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Rentabilität von Innovationen sicherstellen

Feature | 5. Dezember 2014 von Christiane Kubach, Julia Doll 0

Um neue Geschäftsmodelle zu finden, müssen Unternehmen alte Denkmuster verlassen. Damit diese Innovationen auch wirtschaftlich rentabel sind, hat die SAP das Konzept „Business Model Development & Innovation“ entwickelt.

Unternehmen benötigen entsprechende Geschäftsmodelle, um das wirtschaftliche Potenzial ihrer Produkte und Leistungen voll und ganz ausschöpfen zu können. Das SAP-Team Research & Innovation am Standort St. Gallen hat eine iterative Vorgehensweise erarbeitet, um neue Geschäftsmodelle für Innovationen zu entwickeln. Mit diesem Konzept ist es möglich, sich auf das vielversprechendste und wirtschaftlich tragfähigste Geschäftsmodell zu konzentrieren. Der Ansatz „Business Model Development & Innovation“ (BDMI) ist einfach anzuwenden und bietet dennoch viel Flexibilität und Anpassungsspielraum. Seit Kurzem gibt es eine BMDI-Schulung für SAP-Mitarbeiter und einen BMDI-Beratungsservice für SAP-Kunden. Der BMDI-Ansatz wird auch ein zentrales Element des Student-Entrepreneurship-Programms der SAP sein.

„Das BDMI-Konzept beruht auf einem tiefen Verständnis der Materie. Es ist von großer Bedeutung für die aktuellen geschäftlichen Herausforderungen unserer Kunden, denn es hilft ihnen, diese zu meistern und die Zukunft ihres Unternehmens zu gestalten“, erklärt Peter Mittemeyer, Head of Business Innovation and Transformation, Business Transformation Services EMEA, der den Service nun auch für SAP-Kunden anbietet.

Europaweite Cloud schaffen

Im Jahr 2012 haben sich wissenschaftliche Institutionen wie die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN), das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) mit IT-Unternehmen wie T-Systems und Atos zusammengetan, um eine europaweite Cloud zu schaffen.

Die Cloudanbieter waren mit zahlreichen Einschränkungen konfrontiert, darunter Kostendruck, öffentliche Ausschreibungsverfahren sowie ausgereifte, komplexe und interne Lösungen. Das Research-&-Innovation-Team der SAP Schweiz unter der Leitung von Uli Eisert machte sich an die Arbeit, um diese Probleme mit einem innovativen Geschäftsmodell zu lösen. Nach gründlichen Analysen und Bewertungen entwickelte das Team gemeinsam mit den Cloudanbietern mehrere potenzielle Geschäftsmodelle.

Teamleiter Uli Eisert (links) und Günter Pecht-Seibert.

Teamleiter Uli Eisert (links) und Günter Pecht-Seibert.

Nachdem das Team zahlreiche Interviews geführt und mehrere Workshops veranstaltet hatte, erstellte es eine Lösung, die sämtliche Anforderungen der wissenschaftlichen Institutionen abdeckte. „Das Konzept half uns, effektive und effiziente Geschäftsmodelle zu entwickeln. Unsere Anbieter waren damit besser in der Lage, außerhalb von gängigen Mustern zu denken und die vielfältigen Möglichkeiten zu erkunden“, erklärt Dr. Bernd Schirpke, Global Market Development, T-Systems International GmbH.

Das Ergebnis war ein Geschäftsmodell, das über allgemeines Cloud-Computing hinausgeht und Mehrwert für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet. Die Wertschöpfung beruht auf der Analyse und Aggregation riesiger Datenmengen, die durch wissenschaftliche Institutionen in die Cloud gebracht werden. So können beispielsweise die Erdbeobachtungsdaten der ESA sehr wertvoll für Erdölgesellschaften sein, um Erdrutsche in der Nähe von Pipelines vorherzusagen. Mithilfe des Konzepts waren die Beteiligten in der Lage, die Anforderungen ihres Marktes in allen Einzelheiten zu verstehen. Darüber hinaus haben die Infrastrukturanbieter, T-Systems und Atos, Anfang 2014 ein nachhaltiges Cloud-Partnernetz aufgebaut.

Ärzte und Patienten profitieren von neuer Plattform

Für die Zusammenarbeit zwischen dem Pharmaunternehmen Roche und der SAP entwickelte das Team ein ähnliches Geschäftsmodell. Geleitet wurde dieses gemeinsame Innovationsprojekt von Bernhard Schweizer, Director Business Development, BIT Mobile Empowerment, bei der SAP. Die beiden Unternehmen planten die Entwicklung einer Lösung für das individuelle Management von Diabetesdaten. Mit der Lösung können Patienten ihre Vitalparameter überwachen und ihren aktuellen Gesundheitsstatus mit ihrem Arzt oder ihren Angehörigen teilen. SAP stellt die Lösung als mobile Anwendung und Cloud-Lösung zur Verfügung. Roche führt sie mit ihren Produkten zusammen und bringt das Ganze als Paket auf den Markt.

Über die App erhalten Diabetespatienten ereignisgesteuertes Feedback von ihrem Arzt. Durch diese Unterstützung fühlen sie sich sicherer auf ihrem Weg zu einem gesünderen Lebensstil. Geplant ist, dass die Krankenkassen eine Grundgebühr für den angebotenen Service zahlen. Die Daten der Patienten, zum Beispiel ihre Therapien und Antworten, werden anonymisiert und von Roche ausgewertet. So erfährt der Pharmakonzern mehr über die Effektivität seiner Medikamente und medizinischen Versorgung. Dirk Uebelhör, Leiter Diabetes Management & Market Access bei Roche Diagnostics Deutschland GmbH: „Der Service war großartig, gut strukturiert und es wurden die richtigen Fragen gestellt.”

Schulungen für SAP-Mitarbeiter, Beratung für Kunden

Die Methode wurde in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen entwickelt. Nun wird die Methode auch im v.camp angeboten. Das „v“ steht für viability und bedeutet Wirtschaftlichkeit. Dabei handelt es sich um eine Weiterbildung, die Entwicklungs- und Produktteams darin unterstützt, die wirtschaftliche Rentabilität von neuen oder bestehenden Lösungen sicherzustellen.

Teamwork beim v.camp.

Teamwork beim v.camp.

Laut Günther Pecht-Seibert, Leiter von Research & Innovation bei SAP, wird in der Entwicklung Erfindung oft mit Innovation verwechselt. „Die Lücke, die dazwischen klafft, ist der Erfolg im Markt“ erklärt er. „Wenn es um die Aspekte Relevanz für den Kunden und Markttauglichkeit geht, ist die Entwicklung von Geschäftsmodellen und Innovationen die ideale Ergänzung zur Methode des Design Thinking. Indem wir BMDI als Standardschulung für unsere Mitarbeiter in der Entwicklung anbieten, schärfen wir das Bewusstsein dafür, wie wichtig das passende Geschäftsmodell ist. So tragen wir letztendlich dazu bei, Innovationen und Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen.“

 

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