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Botschafter mit Sendungsbewusstsein: erstes SAP-Alumni-Treffen

Feature | 21. April 2017 von Stephan Magura 0

Rund 400 Mitglieder der SAP-Familie loten aus, inwieweit sie als SAP-Alumni-Mitglieder zusammen mit dem Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können. Auch der frühere SAP-Vorstandschef Dietmar Hopp gibt einen Einblick in sein Engagement für aufstrebende Biotech-Unternehmen.

„Jetzt brauche ich erst einmal etwas zu trinken“, flüstert Ralf Meyer und greift sich ein alkoholfreies Bier aus dem Getränkeschrank, ehe er erschöpft auf einem Stuhl niedersinkt. Das einstündige Roundtable-Gespräch zu den Chancen und Risiken des Internet der Dinge (IoT) hat Spuren hinterlassen. Als Co-Moderator musste der ehemalige SAP-Kollege und aktive SAP-Alumni-Netzwerker mehr und intensiver diskutieren als gedacht, um die vielen Redebeiträge zusammenzuführen. Die Welt etwas besser machen zu wollen, ist spannend – und anstrengend. Den Austausch mit Gleichgesinnten möchte der Synomic-Gründer, der Entrepreneure und Start-Ups beim Einstieg in die Geschäftswelt unterstützt und im Rahmen der SAP-nahen Partnerorganisation IA4SP mit vielen ehemaligen Kollegen kooperiert, jedenfalls nicht mehr missen.

„SAP Alumni helps the world run better“ lautete der hehre Anspruch an das erste globale SAP-Alumni-Treffen, zu dem die Initiatorin Margret Klein-Magar in die Sinsheimer Wirsol-Rhein-Neckar-Arena geladen hatte. „Ich habe mit vielen früheren Kollegen gesprochen. Sie alle wollen etwas zurückgeben“, erklärt Klein-Magar das Motto der Veranstaltung.

Viele sind gekommen: leicht angegraute ehemalige SAP-Mitarbeiter, Aus- und Umsteiger, Start-Up-Gründer, Fast-Track-Studenten, frühere und amtierende SAP-Vorstände sowie einige aktive SAPler – es war ein hochkarätiges Publikum, das sich am 24. März im Business Center des Hoffenheimer Fußballstadions versammelt hat.

Bäume für ein besseres Klima

Felix Finkbeiner war wohl der mit Abstand jüngste Teilnehmer. Der Teenager hatte als Neunjähriger im Rahmen eines Schulreferats die Idee entwickelt, es der kenianischen Umweltaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai gleich zu tun. Eine Million Bäume in jedem Land der Erde wollte Felix pflanzen, um auf diese Weise den rasanten CO²-Anstieg zu verlangsamen. Ein Baum kann im Laufe seines Lebens bis zu drei Tonnen Kohlendioxid aufnehmen. Inzwischen ist aus der spontanen Idee die globale Bewegung „Plant-for-the-Planet“ entstanden, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzt und mit Hilfe vieler Unterstützer bislang über 14 Milliarden Bäume pflanzen konnte.

„Seine Art, immer die richtigen Zahlen parat zu haben, kann nerven“, hat die Süddeutsche Zeitung einmal über den „Umwelt-Nerd“ geschrieben. Auch in Sinsheim spickte Finkbeiner seinen Vortrag mit vielen interessanten Daten und lud die SAP Alumni ein, sein Anliegen gleich aktiv zu unterstützen. An seinem Infostand konnten die Besucher ihre Visitenkarte hinterlassen – mit einer Zahl versehen, wie viele Bäume man spenden möchte. Für einen Euro gibt es einen Baum.

Solche großartigen Beispiele in allen Ehren: Private Initiativen allein werden nicht reichen, um die Megaprobleme unseres Planeten zu lösen. Gastredner Jason Slater war aus Wien angereist, um das Thema Nachhaltigkeit in den globalen Kontext einzuordnen. Die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung UNIDO (United Nations Industrial Development Organization) kümmert sich um Industrie- und Technologieförderung zum Abbau von Armut. Ebenfalls auf ihrer Agenda stehen die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Entwicklungsländern sowie Maßnahmen, um die Folgen der Globalisierung und des Klimawandels aufzufangen.

Konnektivität, der Zugang zu Informationen, der Umgang mit knappen Ressourcen: Das seien nur einige der Themen, die man jetzt gemeinsam anpacken müsse, so Slater. Die UN hat eine Agenda mit 17 Zielen formuliert, um die Welt bis zum Jahr 2030 gerechter und nachhaltiger zu machen. Ein „Weiter so“ sei keine Option, meinte der UNIDO-Vertreter.

SAP als „Enabler“ und „Exampler“ bei Big Data und IoT

Die gute Nachricht: „Die Technologie steht bereit, um unsere Bemühungen zu unterstützen“, sagte Slater und nannte die SAP und ihre Möglichkeiten im Umfeld von Big Data und IoT als Beispiele, wie man die globalen Herausforderungen anpacken könne.

