Risiken minimieren

Feature | 28. November 2005 von admin 0

Fortschritte bei Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Stabilität haben die Akzeptanz des jüngsten Linux-Kernels im SAP-Bereich erhöht. So setzt beispielsweise SAP bei den primären Entwicklungsplattformen auf Linux. Außerdem reagiert der Markt positiv auf die Angebote von Linux-Entwicklungs- und -Serviceunternehmen wie Novell SUSE oder Red Hat. Bei der Einführung von Linux in einer SAP-Umgebung sind jedoch nach wie vor kritische Details zu beachten.
Die Komplexität dieser Aufgabenstellung steigt weiter, wenn Unternehmen ihre SAP-Anwendungen individuell erweitern. Anpassungen dieser Art wirken sich negativ auf die Performance aus, wenn sie nicht auf die Hardware-Plattformen abgestimmt sind. So mag beispielsweise ein unzulänglicher Eingriff in die SAP-Lösung zu einer hohen Input-/Output-Last (I/O) beim Speichersystem führen – mit Auswirkungen auf die Gesamtleistung. Aus diesem Grund empfehlen Anbieter wie Unisys vor der Produktivsetzung Linux-basierter SAP-Lösungen eine sorgfältige Analyse und eine gründliche Feinabstimmung. Eine vollständige Analyse umfasst Tests der Datenbank, der Anwendungen und Web-Server sowie der Netzwerkbandbreite und –kapazität, der Plattenspeicher und der Datensicherungen. Eine solche Analyse deckt Performance-Probleme frühzeitig auf und hilft Zeit und Geld zu sparen.

Messen und analysieren

Jede SAP-Umgebung hat unterschiedliche Anwender, Daten und Anwendungen. Zudem besitzen Unternehmen Hardware unterschiedlicher Hersteller. Das erschwert es den Mitarbeitern im Support, den jeweiligen Problembereich zu identifizieren. Auch die Serverleistung fällt oftmals unterschiedlich aus. Diese vielen Kombinationsmöglichkeiten sind ein weiterer Grund für die Empfehlung, den Workload-Mix vor und nach der Einführung Linux-basierter SAP-Anwendungen zu messen. Beispielsweise lässt sich mit dem Application Asset Manager (AAM) von Unisys die vorhandene IT-Infrastruktur aufnehmen. Das Werkzeug sammelt wichtige Daten über Betriebssystem(e), Datenbank(en), Hardware, Speicher und SAP-Anwendungen. Ein Tool zur Performance-Überwachung zeigt dann die die Prozessor- und Speicherauslastungen sowie die I/O-Leistungsdaten der bestehenden SAP-Umgebung. Hieraus lassen sich Hinweise entnehmen, wie sich die Einführung von Linux auf das System als Ganzes auswirken könnte. Das Model-Based-Transformation-Tool (MBT) von Unisys wiederum gibt eine grafische Übersicht über die vorhandene IT-Umgebung vor dem Linux-Einsatz und eine Sicht des künftigen Status nach erfolgter Linux-Einführung. MBT generiert eine webbasierte Ansicht der Systemlandschaft auf der Basis der erfassten Performance-Daten und zeigt ungenutzte Ressourcen und Höchstlasten eines Servers.
Wie lassen sich nun aber Linux-basierte SAP-Plattformen richtig dimensionieren? Eine überdimensionierte Lösung bedeutet eine Ressourcen-Verschwendung. Ein zu klein ausgelegtes System hingegen verursacht lange Antwortzeiten. Es ist daher empfehlenswert, über externe Dienstleistungen nachzudenken, die über entsprechende Erfahrung bei der richtigen Dimensionierung und Konfiguration der neuen Linux-basierten SAP-Infrastruktur verfügen und alle Faktoren berücksichtigen – einschließlich Servern, Plattenspeicher, Bandsystemen und kritischen Netzwerkkomponenten.

