Mobile-Strategien im Vergleich

Feature | 10. Oktober 2013 von Uta Spinger 0

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Aus Sicht von Axel Bülow, Interim-CIO bei SAP, sollten Mitarbeiter jederzeit überall mobilen Zugriff haben. (Foto: SAP)

Arbeiten wird flexibler, Smartphone und Tablet gehören längst zum Arbeitsalltag. Laut einer Studie des Hightech-Verbandes BITKOM greift jeder dritte Beschäftigte (32 Prozent) von unterwegs auf die IT seines Arbeitgebers zu. Jedes dritte Unternehmen sieht zudem Bedarf an einer integrierten Plattform zum Management von Endgeräten, Anwendungen und Content.

Umso verwunderlicher ist es, dass bei einer Umfrage des Beratungsunternehmens PAC  rund 60 Prozent der europäischen Unternehmen angaben, keine langfristige Mobility-Strategie zu haben. Und nur 15 Prozent der Unternehmen hätten die Sicherheit von mobilen Anwendungen und Daten bislang adressiert.

CIO treibende Kraft hinter der Mobilstrategie

Beim SAP CIO Summit in Dreieich bei Frankfurt diskutierten IT-Chefs mit Fachexperten das Potenzial von Mobilstrategien und wie sich diese umsetzen lassen. Dass in den Unternehmen der Kongressteilnehmer meist die IT-Abteilung die treibende Kraft hinter der Mobilstrategie ist, zeigte eine kleine mobile Umfrage zu Beginn. Sie machte auch die innovative Rolle des CIOs deutlich.

Welche Rolle eine ganzheitliche mobile Strategie inklusive Sicherheitskonzept spielt, erläuterte Axel Bülow, Interim–CIO bei SAP: „Als IT-Leiter bin ich auch selbst Kunde der SAP, und zwar als Pilot-User der ersten Stunde. Wir bauen Prototypen und wenn diese erfolgreich sind, nehmen wir diese in unser Portfolio auf.“ So wurde die App SAP Mobile Documents, die einen sicheren Austausch von Dokumenten ermöglicht,  beispielsweise zunächst als Prototyp gebaut und intern getestet, bevor sie öffentlich verfügbar wurde.

Derzeit sind 60 Apps bei der SAP für Mitarbeiter verfügbar, darunter Klassiker wie die Reisekostenabrechnung, der Urlaubsantrag, aber auch Apps für den Vertrieb oder BI-Dashboards fürs Management.

Mobile Anwendungen zwingen zu besserer Usability

Apps im Unternehmen anzubieten bringt laut Bülow den Vorteil mit sich, dass Mitarbeiter bestehende Lösungen besser akzeptieren. Der Grund: Mobile Anwendungen zwängen die Entwicklung nämlich, von Anfang an auf Usability zu achten. Das mache Anwendungen intuitiver und leichter bedienbar.

Nahe an den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Wünschen der Kunden zu sein: Das bedeutet eine Mobilstrategie für Unternehmen wie Ferrero und BayWa, die ihre Konzepte vorstellten.

IT-Architekt Jörg Frye von RI-Solution, der IT-Tochter des Agrar-, Energie- und Baustoffhändlers BayWa, berichtete von der 2012 eingeführten offlinefähigen Sales-App im Agrarbereich. Mit dieser können rund 300 Vertriebsmitarbeiter Informationen zu Produkten und Kunden abrufen und auf dem mobilen Endgerät speichern Der Vertriebsmitarbeiter kann beim Kunden vor Ort direkt Belege wie Verträge oder Aufträge erfassen und nach Freigabe an das SAP-System senden. Durch diese Sales-App wurde ein papierbezogener Prozess abgelöst. Damit sparen die Vertriebsmitarbeiter Zeit, die sie für Kundengespräche verwenden können. „Mit Unterstützung der SAP Mobile Platform können wir die Versorgung der mobilen Endgeräte mit den notwendigen Stammdaten so steuern, dass der Mitarbeiter genau die Informationen bekommt, die er braucht“, so Frye. Zudem könne RI-Solution eigene offline Apps für die BayWA einfacher und mit geringeren Entwicklungskosten erstellen.