Nur mithilfe von moderner Technologie und der Unterstützung aller Beteiligten könne die UN nachverfolgen, ob man den 17 Zielen näherkomme, so Slater. Eine umfassende Datenerfassung und -aufbereitung sowie die visuelle Darstellung der Informationen sind dazu unerlässlich. Nicht umsonst arbeitet die UNIDO an Szenarien zum Einsatz des SAP Digital Boardroom.

Allerdings sei jeder einzelne von uns gefordert, der Nachhaltigkeit Geltung zu verschaffen, meinte der UNIDO-Vertreter weiter. Und wenn es dem SAP-Alumni-Netzwerk gelinge, im Rahmen einer Technologie-Diskussion die richtigen Themen in der richtigen Form zu adressieren, könne es als wichtiger Multiplikator fungieren, so Slater.

Finanzvorstand Luka Mucic nahm den Ball auf und skizzierte, wie SAP die UN-Nachhaltigkeitsziele in ihre Unternehmenspolitik eingebunden hat und auf verschiedene Art und Weise realisiert. Ob es um neue Lösungen für den Gesundheitssektor geht, die CO²-Bilanz, die Edge-Zertifizierung für die Gleichstellung am Arbeitsplatz, den integrierten Geschäftsbericht, den Month of Service, die Africa Code Week, es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass die Vision der SAP keine hohle Phrase ist, sondern gelebt wird.

Die SAP übernimmt Verantwortung, auch in schwierigen Zeiten. Aktuelle Verwerfungen bedrohen den demokratischen Konsens. Millionen Menschen sehen sich als Verlierer der Globalisierung, Nationalismus und Protektionismus feiern in vielen Ländern ein Comeback. Die Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen wird wieder salonfähig. „Müssen wir künftig diskutieren, wem wir unsere Software anbieten beziehungsweise zu welchem Zweck sie eingesetzt wird?“, fragte Mucic ins Publikum.

Gleichzeitig stehen wir am Beginn einer neuen industriellen Revolution. Sie weckt Hoffnungen, schürt aber auch Ängste. Die einen sehen in Technologien wie Robotics, Machine Learning, künstliche Intelligenz oder IoT künftige Heilsbringer, andere befürchten eine noch nie dagewesene Vernichtung von Arbeitsplätzen. Wie kann eine Ordnung aussehen, die einerseits neuen Technologien Möglichkeiten zur Entfaltung bietet, andererseits die Gefahren des Missbrauchs nicht ignoriert? Und welche Rolle soll SAP – die als IT-Firma massiv in neue Entwicklungen dieser Art investiert – hierbei spielen?

Keine Angst vor Maschinen

Markus Noga, der für SAP Chief Innovation Officer Jürgen Müller die Themen Machine Learning und Künstliche Intelligenz vorantreibt, nennt Beispiele, wie sich neue Technologien sinnvoll einsetzen lassen. Aber auch Noga kann nicht voraussagen, welche Dynamik das eine oder andere Thema künftig noch entwickelt.

Luka Mucic ist sich sicher: Technologie und Software können helfen, aktuelle Probleme zu lösen. Aber man müsse sie mit verantwortungsvoller Unternehmensführung koppeln, wobei man dem Datenschutz besondere Aufmerksamkeit widmen sollte.

Seine Anregung, in den anschließenden Break-out Sessions kontrovers zu diskutieren, wurde gerne aufgegriffen. Insgesamt standen acht Themenblöcke zur Wahl, darunter Future of Work, Blockchain, Machine Learning und künstliche Intelligenz, oder auch Industrie 4.0 und Robotics.

„Giving Back“ und wie es geht

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp. „Eigentum verpflichtet, Reichtum noch mehr“, ist sein Wahlspruch und erklärt, warum der Mäzen zu einem der anerkanntesten Förderer von sozialen Projekten geworden ist. Ausführlich stellte Hopp seine zahlreichen Initiativen vor, die von der Dietmar-Hopp-Stiftung gesteuert werden und vorwiegend in den Bereichen Medizin, Ausbildung/Bildung, soziale Einrichtungen sowie Sportförderung angesiedelt sind. Dabei ist Hopp das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen immer ein besonders wichtiges Anliegen, sei es in der Kinderkrebsvorsorge oder in Form von Sportangeboten für Vorstadtkids. Darüber hinaus gab der frühere SAP-Vorstandschef einen Einblick in sein Engagement für aufstrebende Biotech-Unternehmen. Zu seinen Investments zählt beispielsweise Molecular Health. Die Heidelberger Firma mit ihrem Schwerpunkt auf individualisierte Krebsmedizin ist Partner für das SAP-interne Gesundheitsprogramm COPE.

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