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Q-Summit 2017: Was die Digitalisierung für Start-ups bedeutet

Feature | 26. April 2017 von Claudio Brecht 1

Auf dem Q-Summit 2017 in Mannheim gaben Gründer von Start-ups wie Amorelie oder eDarling Tipps für erfolgreiches Unternehmertum.

Wie können sich Start-ups Innovationen wie maschinelles Lernen, Blockchain oder Augmented Reality zunutze machen? Welche Vorteile bietet die aktuelle Marktsituation für digitale Startups? Der erste, von Studenten der Universität Mannheim organisierte Q-Summit, stand unter dem Motto „Where Entrepreneurship meets Innovation“. Über drei Tage konnten Start-up-Interessierte Tipps von erfolgreichen Gründern bekommen, Kontakte knüpfen und Workshops besuchen.

Den Auftakt zur Konferenz bildete ein sogenanntes „PitchBattle“. Ähnlich dem Format der bekannten Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ hatten Start-up-Gründer die Möglichkeit, ihre Idee vor einer Jury aus Experten von Unternehmen wie PwC und SAP zu präsentieren und auf einen Preis zu hoffen.

Start-ups sorgen für Innovation in den verschiedensten Bereichen

Einer dieser Gründer ist Niklas Schäfer, der mit seinem Start-up laptop lockWare ein ganz bestimmtes Problem lösen möchte: Wie lässt sich ein Laptop effektiv gegen Diebstahl schützen, ohne dabei auf teure Lösungen wie Stahlkabel zurückgreifen zu müssen? Seine Idee ist so einfach wie einleuchtend: Aktiviert man die lockWare-Software, so überwacht sie durchgehend die Verbindung des Stromkabels mit dem Laptop. Wird diese unterbrochen, ertönt ein lautes Alarmsignal und das Programm verschickt eine Benachrichtigung per WhatsApp. Aufwendiger Diebstahlschutz für den Laptop gehört damit der Vergangenheit an.

Kasi Ravindran und Carsten Linz von SAP mit dem Gewinner des SAP Preises Nils Petersen. V.l.n.r.: Kasi Ravindran, Carsten Linz, Nils Petersen

Voll auf Augmented Reality setzt hingegen Nils Petersen vom Startup ioxp: Mit Hilfe künstlicher Intelligenz sollen Arbeitsschritte von Arbeitern in Echtzeit aufgezeichnet werden und jederzeit überall sprachgesteuert virtuell betrachtet werden können. Auch automatisch generierte Handbücher sind mit im Programm. Der Vorteil für Unternehmen: Bestehende Prozesse im Handumdrehen dokumentieren und neue Arbeiter virtuell ausbilden – und das auf einer Plattform. So kann vermieden werden, dass aus Unachtsamkeit Sicherheitsbestimmungen vergessen werden. Dafür verlieh Kasi Ravindran, Practice Lead für das Digital Innovation Lab bei SAP, ioxp zwei Tickets inklusive Reise und Verpflegung für den SAP Digital Leader Summit.

Kern des Unternehmergeistes: praktische Lösungen für konkrete Probleme finden

Die klimatischen Bedingungen machen es den Einwohnern von Uganda schwer, wenig mehr als Subsistenzwirtschaft zu betreiben. Das zu ändern, hat sich ReSoil von Sebastián Echveverría Botero zum Ziel gesetzt. Die kürzlich wiederentdeckte, sehr fruchtbare „schwarze Erde“ des Amazonas, „Terra preta“, soll in Uganda zu konkreten Verbesserungen der Lebenswirklichkeit der Bauern führen. Das auf natürlich vorkommenden Rohstoffen beruhende Rezept soll gleichzeitig zum Umweltschutz beitragen, da ganz nebenbei CO2 im Boden gebunden wird. Die Jury würdigte dieses Engagement mit dem zweiten Preis und damit 500€ Preisgeld.

Als André Dörrzapf erfuhr, dass jährlich immer noch 300 Milliarden Briefe verschickt werden, überlegte er, wie der Versand eines Briefes so einfach wie der Mailversand gestaltet werden könnte. Das Ergebnis ist EmailBrief. Mit einer herkömmlichen Mail an das Startup, den gewünschten Brief im Anhang, ist bereits alles erledigt. EmailBrief kümmert sich um den Druck und den Versand des Briefs. Dabei ist für die Einhaltung des Briefgeheimnisses gesorgt: Alles findet in geschlossenen Fabriken vollautomatisch statt. Der Clou ist dabei, dass Briefe, welche in die Vereinigten Staaten gesendet werden sollen, vor Ort gedruckt und versendet werden, so dass lästige Wartezeiten und teures Porto für den Transport entfallen. Von der Jury wurde diese Idee mit dem ersten Preis und damit nicht nur mit 1.500€ Preisgeld, sondern auch mit einem Ticket zur Slush 2017 belohnt.