SAP CIO Summit: BayWa ersetzt jedes dritte Notebook durch Tablets

Die Einstufung der SAP als Top Vendor bei MDM und MADP (Mobile Application Development Platform) von Gartner und die Tatsache, dass BayWa größtenteils bereits SAP-Lösungen einsetzt,  waren für Frye Gründe, sich beim Aufbau der Mobilstrategie an SAP zu wenden. „Als SAP Sybase mit Afaria und der Mobile Platform gekauft hat, war es für uns klar, dass die SAP den mobilen Weg mit ihren Kunden gehen würde“, erklärte der IT-Architekt. Langfristig möchte RI-Solution 30 Prozent der Notebooks bei BayWa durch Tablets ersetzen: „Der Anteil mobiler Arbeitsplätze wird steigen, wir stehen erst am Anfang, auch bei den Einsatzmöglichkeiten.“

„Wir waren schon immer mobil beim Kunden“, berichtete auf dem SAP CIO Summit Martin Flegenheimer, IT Director Middle & Eastern Europe beim italienischen Familienkonzern Ferrero, und zeigte augenzwinkernd Fotos der Fünfzigerjahre aus dem Firmenarchiv. Darauf zu sehen: Ferrero-Mitarbeiter in Mini-Bussen unterwegs zum Kunden. Die Geschichte der mobilen Software begann bei Ferrero schließlich mit der Anwendung SAP Retail Execution für den mobilen Außendienst, mit der Tausende von Vertrieblern ihre Besuchsplanung und Datenerhebung durchführen können. Flegenheimer lobte vor allem die direkte Anbindung der App an SAP ERP, dass sich Änderungen, etwa bei den Kundenbezirken, leicht vornehmen ließen, sowie die einfache Handhabung. Ferrero erhoffe sich von den Mobillösungen Produktivitätssteigerungen im Außendienst von bis zu 20 Prozent. Außerdem setzt der Konzern eine eigenentwickelte App zum Store Check ein. Dabei untersucht ein anonymer Tester ein Ladengeschäft nach festen Kriterien und Standards und kontrolliert, ob die Waren gut präsentiert werden. Weiterhin gibt es bei Ferrero SAP HR Apps zur Reisekostenabrechnung und für Urlaubsanträge. SAP Mobile Documents sei derzeit in der Pilotphase, funktioniere aber gut, berichtete der CIO, so dass weitere Tests mit einer höheren Nutzerzahl geplant seien.

Beim Thema „Bring your Own Device“ (BYOD) – Mitarbeiter nutzen ihre privaten Mobilgeräte auch im Job – gab es auf dem SAP CIO Summit geteilte Meinungen: BayWa hat diese Möglichkeit aufgrund von Sicherheitsbedenken ausgeschlossen. Ferrero hingegen erlaubt seinen Mitarbeitern, ihre Mobilgeräte geschäftlich zu nutzen, steuert dies jedoch nicht aktiv. Die SAP hat in über 20 Ländern ein BYOD-Programm für die rund 6.000 privaten Mobilgeräte ihrer Mitarbeiter eingeführt, das kürzlich vom Analystenhaus Ovum bei den BYOX Strategy Awards als bestes Programm ausgezeichnet wurde. „Der Arbeitsplatz der Zukunft ist mobil, wir machen unsere Mitarbeiter produktiver, wenn sie überall und jederzeit online sein können“, begründete Bülow die SAP-Strategie und erläuterte: „Über die SAP Mobile Platform verwalten wir insgesamt 70.000 Mobilgeräte der wichtigsten Hersteller, bald auch Windows 8-Geräte.“

Interim-CIO von SAP: „Tablets und Laptops zu hybriden Geräten verschmelzen“

Um künftig die Gerätevielfalt zu reduzieren, richte die SAP aber auch ihr Augenmerk darauf, Tablets und Laptops zu einem hybriden Gerät zu verschmelzen, so Bülow: „Wir wollen den mobilen Arbeitsplatz der Zukunft designen.“ Dabei habe die SAP auch Einsatzszenarien im Bereich der Augmented Reality im Blick. So könnten Lagerarbeiter bei der Kommissionierung mit Hilfe von Google-Glass-Datenbrillen auf Informationen eines verbundenen Smartphones zurückgreifen und  erhielten  diese in einem virtuellen Display dargestellt.

Mehr zum Gipfel:

www.sap-cio.de/cio-summit/

Mobile Strategien im Video:

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