SAP beschleunigt B·A·R Honda

Feature | 9. Juni 2004 von admin 0

Wer im Rennen verfolgt hat, wie Button mit halsbrecherischen Geschwindigkeiten über die Rennstrecke von Monte Carlo gerast ist, denkt vermutlich nicht an eine Verbindung zwischen dieser aufregenden Sportart und der IT – aber es gibt sie. Die bei B·A·R eingesetzte mySAP-All-in-One-Lösung berührt nahezu jeden Prozess während der Entwicklungs-, Konstruktions- und Testphase der Rennwagen – von der Entwurfsfreigabe und den Konstruktionsänderungen über den Fertigungsprozess und die Bestandskontrolle bis hin zum Rechnungswesen. Nach zweieinhalb Jahren möchte das B·A·R-Team nicht mehr auf sein mySAP-All-in-One-System verzichten.
„Wir hätten niemals gedacht, dass wir so weit kommen“, erläutert James Turner, Business Manager des offiziellen Formel-1-Teams Lucky Strike B·A·R Honda. „Dank SAP haben wir jetzt die vollständige Kontrolle über sämtliche Geschäftsprozesse – von der Entwurfssteuerung bis zum Fertigen, Testen und Entwickeln der Bauteile und Rennwagen in den Wochen und Monaten vor Beginn der Saison. Die Software verschafft uns den notwendigen Überblick über alle Funktionen und liefert uns jederzeit zuverlässige Informationen.“

Geschwindigkeit ist Trumpf

Wie wichtig dieses hohe Maß an Integration und Transparenz ist, wird deutlich, wenn man sich das Tempo und die Komplexität der Entwicklungs-, Konstruktions- und Testzyklen bei B·A·R und die kurzen Vorlaufzeiten zwischen den einzelnen Formel-1-Rennen anschaut. B·A·R baut acht Rennwagen pro Saison. Jeder Wagen besteht wiederum aus etwa 3.000 Bauteilen, die kontinuierlich überprüft und überarbeitet werden, um das Fahrverhalten immer weiter zu verbessern. Für jedes Rennen und jeden einzelnen Test werden drei Fahrzeugkonfigurationen zerlegt und wieder zusammengebaut. In der Stücklisten-Datenbank von B·A·R dürften ständig bis zu 10.000 Teile gespeichert sein – von denen 95 Prozent entweder brandneu sind oder intern konstruiert und gefertigt werden.
Neben der Rennstrecke ist Geschwindigkeit natürlich genauso wichtig wie auf der Rennstrecke. Außerdem ist es zwingend erforderlich, stets den Überblick über die Lagerbestände zu behalten. Von der Forschung und Entwicklung bis zum Design und Testen der Konstruktion auf Aerodynamik, durchläuft jedes von B·A·R gefertigte Teil einen komplexen Prozess, bevor es an die verschiedenen Test- und Rennteams auf der ganzen Welt verschickt wird. In logistischer Hinsicht ist dies eine große Herausforderung, da alle Teile zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar sein müssen. Kurz vor Saisonbeginn und während der Rennen kann es mehr als 50 Konstruktionsänderungen an einem Tag geben. Die benötigten Teile müssen daher auf Abruf zur Verfügung stehen. In der letzten Saison beispielsweise gab es bei B·A·R nach nur sechs Rennen vier verschiedene Auspuffkonstruktionen.

Rückverfolgbarkeit

Dann gibt es noch den Prozess des „Lifeing“, der seine eigenen Probleme aufwirft. Er erstreckt sich im Grunde genommen darauf, die Historie kritischer Bauteile zurückzuverfolgen – etwa 400 der 3.000 in den Rennwagen von B·A·R eingesetzten Teile werden als kritisch eingestuft und die Renningenieure müssen jederzeit Zugriff auf die gesamte „Lebensgeschichte“ dieser Teile haben. Darüber hinaus gibt es ungefähr 800 Teile mit einer kilometerabhängigen Lebensdauer, die exakt protokolliert werden muss, um ein Maximum an Performance und Sicherheit zu gewährleisten. Beim Zerlegen und Montieren müssen die Renningenieure anhand der Aufzeichnungen sofort entscheiden können, welche Bauteile verwendet werden sollen. Die Aufzeichnungen enthalten beispielsweise Informationen darüber, in welchen Wagen die Teile eingesetzt wurden, welche Fahrer die Wagen gefahren haben, bei welchen Rennen die Wagen eingesetzt wurden und welchen Tests die Bauteile unterzogen wurden.
Und hier kommen SAP und SAP Business Partner Ascent Technology, der die neue Software an B·A·R geliefert hat, ins Rennen. Ascent konfigurierte ein maßgeschneidertes mySAP-All-in-One-System für B·A·R, das auf ähnlichen Templates basiert wie die Systeme seiner Kunden aus den Bereichen Raumfahrt und Verteidigung. Das Kernstück des Systems bilden rollenbasierte Armaturenbretter, die den Mitarbeitern von B·A·R alle für ihre tägliche Arbeit benötigten Informationen liefern und sämtliche Abteilungen integrieren, so dass Änderungen sofort vorgenommen werden können.
Das mehrstufige System bezieht alle Beteiligten mit ein – vom Teamchef über den technischen Direktor bis hin zu den Mitarbeitern in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Fertigung oder Finanzen. Es ist ein vollständig integriertes Single-Source-System, das vom ersten Konzept bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Produkt veraltet ist, detaillierte Produktinformationen liefert und ihre gemeinsame Nutzung im gesamten Konzern ermöglicht. Nach Angaben von David France, IT-Manager bei B·A·R, bildet das System mittlerweile einen integralen Bestandteil von B·A·R. „SAP ist jetzt eine Schlüsselkomponente für unsere Arbeitsweise.“