Sachkundige Partner suchen

Präzision und Genauigkeit sind für eine erfolgreiche Einführung von SAP auf Linux unerlässlich. Dieser Tipp erscheint offensichtlich. Doch oftmals wird der langfristige Nutzen einer Zusammenarbeit mit einem externen Partner unterschätzt, der sich voll darauf konzentriert, die Linux-Integrationsstrategie eines Unternehmens erfolgreich umzusetzen. SAP-zertifizierte Partner bieten bereits vor der Implementierung einer SAP-Lösung vielfältige Unterstützung und Beratung in Hinblick auf die aktuellen und künftigen SAP-Anforderungen. Die Zusammenarbeit mit einem solchen Partner eröffnet oft auch den Zugang zu hilfreichen SAP-internen Tests und Benchmarks. Individuelle Bedürfnisse der Anwender machen spezielle Dimensionierungen und Konfigurationen erforderlich. Eine Definition dieser Bedürfnisse steht daher am Anfang einer Einführung. Sie umfasst unter anderem die realen Geschäftsprozesse, Datenbanken, Berichte und Kundenanforderungen. Verschiedene SAP-Werkzeuge unterstützen die Kunden dabei, den Prozessorbedarf zu ermitteln. Ein kundiger Partner weist zudem auf künftige Veränderungen hin, beispielsweise Übernahmen, neue Anwendungen oder mehr Anwender. Er trägt zudem dazu bei, eine Lösung zu entwickeln, die auch Aspekte abdeckt, die häufig übersehen werden – etwa die Aufrechterhaltung von Geschäftsprozessen in Notfällen oder Wiederherstellungspläne nach Katastrophen.
Hilfreich ist darüber hinaus, wenn alle SAP-Softwarekomponenten schon vor der Auslieferung auf der neuen Hardware installiert und konfiguriert werden. Dank solcher Vorbereitungen sind neue Server innerhalb weniger Stunden produktiv. Mit so genannten “Hot-Stage”-Services, wird das System vorab unter realen Bedingungen getestet. Diese Vorgehensweise gibt die Sicherheit, dass die neue Linux-basierte Infrastruktur genau auf die kundenspezifische SAP-Umgebung zugeschnitten ist. Gemäß den Systemanforderungen des Kunden umfassen solche Services die Feinabstimmung von Betriebssystem, SAP-Installation und Server. Unisys beispielsweise bietet Hot-Stage-geprüfte Linux-Server für SAP, deren Performance anhand 28 verschiedener Benchmarks überprüft wird.

Umfassende Tests

Wenn es um den Betrieb der SAP-Lösung geht, sollte kein Unternehmen Kompromisse eingehen. Schließlich ist SAP eine der wichtigsten Anwendungen im Unternehmen. Fällt es aus oder funktioniert nicht ordnungsgemäß, kann sich das unmittelbar auf den Umsatz des Unternehmens auswirken. Es sollte daher unbedingt sichergestellt werden, dass die neuen Linux-basierten Server mit Hilfe von Netzwerkredundanztests gründlich auf Zuverlässigkeit getestet werden. Hierzu zählen auch Clustertests für die Wiederherstellung im Katastrophenfall und den Protokollversand (Log Shipping), wodurch Serverredundanz (an einem entfernten Standort) und somit ein Schutz vor Dateibeschädigungen erreicht wird. Die Ergebnisse der Tests sollten dokumentiert werden und den zuständigen Systemadministratoren als Referenz zur Verfügung stehen.
Eine sorgfältige Qualifikationsprüfung befasst sich mit den verschiedensten Aspekten einer Linux-basierten SAP-Umgebung. I/O-Tests beispielsweise sichern die ordnungsgemäße Funktion der vom Linux-Release unterstützten Adapter. Das gilt auch für Hardware-Plattformen mit hoch belasteten I/O-Adaptern (sowohl HBA- als auch Ethernet-Adapter). Zur Prüfung des Prozessors wiederum zählen vergleichende Tests mit verschiedenen Modellen. Es muss auch die maximale in einer Lösung verwendete Anzahl der Prozessoren getestet werden. Im Rahmen dieser Tests sollte auch die Hyperthreading-Technologie überprüft werden. Die Überprüfung des Speichers umfasst Tests über verschiedenen Speicherebenen, auch hier von minimaler bis maximaler Last. Die Stabilitätsprüfung ist der letzte Schritt vor der Freigabe jedes größeren oder kleineren Updates eines Linux-Betriebssystems. Bei dem abschließenden Stabilitätstest sollten alle Testwerkezuge mindestens 72 Stunden lang parallel mit hoher Last laufen. Als Testwerkzeuge dienen hierzu SPECint2000, SPECfp2000, SPECint_rate2000 und SPECfp_rate2000.

Thomas Kohlgraf

Thomas Kohlgraf

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