiele für den grundlegenden Wandel, der sich im Hinblick auf die Anforderungen an einen CIO vollzieht und damit auch zukünftige IT-Führungskräfte betrifft.

Welche Fähigkeiten CIOs von morgen haben sollten

Das Interesse an den ERP-Kursen der GVSU ist deutlich gestiegen. Grund dafür ist der hohe Bedarf an Akademikern, die unabhängig von ihrem eigentlichen Studienfach auch die Abläufe eines Unternehmens verstehen. „Studenten mit Kenntnissen im Bereich ERP haben auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen“, bescheinigt Dr. Simha R. Magal, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der GVSU. „Die Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die sich mit durchgängigen Prozessen auskennen.“

Er berichtet, dass die GVSU das Kursprogramm ERP auch als Nebenfach für Chemie, Geschichte und andere Hauptfächer anbietet. So haben die Studierenden die Möglichkeit, umfassende Kenntnisse in ihrem Spezialgebiet zu erwerben und zugleich etwas über allgemeine, bereichsübergreifende Prozesse zu lernen. Und genau diese Kombination aus betriebswirtschaftlichem Verständnis und technischem Know-how ist für Unternehmen so wertvoll.

Warum Kommunikation der Schlüssel ist

Gut informierte Studenten wissen auch, dass Kommunikationsgeschick ein absolutes Muss ist. Dr. Ashish Bharadwaj, CIO und Associate Professor an der University of Petroleum Energy & Studies (UPES) in Delhi, erzählt, dass sich in Indien nach wie vor sehr viele junge Menschen für ein Informatikstudium entscheiden. Er ist jedoch der Auffassung, dass sie auch Kenntnisse in anderen Branchen benötigen und wissen müssen, wie man mit Menschen umgeht. „Nur dann können sie Führungspositionen im technischen oder geschäftlichen Bereich eines Unternehmen übernehmen“, betont er.

Kommunikationsfähigkeiten sind schon aus rein praktischen Gründen unabdingbar, bestätigt auch Michael Krigsman, CEO von Asuret: „Wenn man die Dinge nicht so ausdrückt, dass sie vom Unternehmen verstanden werden, werden die anderen auch nicht begreifen, worauf man hinausmöchte.“ Um ein Unternehmen mit all seinen Abläufen und in all seinen Facetten besser verstehen zu können, müssen sich CIOs nach Auffassung von Evan Quinn, Branchenanalyst bei ESG, in den CEO, die Leiter der Geschäftsbereiche und auch in die Mitbewerber hineinversetzen.

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Dennoch ist es nicht einfach, Mitarbeiter mit der richtigen Kombination unterschiedlicher Fähigkeiten zu finden. Krigsman verweist darauf, dass IT- und Geschäftsexperten sich wesentlich voneinander unterscheiden, was ihre Ausbildung und Karriere betrifft. „Jemanden zu finden, der all diese Merkmale in sich vereint, ist wirklich schwierig. Nur wenige Menschen verfügen über großes technisches Know-how und gleichzeitig über einen ausgeprägten Geschäftssinn und Erfahrungen im operativen Bereich.“

Aus diesem Grund haben viele Hochschuleinrichtungen ihre Lehrpläne für Betriebswirtschaft und Informatik überarbeitet. Magal erzählt, dass die Studierenden an der GVSU nicht mehr nur in den Fächern Programmieren, Datenbanken und Netzwerke unterrichtet werden, sondern auch lernen, wie Technologie durchgängige Prozesse in einem Unternehmen unterstützen kann. Außerdem müssen alle Studenten mit Hauptfach Betriebswirtschaft nun auch eine Einführungsveranstaltung zum Thema MIS besuchen. „Es werden nicht zwingend nur Studenten mit dem Hauptfach Informatik oder Management Information Systems (MIS) zu CIOs heranwachsen. Vielmehr ist jeder für die Rolle des CIO geeignet, der versteht, wie sich mithilfe von Technologie Mehrwert für ein Unternehmen schaffen lässt“, erläutert er.

Wie SAP die Kompetenzen künftiger CIOs fördert

Jeder Hochschulabsolvent wünscht sich eine interessante Arbeitsstelle. Der Informatikstudiengang der UPES beinhaltet auch Kurse in relativ neuen Spezialgebieten wie Cloud Computing und Virtualisierung, Open Source und offene Standards sowie Business Analytics und Optimierung. „Da Einstiegspositionen zunehmend auch von Arbeitnehmern mit höheren Qualifikationen besetzt werden, belegen die Studenten auf die Anforderungen der IT-Branche zugeschnittene Kurse zu bestimmten Technologien und Spezialbereichen, um ihre Einstellungschancen zu verbessern“, erzählt Bharadwaj.

Sowohl die UPES als auch die GVSU sind Mitglied im Hochschulprogramm SAP University Alliances, dem sich auch deutsche Hochschulen wie die Universität Kassel und die Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin angeschlossen haben.mit dem die Rekrutierung von Spitzentalenten durch enge Beziehungen zwischen Hochschulen und Unternehmen gefördert werden soll. An den teilnehmenden Hochschulen gibt es spezielle Kurse, in denen die Studenten die Softwareprodukte von SAP in Simulationen kennenlernen können.

Witer auf Seite 3: Der CIO wird wichtiger denn je.

Bei verschiedenen von SAP gesponserten Veranstaltungen haben sie außerdem die Möglichkeit, Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen. Unter den Ingenieurs- und Betriebswirtschaftsstudenten der UPES ist die Nachfrage nach den Kursen zu SAP-Technologie hoch. Die Universität rechnet damit, dass im nächsten Jahr mehr als 1.000 Studenten die Kurse belegen möchten. An der GVSU wünscht sich Magal, dass möglichst viele Studenten Zugang zu den SAP-Innovationen wie Cloud Computing, mobile Lösungen und In-Memory-Technologie erhalten. „Es besteht eine große Nachfrage unter unseren Studenten, die sich in unseren Kursen mit ERP vertraut machen möchten“, berichtet er. Magal schätzt, dass jedes Jahr 1.600 Studenten mit der Software SAP ERP arbeiten. Im nächsten Jahr sollen an der GVSU auch Kurse in Analytik angeboten werden.

Der CIO ist wichtiger denn je

Wie sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist ungewiss, doch eines ist sicher: Trotz Outsourcing und schrumpfender Budgets ist der CIO in einem Unternehmen wichtiger denn je. IT-Absolventen haben beim Berufseinstieg bessere Aussichten als Absolventen anderer Fächer. Magal berichtet, dass Personalbeschaffer die Termine für ihre Jobbörsen an der GVSU immer weiter nach vorne verlegen, da Absolventen von der Konkurrenz angeworben werden, wenn sie zu lange warten. IT-Fachkräften, die sich mit Technologien und geschäftlichen Abläufen auskennen und darüber hinaus Kommunikationsfähigkeiten vorweisen können, ist der Erfolg sicher – und zwar sowohl ihr eigener als auch der ihres Unternehmens.

*Focus, Connect, and Lead: Zentrale Botschaften des Gartner Symposium 2012, September 2012 (Webinar)

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