Start-up-Gründer brauchen eine klare Vision und gute Partner

Den Start zum zweiten Tag der Konferenz machte Lea-Sophie Cramer vom Erotik-Startup Amorelie, die Start-up-Gründern die Erfahrungen ihrer ersten drei Jahre schilderte. „Es gab zwischenzeitlich Phasen, in denen ich sehr frustriert war“, so Cramer. „Doch in diesen Zeiten war es hilfreich tolle Mitgründer im Boot zu haben, die mich emotional unterstützen konnten.“ Die Idee, einen Erotikshop zu starten, hatte sie im Zug: „Ich sah etwa fünfzehn Leute, die ‚Fifty Shades of Grey‘ lasen. Ich wusste, der Markt für elegante Sextoys war da.“ Sie betonte besonders, wie wichtig es sei, an sein Produkt zu glauben: „Uns war klar, dass wir es besser machen konnten als die Konkurrenz, weil wir verstanden hatten, was die Leute wollen.“

Die Sicht des Kunden steht auch im Mittelpunkt von Design Thinking, und ist für Start-ups genauso grundlegend wie auch für große Unternehmen. In einem von SAP veranstalteten Workshop konnten sich die Teilnehmer selbst daran versuchen, einen Geldbeutel für einen Partner zu entwerfen. Dabei war es von zentraler Bedeutung, die Bedürfnisse des fiktiven Kunden nachzuvollziehen und umzusetzen. Diese Erfahrung zeigte, wie leicht es ist, sich von eigenen Vorstellungen beeinflussen zu lassen und dabei die Wünsche des Kunden aus dem Blick zu verlieren und betonte so die Wichtigkeit von Design Thinking.

Nicht aus dem Blick verloren, haben dagegen ihre Kunden Lukas Brosseder (eDarling) und Martin Rost (Zalando Lounge). Zum Abend beurteilten sie auf einer Podiumsdiskussion mit anderen Gründern die Perspektiven für Start-ups im E-Commerce-Sektor. Einerseits wurde betont, dass es schwierig sei, im Retail-Sektor aufgrund der starken Stellung von Amazon Fuß zu fassen. Andererseits seien einzigartige, eigens hergestellte Produkte jederzeit in der Lage, das Marktgleichgewicht durcheinander zu bringen. „Es ist wichtig, den ersten Schritt zu tun und zu handeln“, betonte Brosseder. „Die Erfahrung, ein Start-up zu gründen, ist durch nichts zu ersetzen.“

Digitale Plattformen bringen Gründern nie zuvor dagewesene Vorteile

Auch Carsten Linz, Business Development Officer und Global Head beim Center for Digital Leadership von SAP, machte bei seiner Keynote auf die besondere Situation für zukünftige Gründer aufmerksam. „Technologien wie SAP Cloud Platform eröffnen Start-ups ganz neue Möglichkeiten“, erklärte Linz. „Das Kräftegleichgewicht zwischen Konzernen und Startups verschiebt sich zusehends.“ Er betonte dabei vor allem die Wichtigkeit von Plattformen. Als einer der ersten zehn Käufer des iPods habe er verstanden, welchen Vorteil sich Apple verschafft habe, indem sie ihr Produkt gezielt als Plattform vermarktet hätten. Als Beispiel dafür, wie Start-ups sich Plattformen zunutze machen können, nannte er die Kooperation der SAP mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Die elastische Cloud Platform hat es Unternehmen wie Munich Re erlaubt, Waldbrände vorauszusagen oder in anderen Szenarien erlaubt, über Satellitendaten zu verfügen, um beispielsweise Erdrutsche bis zu zwei Wochen im Voraus vorherzusagen. Evakuierungen können so detailliert geplant, Notunterkünfte eingerichtet und Todesfälle vermieden werden.

Technologien wie SAP Cloud Platform eröffnen Start-ups ganz neue Möglichkeiten. Das Kräftegleichgewicht zwischen Konzernen und Start-ups verschiebt sich zusehends.

Die SAP fördert daher mit Angeboten wie SAP.iO, dem SAP Center for Digital Leadership oder SAPPHIRE Ventures auch weiterhin die Start-up-Szene und hofft auf die nächste zündende Idee im Zeitalter der Digitalisierung.

Foto: SAP

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