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SAP S/4HANA Cloud 1705 und 1708: Die wichtigsten Neuerungen

Feature | 30. August 2017 von Andreas Schmitz 28

Der digitale Assistent und vorausschauende Analysen sowie simulationsfähige Variantenkonfiguration in der Fertigung und ein optimiertes Ressourcenmanagement für Dienstleister: Funktionale Erweiterungen für die Fachbereiche auf der einen Seite, industriespezifische auf der anderen prägen die neuen SAP-S/4HANA-Cloud-Releases.

1. SAP CoPilot: Digitaler Assistent kennt Business-Kontext

Als digitaler Assistent unterstützt der SAP CoPilot seit dem Release SAP S/4HANA Cloud 1705 die Nutzer darin, den Business-Kontext einzubeziehen. Er ist derzeit noch ausschließlich in der Cloud-Version von SAP S/4HANA verfügbar. „Der Assistent weiß, in welcher Anwendung sich der Nutzer befindet und in welcher Rolle er im Unternehmen tätig ist“, erläutert Katharina Hellmich, Produktmanagerin für SAP S/4HANA bei SAP. Hier ein Beispiel: Läuft ein Vertrag mit einem Zulieferer aus, beschleunigt der SAP CoPilot den Prozess, ihn zu verlängern. Der digitale Assistent erkennt den Vertrag im Business-Kontext und startet selbständig eine neue „Kollektion“. „Das ist ein Ordner, in dem alle wichtigen Informationen zu einem Thema gesammelt werden“, erläutert Hellmich. Der SAP CoPilot findet Business-Objekte wie etwa aktuelle Verträge mit Zulieferern. Screenshots werden automatisch mit der Anwendung verknüpft und Kollegen lassen sich einladen, um Entwicklungen zu diskutieren.


 


Per „Quick Action“ lässt sich ein Vertrag mit einem Zulieferer nun einfacher erneuern. Sobald der User eine neue Aktivität starten möchte und den Namen des Zulieferers eingibt, ergänzt der intelligente SAP CoPilot bereits selbständig einige Informationen wie etwa die ID des Zulieferers sowie die Nummer des Kontraktes.

Mit dem Release 1708 bekommt der Nutzer nun eine rollenbasierte Vorselektion seiner „Quick Actions“ und es ist zudem möglich, Notizen auf Screenshots zu schreiben oder Details zu schwärzen. „Künftig wird der SAP CoPilot proaktiv auf Probleme hinweisen“, schaut Hellmich in die Zukunft. Dann wird der digitale Assistent nicht nur Business-Objekte heraussuchen, sondern auch darauf hinweisen, wenn eine „Aktivität“ nötig ist – etwa ein Vertrag verlängert werden sollte.

2. Maschinelles Lernen: Rechnungen und Zahlungsprozesse zuordnen

Mit dem boomenden Geschäft des E-Commerce nimmt die Anzahl der kleinteiligen Bestellungen stark zu. „Immer wieder passiert es, dass Rechnungsnummern bei der Zahlung fehlen, falsche Zahlen eingetippt werden oder auch Summen zweimal überwiesen werden“, erläutert Hellmich. Doch ist es bei der großen Menge an Bestellungen und Rechnungen nicht möglich, sie manuell zu kontrollieren. Seit dem Release SAP S/4HANA Cloud 1702 bringt SAP Leonardo Machine Learning Zahlungseingänge und Rechnungen zusammen, kontrolliert automatisch das jeweilige Datum, findet Zahlendreher und gleicht Namen automatisch ab. Einzige Aufgabe des Nutzers: Er muss sich für eine statistische Wahrscheinlichkeit entscheiden, mit der Zahlungen und Rechnungen zusammen passen sollen. Manuelle Nacharbeit ist nur noch in Ausnahmefällen nötig. Zudem schlägt SAP Leonardo Machine Learning mögliche Rechnungen zu einem Zahlungseingang vor, wenn die Zuordnung nicht in der angegebenen Wahrscheinlichkeit möglich ist. Auch der SAP CoPilot wird diese Funktionalität künftig einsetzen können.

