Software für die Ladentheke

Feature | 10. Februar 2011 von Daniel Hardt 0

(Foto: Fotolia)

Kein Ramsch-Laden: Strukturierte Geschäftsprozesse mit SAP for Retail (Foto: Fotolia)

Die Herausforderungen für den Einzelhandel sind klar: Intensiver weltweiter Wettbewerb, wechselhafte Märkte  und kritische Kunden. Die Markentreue sinkt, Kunden geben weniger aus und nutzen das Internet, um sich zu informieren oder Einkäufe per e-commerce abzuwickeln. Um langfristig rentabel zu sein, müssen Händler effizient wirtschaften, ihr Angebot auf allen Kanälen präsentieren und den Erwartungen der Kunden entsprechen – beispielsweise hinsichtlich der sozialen Verantwortung.

SAP for Retail liefert dafür die nötige technische Unterstützung. Nicht zu verwechseln mit SAP Retail, also der Anpassung von SAP ERP an die Bedürfnisse des Einzelhandels, ist SAP for Retail eine branchenspezifische Lösung. Sortimentsplanung, Logistik, Kunden- und Personalmanagement sowie Finanz- und Rechnungswesen sind zentrale Bereiche, für die Planungs- und Analyse-Tools bereitgehalten werden. Die Software unterstützt die SAP NetWeaver-Plattform, so dass fremde und SAP-Software angebunden werden kann.

SAP-info stellt Ihnen wesentliche Funktionen des Produkts vor und gibt einen Ausblick, mit welchen Erweiterungen und Neuerungen in Zukunft zu rechnen ist.

Lesen Sie im Folgendem:

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Aufbau Business Insight & Merchandise Lifecycle

Herausforderungen: schwierige Märkte und selbstbewusste Kunden zählen dazu (Grafik: SAP AG)

Nur zwei Herausforderungen: Schwierige Märkte und selbstbewusste Kunden (Grafik: SAP AG)

Aufbau SAP for Retail

Unabhängig ob es sich um Textil-, Verbrauchsgüter- oder Lebensmittelhandel handelt, sind Geschäftsprozesse in fünf Kategorien unterteilt: Business Insight, Merchandise Lifecycle, Supply Chain, Shopper Experience und Corporate Operations. SAP for Retail bietet hierfür die nötigen Tools und Funktionen. So besitzt SAP for Retail eine Service-orientierte Architektur und  erlaubt eine Anbindung an Social Media sowie kollaboratives Arbeiten.

Business Insight

Business Performance und Konsumentennachfrage sind die beiden Aspekte, welche bei der Unternehmenssteuerung berücksichtigt werden müssen.

  • Retail Performance Management: Das Performance Management unterteilt sich in die Bereiche Merchandise, Supply Chain, Store & Channel, Corporate Operations und Business Intelligence Tools. Es werden Dashboards und Berichte erstellt sowie Xcelsius und BusinessObjects Explorer eingesetzt. Rentabilität, Kosten, Nachhaltigkeit und Ausgaben sind eine Auswahl an Feldern, die unter Management-Aspekten analysiert werden.
  • Shopper Insight: Käuferanalysen helfen, den Bedarf von Kunden zu erkennen und Geschäftsentscheidungen unternehmensweit daran auszurichten. Bedarfsprognosen ermöglichen beispielsweise Prognosen bis runter zur Artikelebene, unterstützen die Logistikkette und beziehen Faktoren wie Saisonalität und Werbeaktionen ein.

Merchandise Lifecycle Management

Bei der Waren- und Sortimentsplanung geht es um die strategische Vermarktung eines Produktes über seinen ganzen Lebenszyklus hinweg.

