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SAP Banking: Google Glass und Pebble Smartwatch nutzen

Feature | 8. September 2014 von Andreas Schmitz 0

Vor zweieinhalb Jahren gründeten die Experten für Bankenlösungen Eckehard Schmidt und Ali Asif bei SAP ein Labor für Innovationen, damit Mitarbeiter einen Teil ihrer Arbeitszeit in neue Ideen investieren können. Jüngste Prototypen: Mobile Payment via Google Glass und Pebble Smartwatch.

Ideen fördern, neue Technologien erlernen und zudem einen organisatorischen Rahmen dafür schaffen: Das ist das Motto, unter dem Eckehard Schmidt und Ali Asif im Entwicklungsbereich Development Unit Financial Services & Master Data Governance, kurz FSMDG, der SAP vor zweieinhalb Jahren das Mobile Banking Innovation Lab, kurz: MBIL, gründeten. An den Entwicklungsstandorten Walldorf, Bangalore und Newtown Square wird das zwischenzeitlich weiterentwickelte Format der Initiative der FSMDG-Unit von SAP inzwischen genutzt: „Es gibt einen klaren organisatorischen Rahmen, eigene Räume, es stehen diverse Devices, eine umfangreiche technische Infrastruktur und vor allem die Expertise erfahrener Kollegen aus dem bereits 2011 gebildeten MBIL-Core-Team zur Verfügung“, erläutert der Leiter zweier Entwicklungsteams und Development Manager im Banking Schmidt, dessen Kollege Ali Asif ihn insofern gut ergänzt, als er als Product Manager Mobile Banking sehr gut einschätzen kann, welche Lösungen auf dem Markt Sinn machen.

Kurzes Proposal als Auftakt

Das MBIL ist in der SAP-Organisation inzwischen gut vernetzt, beispielsweise über gemeinsame Projekte mit benachbarten Industriebereichen und einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit dem SAP AppHaus in Heidelberg. Hier arbeitet das multidisziplinäre Team des Design & Co-Innovation Centers (DCC) aus Designern, Strategen und Projektmanagern in Co-Innovationsprojekten mit Kunden zusammen.

So geht es los: Wer eine Idee hat, erstellt ein kurzes „Proposal“. Darin sind die Idee, der ungefähre Aufwand, Potenzial und Risiken ähnlich wie in einem Miniatur-Business Case beschrieben. Zusammen mit dem MBIL-Core-Team und dem jeweiligen „Product Owner“ im Unternehmen, der oftmals Nutznießer und Auftraggeber einer prototypischen Realisierung ist, wird entschieden, ob der Vorschlag weiterverfolgt wird oder aber nicht. Zumeist finden sich Partner aus Industrie und Wissenschaft, die sich an den Projekten beteiligen oder diese maßgeblich vorantreiben.

Google Glass und Smartwatch als Prototypen für mobiles Bezahlen
Die Grafik zeigt die Funktionsweise von Google Glass.

Die Grafik zeigt den Aufbau einer Datenbrille am Beispiel von Google Glass.

Jüngste Beispiele für Ideen mit Innovationspotenzial: Einkaufen und Bezahlen per Google Glass oder Pebble Smartwatch, also mobil mit Hilfe einer Datenbrille oder aber einer Uhr. Die Idee ist einfach und fußt auf einem Konzept, das Studenten unter Betreuung von SAP-Experten im Rahmen ihrer Bachelor- und Masterarbeiten in den vergangenen Monaten entwickelt haben. Im Beispiel des Google-Glass-Szenarios erstellt der Konsument vorab seine elektronische Einkaufsliste. Sobald er den Laden, beispielsweise den seines lokalen Discounters, betritt, aktiviert der Kunde mit dem Sprachbefehl „ok glass, start my shopping“ die App, welche ihm spontan seine Einkaufsliste präsentiert. Hält der Kunde das gewünschte Produkt in der Hand, liest er es über den Bar- oder QR-Code ein und schon ist es für den Kauf vorgemerkt. Nachdem alle Artikel gefunden sind, „shoppt“ er entweder weiter oder löst per „ok glass, pay“ den Bezahlvorgang aus. Das Geld wird nach Bestätigung über einen auf der smarten Brille angezeigten PIN-Code, den der Kunde an einem Kassenterminal eintippt, automatisch vom Konto abgebucht.