3. Vorausschauende Analyse: Rechtzeitig bestehende Verträge erneuern

In der Beschaffung kommt es vor, dass große Mengen in einzelnen Chargen ausgeliefert werden und dabei nicht realisiert wird, dass der Vertrag bereits übererfüllt ist. „Über vorausschauende Analyse ist es nun möglich, den Zeitpunkt ziemlich genau bestimmen zu können, wann der Vertrag erfüllt sein wird“, erläutert SAP-Expertin Hellmich eine weitere neue Funktionalität in SAP S/4HANA 1705. Sind zum Beispiel 80 Prozent der Produkte geliefert, weist die Anwendung nun darauf hin, neue Vertragsverhandlungen anzustoßen und über die größeren Mengen Preisnachlässe zu erwirken. Zudem arbeitet SAP gerade daran, die Lieferzeiten über vorausschauende Analysen exakt zu bestimmen und Warnhinweise zu geben, sofern der Transport zu lange dauert und die geplante Produktion gefährdet.

4. Risk & Treasury Management: Währungs- und Zinsrisiken abschätzen

Der Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union, die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA oder die massive Abwertung der Währung in Venezuela machen Weltmärkte volatiler. Für global tätige Unternehmen wird es zunehmend wichtig, verlässlich abschätzen zu können, wie sich einzelne Währungen entwickeln. „Steht in drei Monaten eine Millionen-Transaktion an, sollte bestenfalls heute schon klar sein, ob es nötig ist, sich abzusichern – etwa über den Kauf von Futures, frühzeitige Kredite oder andere Maßnahmen“, erläutert Hellmich. Entsprechende Prozesse zur Echtzeitanalyse der Währungs- und Zinsrisiken und dem Management dieser Risiken sind seit dem Release 1708 in SAP S/4HANA Cloud integriert. Lediglich die Marktdaten müssen dann noch in die Cloud hochgeladen werden.

5. Lager: Immer genug Teile vorrätig haben

Unternehmen wie Autohersteller produzieren „just in time“. Das stellt hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit der zu verbauenden Teile im Lager. Gleichzeitig sollten nicht zu viele Teile auf Lager sein. „Über das Demand Driven Manufacturing ist es möglich, schneller und präziser als bisher auf neue Aufträge zu reagieren“, erläutert SAP-S/4HANA-Cloud-Expertin Hellmich. Das Lager wird mit dem Release 1708 über „embedded analytics“ durchgehend transparent. „Darüber hinaus ist es möglich, strategische Punkte zu bestimmen, so dass wichtige Teile immer bis zu einem gewählten Puffer verfügbar sind“, erläutert Hellmich.


 


6. Für Dienstleistungsunternehmen: Ressourcen-Management in der Cloud

Mit dem Release 1708 erweitert SAP die Funktionalitäten der „embedded analytics“ in SAP S/4HANA Cloud. So gibt die neue Sales-Übersichtsseite in Ampelfarben über die Dringlichkeit von Kundenaufträgen Aufschluss. Eine entsprechende Lösung gibt es zudem für den Einsatzplan der Berater. Darauf ist zu sehen, welche Kollegen zu welchem Zeitpunkt in den laufenden Projekten eingesetzt sind. „Vorher war es oft nötig, Daten aus dem Business Warehouse hinzuzuziehen“, erläutert Hellmich, „heute wickelt SAP HANA transaktionale wie analytische Prozesse in einem System ab – Zwischenspeicherungen von Daten sind also gar nicht mehr nötig.“ „Instant Insight to Action“ nennt Hellmich das neue große Plus der Lösung – es gibt die Möglichkeit, unmittelbar auf neue Situationen reagieren zu können.


 


7. Fertigung: Variantenkonfiguration mit Simulation nutzen

Bisher konnten Fertiger in SAP S/4HANA Cloud die verschiedenen Varianten eines Produktes festlegen, hatten aber keine hoch entwickelten Simulationsmöglichkeiten. Das hat sich mit dem Release 1708 geändert. Stellt sich ein Entwickler heute sein individuelles Produkt zusammen, hat das System gleichzeitig parallel die Abhängigkeiten im „Gedächtnis“, die zwischen einzelnen Teilen aus der Stückliste und dem Endprodukt bestehen. Sind gewünschte Produktkonfigurationen nicht möglich, wird dies direkt in die Produktentwicklung zurückgespielt. „Die Simulationsmöglichkeit in der Cloud ist ein wichtiger Fortschritt für die Produktentwicklung“, sagt Hellmich.

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