  • Strategische Planung: Übergreifende Budgets können auf Produktkategorien verteilt, Filialen übergeordneten Finanzzielen zugeordnet werden. Ebenso ist die Planung nach Warengruppen sowie Aktionsplanungen und die Bewertung von Werbeaktionen möglich.
  • Preisfindung: Über Preisoptimierungs- und Preismanagement-Software werden Preise für den gesamten Lebenszyklus eines Produkts ermittelt. Auch unterstützt SAP for Retail die tagesaktuelle Preisfindung und analysiert mögliche Preissenkungen und –abschläge — beispielsweise am Ende einer Saison.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Supply Chain & Shopper Experience

Supply Chain Management

Für die Handelskette sind Aspekte wie Wiederauffüllung und Allokation, Beschaffung und Finanzierung, Einkauf, Abwicklung sowie Logistik zu berücksichtigen.

  • Einkauf: SAP Retail synchronisiert sämtliche Prozesse von Bezugsquellenfindung und Einkauf. Die Bestandsverwaltung wird durch flexible Methoden zur Auftragserfüllung und Verfügbarkeitsprüfung optimiert.
  • Bestandsführung: Prozesse wie Vorratsbuchhaltung und Verrechnung profitieren davon, dass der verfügbare Bestand in Echtzeit analysiert wird. Technologien wie Radiofrequenzidentifikation (RFID) erhöhen die Präzision und senken Betriebskosten.
  • Supply Chain Execution: Der Überblick über alle Vertriebskanäle verkleinert Sicherheitsbestände und steigert das Serviceniveau an den Standorten. Zudem kommen Lagerverwaltungs- und Transportmanagement-Software zum Einsatz.

Shopper Experience

Es gilt, dem Kunden ein angenehmes Einkaufserlebnis – von der Warenauswahl über den Preis bis zum Service – zu verschaffen, um dessen Loyalität zu steigern und zur Wiederkehr zu animieren.

  • Point of Sale (POS): Die zentralisierte EFT-Verarbeitung (Electronic Fund Transfer) senkt die Zeit an der Kasse, minimiert Betrugsfälle und steigert die Mitarbeiterproduktivität.
  • Katalog- und E-commerce-Verwaltung: Lösungen, um Inhalte und Kampagnen im Onlinegeschäft zu gestalten.
  • Mulitchannel-Kundenservice: Personalisierte Angebote lassen sich über alle Vertriebskanäle anbieten.
  • Filialbetrieb: Das Filialpersonal erhält Echtzeitinformationen und Bestandsansichten, anhand von Kundenbesuchs- und Transaktionsdaten wird die Arbeitsbelastung ermittelt.
  • Kundenbindung: Zentralisierte verkaufsrelevante Informationen legen Kaufgewohnheiten offen. Die Kenntnis von individuellen Präferenzen hilft, Kunden gezielt zu belohnen und damit zu binden.

Corporate Operations

Finanz- und Personallösungen vereinfachen die Unternehmenssteuerung und steigern so die Rentabilität. Software die wie SAP ERP und BusinessObjects Governance, Risk and Compliance (GRC) fallen in den Bereich Corporate Operations.

  • Finanzmanagement: SAP liefert detaillierte Finanzberichte und hilft Corporate Governance umzusetzen — auch für ausländische Tochterunternehmen.
  • Human Capital Management: Personal- und Talent-Management-Software zeigen die besten Mitarbeiter und binden sie ans Unternehmen.
  • Supportleistungen in der Produktion: Unterstützt Händler Besitz und Anlagen gemäß lokaler Sicherheitsrichtlinien zu betreiben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Erweiterung Business Insight & Merchandise

Klarer Aufbau: Geschäftsprozess von SAP for Retail

Klarer Aufbau: Geschäftsprozesse bei SAP for Retail (Grafik: SAP AG)

Erweiterungen SAP for Retail

Für SAP for Retail stehen verschiedene Erneuerungen in Aussicht. Manche – wie Promotion Management for Retail – sind bereits fertig, andere befinden sich in unterschiedlichen Phasen von Planung und Entwicklung. Hier ein Überblick:

Business Insight

Loss Prevention Analytics soll Unregelmäßigkeiten bei der Inventur aufzeigen, für die häufig unbeabsichtigtes oder vorsätzliches Fehlverhalten des Personals ursächlich ist, und bis zu 1,5% des Umsatzes ausmachen. Loss Prevention ist in SAP POS Data Management und NetWeaver Business Warehouse integriert. BusinessObjects (BO) Enterprise Performance Management (EPM) verfügt über eine bessere Anbindung an BusinessObjects Business Intelligence (BI), Financial Information Management sowie NetWeaver Master Data Management.