Der neueste Stand der Technik

Vorbei sind die Zeiten, als ölverschmierte Mechaniker mit Schraubenschlüsseln und Wagenhebern hantierten. Wir reden hier von Hightech. Der Formel-1-Bolide von B·A·R wird heutzutage virtuell im SAP-System gebaut, bevor die Arbeit im Werk beginnt. Auf der Rennstrecke wird dann nur noch ein mit einem Laptop ausgerüsteter Ingenieur benötigt, der über eine Verbindung zum SAP-Server am Hauptsitz in Großbritannien alle für den Rennwagen benötigten Bauteile vom Lifeing-Prozess bis zum Ersatzteilmanagement verwaltet. Dies wäre vor Beginn der SAP-Ära unmöglich gewesen und ist besonders beachtlich, wenn man bedenkt, dass andere Formel-1-Spitzenteams bis zu fünf Mitarbeiter für die gleichen Prozesse einsetzen.
Und wenn die Wagen nach dem Rennen in die Box zurückkommen, geht es genauso reibungslos weiter. Dem B·A·R-Team bleibt keine Zeit, die Radkappen des B·A·R Honda 006 zu polieren. Es ist bereits wieder mit dem Überarbeiten, Zerlegen, Austauschen und Montieren der Teile beschäftigt und alle Arbeiten werden mit Spitzengeschwindigkeiten – und größtenteils automatisch – von mySAP All-in-One verwaltet und überwacht. In Barcelona und Monte Carlo hat B·A·R Honda bereits großartige Arbeit mit der Abstimmung der Rennwagen geleistet.

Hohe Transparenz

Transparenz ist bei dieser Art von Hochgeschwindigkeitsprozessen von entscheidender Bedeutung und sie hat sich seit der Implementierung der SAP-Software deutlich verbessert – mit erfreulichen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit. Es wird weniger Zeit mit der Fertigung unnötiger Teile verbracht, die Fertigungsabteilung hat einen besseren Überblick über die Lagerbestände und das Lifeing-Team kann einen präziseren virtuellen Testwagen bauen, um zu zeigen, wo Neuteile und wo gebrauchte Teile zum Einsatz kommen. Und wenn ein Bauteil ausfällt, kann mySAP All-in-One dessen Historie zurückverfolgen und den Ingenieuren so wertvolle Informationen liefern, damit andere Fertigungsreihen aus ähnlichen Materialien überprüft werden können. Außerdem zeigt das System die für alternative Teile geltenden Anforderungen an, informiert die B·A·R-Mitarbeiter über die Lagerbestände und startet neue Produktions- oder Beschaffungsprozesse.
Darüber hinaus unterstützt mySAP All-in-One die unvermeidlich häufigen Konstruktionsänderungen und Anpassungen, die den Wagen schneller und leistungsfähiger machen. Und das Wichtigste ist, dass das Unternehmen nicht mehr nur auf seine Mitarbeiter angewiesen ist, um das komplexe Zusammenspiel zwischen den Abteilungen und dem gemeinsamen Ziel, die Wagen in jeder Saison auf die Rennstrecke zu bringen und dort zu halten, zu koordinieren. Um diese Dinge kümmert sich das System. „Jetzt, wo wir detaillierte Informationen zu allen Teilen haben, Konstruktionsänderungen schnell und effizient verwalten können, das Unternehmen jederzeit die volle Kostenkontrolle hat und die Manager unverzüglich informiert werden, so dass sie die richtigen Entscheidungen treffen können, kann sich jeder auf das konzentrieren, was er am besten kann”, stellt B·A·R Business Development Support Manager Alan Bendy erfreut fest.
Lucky Strike B·A·R Honda kann sich auf das Wesentliche konzentrieren – nämlich das Rennen zu gewinnen. Und mit Button, Sato und mySAP All-in-One im Fahrersitz – was kann da noch schief gehen?

Weitere Informationen:

www.BARf1.com

Lindsay Johnson

Lindsay Johnson

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