Das Szenario auf der Smartwatch sieht ähnlich aus. Betritt der Nutzer den Laden, wird er durch eine Vibration am Handgelenk auf neue verfügbare Coupons aufmerksam gemacht. Er kann darüber hinaus wie auch bei der Google-Glass-Anwendung seinen aktuellen Kontostand jederzeit mit dem Gerät abrufen. Da Pebble Smartwatch über keine Kamera verfügt, wird die Ware ganz klassisch an der Kasse eingescannt. Das Portemonnaie oder das Smartphone braucht man dennoch nicht mehr hervorzuholen. Eine Vibration der Uhr weist den Nutzer auf die Zahlungsaufforderung hin, die er nur noch bestätigen braucht.

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Die Studenten Lusine Stepanyan und Johannes Rupieper demonstrieren die Möglichkeiten des Innovations-Labors auf dem SAP-Forum für Banken in Frankfurt. Foto: SAP

Ergebnisse als „Fundus“ für weitere Innovationen

Schmidt sieht den Vorteil vor allem darin, dass das Bezahlen eher Nebensache wird und das Shoppingerlebnis selbst in den Vordergrund rücken kann. Die SAP Mobile Platform 3.0 bildet die technologische Grundlage. Denn der „SAP Mobiliser“ als ein Bestandteil der Plattform bietet jene Funktionalitäten, die die Integration und die Sicherheit der Transaktionen gewährleisten. Auch eine Identifikation per Fingerabdruck über das Smartphone ist machbar. Zudem besteht die Möglichkeit, sämtliche Zahlungen über den so genannten Stored Value Account abzuwickeln. Das ist ein virtuelles Konto, auf das etwa über den Micropaymentanbieter PayPal Geld eingezahlt werden kann. Auch Kontokorrent- und Kartenkonten werden vom SAP Mobiliser unterstützt. Werden nun Produkte per Google Glass oder Pebble Smartwatch gekauft, schmilzt die Summe zusammen.

Bei den geschilderten Szenarien handelt es sich derzeit um „konzeptionelle Prototypen“: Ob und in welcher Form diese in SAP-Lösungen auf den Markt kommen werden, ist derzeit noch offen. Erkennbar ist laut Schmidt jedoch das Potenzial wesentlicher Elemente für zukünftige Anwendungsfälle. „Über diese und in den vergangenen Jahren prototypisch realisierte Ideen konnten wir als Entwicklungsorganisation bereits wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die – in Kombination oder als Ergänzung zu bestehenden Lösungen – für unsere Kunden einen deutlichen Mehrwert stiften“, sagt Schmidt und ergänzt: „Darüber hinaus konnten wir über unsere Projekte in den vergangenen zweieinhalb Jahren sowohl bislang verborgene Fähigkeiten bei unseren Mitarbeitern entdecken als auch neue Talente für eine Mitarbeit in unserem Unternehmen gewinnen.“ Die auf Kongressen wie der SIBOS 2013 in Dubai, der DSAG Herbsttagung 2013 in Mannheim und dem SAP Forum für Banken 2014 in Mainz vorgestellten Ergebnisse stießen bei Kunden und Partnern bereits auf großes Interesse.

Google-Glass-Shopping: Inhouse-Navigation als Nächstes geplant

Zu den nächsten geplanten Labor-Innovationen gehört die Erweiterung des Google-Glass-Shoppings unter anderem um eine Inhouse-Navigation. „Dazu werden wir iBeacons nutzen, wie wir sie bereits zur Identifikation des Kunden am POS-System verwenden“, erläutert Development-Manager Schmidt. Stationen im Verkaufsraum senden permanent Bluetooth-Signale aus, über die beispielsweise die Position des Kunden im Verhältnis zum Produkt auf der Einkaufsliste ermittelt werden kann. Schmidt: „Das ist technisch nicht sehr kompliziert und inspiriert unsere Mitarbeiter zudem zu weiteren Innovationen“.

Titelbild: SAP Image Library

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