Sustainability Performance Management erweitert das Portfolio von BO. Inwieweit ein Unternehmen soziale und ökologische Belange berücksichtigt, wird anhand von Leistungskennzahlen ermittelt und internen wie externen Stakeholdern zugänglich gemacht. Zudem soll das Talent Management eine neue Benutzeroberfläche besitzen und Unternehmensziele besser mit individuellen Performance-Plänen in Einklang bringen.

Merchandise Lifecycle Management

Mit SAP Promotion Management for Retail 7.1 werden Werbemaßnahmen vom Marketing bis zum Controlling durchgeplant. Die End-to-End-Analyse inklusive Logistik und POS verspricht niedrigere Total Cost of Ownership (TCO). Forecast-Funktionen messen vorab den Erfolg für einzelne Angebote, Produktkategorien oder komplette Werbeaktionen. Die Version 7.1 ist auf das wachsende Multi-Channel-Shopping ausgerichtet und wurde am 12. Januar auf der National Retail Federation (NRF) in New York vorgestellt.

Eine Erweiterung von SAP Merchandise and Assortment Planning soll Unternehmen helfen, innerhalb ihres gesetzten Budgetlimits zu bleiben. Bei Berechnungen können dafür zusätzliche Formeln angewandt werden, die Handhabung und die Verbindung mit Produkten von Drittherstellern werden verbessert.

Supply Chain Management

Neue Analysen mit dem RMA (Retail Method of Accounting) Stock Ledger sollen der Lagerhaltung zugutekommen, etwa durch eine genauere Berechnung des Deckungsbeitrags. RMA Cost Allocation weist dabei verschiedene Lagerhaltungskosten dem RMA Stock Ledger zu. Auftragsabwicklung und Transport-Management werden stärker in SAP ERP integriert, Maßnahmen zur Export-Kontrolle und fürs Compliance ausgeweitet.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Shopper Experience & Corporate Operations

Shopper Experience

Die Integration des Loyality-Managements in SAP CRM wird verstärkt, etwa durch ein flächendeckendes Partner-Management inklusive Rechnungsstellung.

Weiterhin werden Rückzahlungs-Optionen flexibilisiert und neue Werkzeuge zur Vergabe von Vergünstigungen und Vouchern (zweckgebundene Gutscheine) eingeführt. Für POS-Applikationen soll eine End-to-End-Integration über den PCI Standard-Bus auf Basis der Enterprise Service Orientated Architecture (ESOA) erfolgen.

Im Bereich E-commerce werden die Nutzer-Oberfläche überarbeitet, Real-Time Offer Management und Zahlungsmethoden wie PayPal eingeführt. Ein Webchannel (E-service) soll Kunden die Chance bieten, rund um die Uhr Hilfe bei Problemen zu finden. Kollaboratives Arbeiten für Call Center-Mitarbeiter wird durch Instant Messaging innerhalb SAP CRM vereinfacht.

Corporate Operations

SAP ERP Financials automatisiert den Prozess der Reorganisation von Profit Centern mittels eines neuen Hauptbuchs. Shared Service Center steigern ihre Effizienz durch die Integration in das SAP Back-end über eine zentrale Plattform. Eine vereinheitlichte Oberfläche, macht die Anwendung von BusinessObjects GRC komfortabler. Mit dem Einsatz von EHP 5 werden standarisierte Prozesse im Bereich HR automatisiert und laufen innerhalb des Shared Services Modells. Employee Self-Services werden in der Java-basierten Web Dynpro-Entwicklungsumgebung neu gestaltet.

Tags: , ,

Leave a Reply