Den Stress mit Apps vergessen

Feature | 16. Januar 2014 von Andre Jörns 0

2_DouglasKisingerThompson_SAP

„Lacrosse fördert Ausdauer, Geschicklichkeit, strategisches Denken, Schnelligkeit und Teamgeist. Das hilft mir auch bei meiner Arbeit bei SAP“, sagt Douglas Kisinger Thompson. (Foto: SAP)

Douglas Kisinger Thompson steht am Spielfeldrand und beobachtet die jungen Frauen beim Training. Sie üben Spielzüge und Abwehrformationen ein – immer wieder. Es ist Samstagnachmittag, es ist kühl, und man sieht den Atem der über den Platz sprintenden Spielerinnen. Sein Mobiltelefon klingelt – das bevorstehende Auswärtsspiel muss organisiert werden. Er verlässt den Spielfeldrand. Aus dem Hintergrund hört er, wie eine der Spielerinnen eine andere lautstark zurechtweist. „Nicht nur der Tonfall kann beim Lacrosse rauer werden“, denkt Kisinger Thompson und nimmt den Anruf entgegen. Einige Minuten später kehrt er zum Training zurück. Die Frauen laufen sich gerade aus. Er klatscht jede einzelne der Damen ab und wechselt ein paar Worte mit ihr.

Seit 1995 arbeitet der 47-jährige Kisinger Thompson bei SAP, derzeit im Team HANA Platform Applications. Nebenbei ist er Manager der deutschen Frauennationalmannschaft im Lacrosse. Lacrosse? ln einigen Ländern ist Lacrosse Nationalsport. In Deutschland und weiten Teilen Europas dagegen fristet das Spiel mit den Schlägern und kleinen Netzen an der Spitze ein Dasein als Randsportart.

Ursprung als „kleiner Bruder des Krieges“

Seinen Ursprung hat Lacrosse an der Ostküste des nordamerikanischen Kontinents. Dort spielten schon  die Ureinwohner vor etwa 400 Jahren ein Lacrosse-ähnliches Spiel, das sie Baggatway nannten, was übersetzt so viel heißt wie „kleiner Bruder des Krieges“. Bei den Ureinwohnern stärkte dieses Spiel nicht nur den Teamgeist, sondern diente auch dazu, Streitigkeiten zwischen verschiedenen Stämmen zu schlichten. Mitte des 19. Jahrhunderts begann das heutige Lacrosse dann seinen Siegeszug in Kanada. Es verbreitete sich von Nordamerika bis nach Ozeanien.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum Männer beim Lacrosse Mundschutz tragen – und Frauen nicht

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Lacrosse sogar olympische Disziplin, verlor dann aber an Bedeutung. Kisinger Thompson, geboren im amerikanischen Denver, erzählt, dass Lacrosse in Nordamerika hauptsächlich an den Universitäten gespielt wird. „Dort nimmt Lacrosse schon sehr lange eine wichtige Rolle ein, in Deutschland dagegen wird es erst seit rund 20 Jahren gespielt.“ Aktuell gibt es etwa 40 Vereine, die den Sport in Deutschland anbieten. Kisinger Thompson ist skeptisch, ob Lacrosse hierzulande eine ähnliche Bedeutung wie in Nordamerika erlangen kann. „Es gibt Faktoren, die dagegen sprechen. Das Spiel ist kompliziert und die Ausrüstung sehr teuer, daher hat es auch einen elitären Ruf. Diese Faktoren verhindern aus meiner Sicht, dass sich ein breiteres Publikum dafür interessiert.“

Gespielt wird mit einem Holzschläger, der am Kopfende ein taschenartiges Netz hat, und einem Ball aus Hartgummi. Die beiden Tore befinden sich – untypisch für eine Ballsportart – nicht am Spielfeldende, sondern 14 Meter davor. Die Regeln im Herren- und Damen-Lacrosse sind in vielen Punkten unterschiedlich. Beim Männer-Lacrosse tragen die Spieler neben einem Helm weitere Schutzkleidung wie Ellenbogenschützer, Schulterprotektoren oder einen Mundschutz, da starker Körpereinsatz erlaubt ist. Beim Frauen-Lacrosse darf man Gegnerinnen nur wegschieben, um an den Ball zu gelangen. Daher benötigen die Spielerinnen nicht so viel Schutzkleidung. Eine Mannschaft besteht aus bis zu 23 Spielern. Bei den Männern dürfen zehn Spieler zeitgleich auf dem Platz stehen, bei den Damen zwölf. Im Spiel unterscheidet man zwischen technischen und persönlichen Fouls. Diese können Zeitstrafen oder den Ballbesitz des Gegners zur Folge haben. Die Spieldauer beträgt viermal 15 oder viermal 20 Minuten bei den Herren und zwei mal 30 Minuten bei den Damen.

