Soccer team in a huddle

SAP auf der CeBIT: Transformation live

Feature | 17. März 2015 von Andreas Schmitz 0

Sensoren in der Landwirtschaft, Analyse eines Golfschlags, eine offene Plattform von SAP und Siemens, Bill McDermotts Mission und ein neues Buch über Big Data: Die IT geht heute jeden was an, Manager wie Laien.

Wenn Nis Boy Naeve mit dem Holz auf den Golfball drischt, ist das Klacken trotz der lauten Kulisse in Halle 4 auf der CeBit in Hannover hörbar. In einer 20 Quadratmeter großen Zelle macht der SAP-UX-Technikexperte einen Abschlag beim Golf. Zwar stoppt die Flugbahn jäh vor einer Leinwand, doch virtuell fliegt der Ball darauf weiter – über 220 Meter weit. Ein ziemlich guter Wert im Vergleich mit den Kollegen auf der Messe. Die Flugbahn des Balles und dessen Geschwindigkeit wird gleich nach dem Schlag angezeigt. Per Radar wird die Geschwindigkeit des Golfballs und des Schlägers gemessen und so die Prognose der Flugbahn möglich. Wechselt der Golfer auf ein anderes Holz oder einen Putter, greift das System auf das persönliche Profil des Sportlers zurück und kann so auch Empfehlungen ausgeben, welcher Golfschläger für den bevorstehenden Schlag am geeignetsten sind. Das Beispiel zeigt in einer einfachen Anwendung, wie externe Daten auf der SAP HANA-Plattform für Vorhersagemodelle eingesetzt werden können.

Golf: Die eigene Flugbahn analysieren

Klar ist: Es wird immer mehr dieser Anwendungen geben, in denen Daten aus vielen Quellen herangezogen werden, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und letztlich sogar neue Geschäftsmodelle darauf aufzusetzen.

„Daten sind der Rohstoff der digitalen Wirtschaft“, sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und kündigt die Gründung einer Plattform für Industrie 4.0 an, an der Politik, Wirtschaft, Forschung und Gewerkschaft gleichermaßen beteiligt sind. Henning Kagermann, Vorsitzender der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech, sieht den Nutzer im Zentrum der bevorstehenden Smart Service Welt – „mit allen seinen Vorlieben und Gewohnheiten“. 150 Partner aus Forschung und Industrie entwickelten unter dem Co-Vorsitzenden des Arbeitskreises Smart Service Welt, Kagermann, sechs konkrete Anwendungsfälle. Wesentliche Voraussetzung dafür, dass sie gelingen, ist eine Plattformtechnologie.

„Es ist nötig, Software in Services zu integrieren“, erläutert der Technikvorstand von SAP Bernd Leukert. Wenn etwa ein Klimaanlagenhersteller heute seine Produkte verkauft, sind es im Idealfall keine kompletten Anlagen mehr, sondern der Service „Temperatur im Gebäude“. Der ist allerdings nur dann möglich, wenn Sensoren und IT zusammenarbeiten und Algorithmen dafür sorgen, dass die Werte der Messfühler von den eingesetzten Systemen verstanden und in wertvolle Informationen umgemünzt werden. Das ist dann ein Szenario für die bevorstehende Smart Service Welt, wobei nicht zuletzt die neue Softwaregeneration der SAP, SAP S/4HANA, eine immer wichtigere Rolle spielen dürfte.

Siemens und Schunk: Beispiele, wie Industrie 4.0 klappt

Die Industrie ist bereits auf bestem Wege, Industrie 4.0 zu einem guten Geschäft zu entwickeln: Aus Big Data Smart Data zu machen, ist etwa die Mission von Peter Weckesser, der eine offene Cloud-Plattform geschaffen hat, die etwa eine Anlage als digitales Pendant aufbaut. Jene auf SAP-HANA-Technologie basierende „Siemens Enterprise Cloud“-Plattform lässt sich mit „Realdaten füttern, um etwa Simulationen zu fahren“, erläutert der CEO vom Customer Service DF & PD beim Siemens-Konzern. Beim Hidden Champion Schunk, einem Technologieunternehmen für Span- und Greiftechnik aus Laufen am Neckar, ist inzwischen gar die digitale Fabrik realisiert. Über Sensoren werden sämtliche Einzelteile, die in die Fabrik gelangen oder sie verlassen, nicht nur im Wareneingang registriert, sondern zugleich im ERP verbucht. „Infrastruktur wird mit Intelligenz versehen“ nennt das Stefan Hütter, Professor für Produktion, Logistik und Beschaffung der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, der in einem Film vorführt, wie zeitgleich die Bewegung von Waren Spuren im ERP hinterlässt.

Die Zukunft ist also schon ein Stück weit da und die diesjährige Cebit vermittelt, dass Industrie 4.0 immer näher rückt. Big Data ist das Thema, mit dem sich über kurz oder lang alle Unternehmen werden beschäftigen müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen, ist Rolf Schumann überzeugt, Senior Vice President bei SAP und zusammen mit dem Ex-Sportschaumoderator und jetzigen Journalismus-Professor Michael Steinbrecher Co-Autor des Buches „Update: Warum die Datenrevolution uns alle betrifft“.

Hightech verspricht mehr Effizienz in der Landwirtschaft

Sogar Landwirte werden künftig nicht ohne Sensoren auskommen: Helligkeit, Luftfeuchtigkeit, Düngegrad und Temperatur sind wichtige Faktoren dafür, wie Weizen, Roggen und Hafer gedeihen. In einem Szenario, das SAP für die Cebit entwickelt hat, lassen sich Messwerte auf jenen Getreidefeldern genau anschauen, die gute Erträge gebracht haben und auf jenen, auf denen die Pflanzen nicht so gut gewachsen sind. Sämtliche gemessenen Einflussfaktoren fließen nun in ein System, das dem Landwirt zeigt, wo mehr gedüngt werden muss, aber auch aktuelle Hinweise darauf gibt, wo eine Wässerung beispielsweise gar nicht nötig ist. Es winken eine höhere Effizienz und letztlich weniger Aufwand für höheren Ertrag. Noch ist es nicht bewiesen, dass das wirklich klappt. Doch wie sagte Bill McDermott bei seiner Buchvorstellung („Winners Dream“) vor Studenten und Startups auf der Cebit: „Du musst erst einen Traum haben, dann kannst Du gewinnen.“ Industrie 4.0 ist heute schon weit mehr als ein Traum.

Tags: , , ,

Leave a Reply