SAP-Business-Apps für Windows 8

Feature | 15. November 2012 von Heather McIlvaine 0

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Fast alle Teilnehmer der Fragerunde zu Windows 8 hatten ein iPad in der Hand. Bei ihren Überlegungen zur Einführung mobiler Geräte wogen die Unternehmen meist nur zwischen den Vorteilen von Apple und Android-Geräten ab – Microsoft blieb bei diesen Entscheidungen in der Regel außen vor. Bis jetzt. Am 26. Oktober kam Windows 8 auf den Markt, das neue Microsoft-Betriebssystem für Desktop-PCs, Tablets und Smartphones. Die Hoffnung vieler, dass sich das neue System sofort im Unternehmen nutzen lasse, wurde jedoch enttäuscht. Natürlich kann die Plattform in Sachen Sicherheit und Stabilität punkten, doch wo sind die Apps für Unternehmen? Eine erste Antwort auf diese Frage lieferte die SAP, als sie die Einführung von sechs mobilen Unternehmensanwendungen für Windows 8 bekannt gab.

Windows-8-Apps für Mitarbeiter

Der Schwerpunkt dieser ersten Apps liegt auf der Steigerung der Mitarbeiterproduktivität. Manager können damit auch von unterwegs Workflows und Reiseanträge genehmigen, Bewerbungsunterlagen sichten und Bewerbungsgespräche vorbereiten oder ihre Mitarbeiter verwalten. Das Angebot umfasst außerdem Apps, mit denen die Mitarbeiter Online-Schulungen absolvieren und sich über Änderungen an Richtlinien informieren können, sowie Apps für Vertriebsmitarbeiter. Die sechs Anwendungen können über die Technologie SAP NetWeaver Gateway direkt mit den SAP-Backend-Systemen kommunizieren.

Außerdem wurde verkündet, dass die Entwicklung von mobilen Windows-8-Anwendungen auf der SAP Mobility Platform (vormals Sybase Unwired Platform) unterstützt wird. Dadurch können sowohl die Walldorfer als auch ihre Partner und die weltweite Entwicklergemeinde Apps für das neue Microsoft-Betriebssystem entwickeln, die sich an die Backend-Systeme von Unternehmen, beispielsweise ERP- und CRM-Systeme, anbinden lassen. Ob Unternehmen schnell auf das neue Windows 8 setzen werden, hängt entscheidend von der Zahl der angebotenen mobilen Unternehmensanwendungen ab. Eine weitere Ankündigung betraf die erweiterten Sicherheitsfunktionen für die Lösung SAP Afaria, mit der mobile Endgeräte und Anwendungen nun auch unter Windows 8 verwaltet werden können.

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Alegri, das sowohl Partner von SAP als auch von Microsoft ist, hat bereits eine SAP-App für Windows 8 entwickelt. In der Demoversion ist die App als „Fahrrad-Konfigurator“ zu sehen; sie kann jedoch für beliebige Beschaffungsszenarien genutzt werden und lässt sich an die Lösung SAP Product Lifecycle Management (SAP PLM) anbinden. SAP und Microsoft werden voraussichtlich bis Ende des Jahres die nächsten Apps für Windows 8 planen. Diese werden dann sowohl über den SAP Store als auch über den Microsoft Store erhältlich sein. In Zukunft werden jedoch die meisten Unternehmen Apps einfach über ihren eigenen Windows-8-Store herunterladen. Microsoft plant, den Kunden speziell für diesen Zweck ein Software Development Kit (SDK) zur Verfügung zu stellen. Nach Ansicht von Mirek Nowak, Technical Business Development Manager bei Microsoft, spielen Faktoren wie das SDK für Windows-Store-Apps und die Unterstützung von Windows 8 für unterschiedlichste Gerätetypen eine entscheidende Rolle bei der Wahl einer mobilen Plattform für ein Unternehmen. „Nicht jedes Unternehmen ist in der Lage, iPads und Android-Geräte auf breiter Basis einzuführen“, erläutert er. „Dennoch möchten Entscheidungsträger die Einführung dieser Geräte mit Touch-Bedienung vorantreiben.“