Weitere Informationen zu den Regeln in diesem Video:

 

Faszination für Schnelligkeit und Körperlichkeit

Kisinger Thompson infizierte sich erst spät mit dem „Lacrosse-Virus“. Er fing vor ungefähr drei Jahren an, nachdem er ein Spiel seines Neffen in Dallas gesehen hatte. „Ich war gleich von Lacrosse fasziniert, nicht nur von der Schnelligkeit und Körperlichkeit des Spiels, sondern auch von seiner Geschichte und Vielfältigkeit.“ So spielen Abwehrspieler zum Beispiel mit längeren Schlägern als die Stürmer. Im Angriff wechselt man ständig die Formation und Spielerwechsel können „fliegend“ erfolgen. Außerdem gibt es große Regelunterschiede zwischen Damen- und Herren-Lacrosse. „Gerade diese zahlreichen Möglichkeiten und Unterschiede machen den Sport so interessant.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was Lacrosse für die Arbeit bei SAP bringt

Zurück in Deutschland sah er sich nach Vereinen um, die Lacrosse anbieten, und stieß auf den Sportclub Frankfurt 1880. „Es dauerte nicht lange, bis ich einen Lacrosse-Schläger in der Hand hatte. Mittlerweile spiele ich in der Bundesliga West für die Kaiserslautern Lumberjacks.“

Kisinger Thompson übernahm außerdem organisatorische Aufgaben vor allem in der Jugendarbeit. Er will die Freude am Sport weitergeben, den er auch als „wichtigen Teil der persönlichen Entwicklung“ sieht. „Lacrosse fördert  Ausdauer, Geschicklichkeit, strategisches Denken, Schnelligkeit und Teamgeist. Das hilft mir auch bei meiner Arbeit bei SAP.“

SAP HANA Platform Applications: neue App fürs iPad in Arbeit

In den letzten Jahren arbeitete Kisinger Thompson im Wissensmanagement für SAP Business ByDesign, seit einigen Wochen ist er im Bereich HANA Platform Applications tätig. Momentan arbeitet er dort an einer mobilen App für iPads. „Besonders an Tagen, an denen am Arbeitsplatz alles ein bisschen chaotisch läuft, ist es schön, wenn ich abends meine Lacrosse-Ausrüstung anziehen kann. Ein Schritt auf den Platz und der Stress des Alltags verschwindet sofort. Das Spiel ist sehr intensiv und ereignisreich, da hat man gar keine Zeit, an etwas anderes zu denken“, sagt der Amerikaner, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie die deutschen Damen bei der WM abschnitten

2012 organisierte er die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren. Kaum war das Turnier erfolgreich abgeschlossen, erhielt er das Angebot, Teammanager der Deutschen Damen-Nationalmannschaft zu werden. „Dieses Angebot konnte ich einfach nicht ablehnen. Aber es nimmt schon deutlich mehr Zeit in Anspruch als anfangs gedacht.“ Neben monatlichen Trainingscamps und internationalen Turnieren stand im Juli der Höhepunkt an: die Weltmeisterschaft im kanadischen Oshawa.

„Es gab sehr schöne Momente bei der Weltmeisterschaft, darunter insbesondere ein Freundschaftsspiel gegen Kanada, eines der besten Teams der Welt, das man normalerweise nur im Fernsehen sieht. Die Stimmung unter den 19 teilnehmenden Ländern war toll. Oshawa gilt als Geburtsort von Lacrosse und wir erhielten dort auch einen Einblick in die Kultur der Ureinwohner.“ Sportlich reichte es für die deutschen Damen nur zum 12. Platz. Dennoch erinnert sich Kisinger Thompson gern an „das einmalige Erlebnis“, obwohl es auch stressige Momente gab. „30 Spielerinnen und Mitarbeiter zwei Wochen lang 24 Stunden am Tag zu betreuen, war manchmal wirklich anstrengend. Die Weltmeisterschaft war eine tolle Zeit, aber danach war ich froh, wieder an meinem Arbeitsplatz zu sein.“

Kisinger Thompson hofft auf Anerkennung von Lacrosse durchs IOC

Momentan ist Lacrosse keine olympische Disziplin, aber Kisinger Thompson hofft, dass es vom Internationalen Olympischen Komitee bald wieder anerkannt wird: „Einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können, damit würde ich mir meinen Lebenstraum erfüllen.“

Tags: , ,

Leave a Reply