Die sechs Apps im Überblick:

SAP WorkDeck: vereint Aufgaben wie die Genehmigung von Reise- und Urlaubsanträgen sowie Workflows in einer App

SAP Manager Insight: unterstützt das Talentmanagement durch die Anzeige von Mitarbeiterprofilen einschließlich Lebenslauf, Qualifikationen und absolvierten Schulungen

SAP Learning Assistant: ermöglicht den Mitarbeitern, auch unterwegs Schulungen zu absolvieren

SAP Interview Assistant: zeigt Personalverantwortlichen Informationen zu Kandidaten, Bewertungen und Anschreiben an

SAP Customer Financial Fact Sheet: ermöglicht Vertriebsmitarbeitern den Abruf von Kundenprofilen einschließlich Kreditlimit und Umsatz

SAP GRC Policy Survey: bietet Mitarbeitern die Möglichkeit, sich auch unterwegs über Änderungen an Richtlinien zu informieren

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In den meisten Unternehmen ist es den Mitarbeitern erlaubt, ihre mobilen Endgeräte am Arbeitsplatz zu nutzen, doch nicht alle Unternehmen verfügen über eine Strategie für die damit verbundenen rechtlichen, finanziellen und personalwirtschaftlichen Aspekte. Sicherheitsrisiken wie dem unbefugten Zugriff auf nicht verschlüsselte Daten oder dem Verlust bzw. Diebstahl von Geräten können die Unternehmen relativ einfach begegnen, indem sie Lösungen für die Verwaltung mobiler Endgeräte einsetzen. Die eigentlichen Herausforderungen bestehen jedoch darin, Partnerschaften mit einem bestimmten Anbieter zu berücksichtigen, unterschiedliche Bestimmungen für die Benutzer in verschiedenen Regionen zu unterstützen und zu entscheiden, ob das Unternehmen für kostspielige Roaming-Gebühren bei Dienstreisen aufkommen soll.

Einführung einer lückenlosen BYOD-Strategie

 In einer Session, in der es um die Einführung einer globalen Strategie für private Endgeräte am Arbeitsplatz (Bring Your Own Device, BYOD) ging, diskutierten die Teilnehmer über diese Herausforderung. Ein Problembereich, den fast alle Teilnehmer anführten, sind die strengen Gesetzesvorgaben in den EU-Ländern. Unternehmen in diesen Ländern können von ihren Mitarbeitern verklagt werden, wenn sie private Daten auf verlorenen oder gestohlenen Geräten löschen.

Eine solche Klage ist selbst dann möglich, wenn der Mitarbeiter eine entsprechende Vereinbarung im Rahmen der Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens unterzeichnet hat. In einem solchen Fall empfiehlt sich die Implementierung einer Lösung für die Verwaltung von Endgeräten, sodass die Datenlöschung in jeder Anwendung separat erfolgen kann. Dies ist natürlich mit großem Zeitaufwand verbunden, doch angesichts der globalen Vernetzung und zunehmenden Nutzung privater Geräte bei der Arbeit eine wichtige Voraussetzung.

Die folgende Checkliste hilft Unternehmen bei der Einführung einer lückenlosen Strategie für die Nutzung privater Endgeräte am Arbeitsplatz:

– Ermittlung der Benutzergruppen und Geschäftsbereiche mit dem größten Interesse an einer BYOD-Strategie, um die Einführung einer solchen Strategie gegenüber der Geschäftsführung besser rechtfertigen zu können

– Ermittlung der Anspruchsgruppen in den Rechts-, Finanz- und Personalabteilungen sowie Arbeitnehmervertretungen, die für die Einhaltung von Richtlinien verantwortlich sind

– Klein anfangen: Einführung der BYOD-Strategie in einem Pilotprojekt, um mögliche Problembereiche aufdecken zu können

– Wahl einer geeigneten Lösung für die Verwaltung mobiler Endgeräte

– Schaffen von Bewusstsein unter den Mitarbeitern

– Ausweitung der Strategie auf das gesamte Unternehmen

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