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SAP Fiori nutzbringend einsetzen

Feature | 21. April 2015 von Denny Schreber 0

Aufgrund von geschäfts- und technikgetriebenen Veränderungen müssen immer mehr Unternehmen ihre SAP-Systemlandschaften optimieren.

Die wichtigsten Anlässe sind sowohl Restrukturierungen als auch die Harmonisierung der Geschäftsprozesse. Innovationen wie SAP HANA, SAP Cloud und SAP Fiori gewinnen zunehmend an Bedeutung. Zu dieser Feststellung kommt eine Multi-Client-Studie des Marktforschungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC) in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung cbs Corporate Business Solutions. Auf Seiten des Business nennen 76 Prozent der Befragten die Harmonisierung SAP-gestützter Prozesse in den Funktionsbereichen als wichtigen Business-Treiber.

Eine bessere Abdeckung unterschiedlicher Anwenderrollen, eine erhöhte Nutzerfreundlichkeit sowie komplexitätsreduzierte Lösungen stehen im Fokus der SAP Community: 57 Prozent der SAP-Verantwortlichen gehen davon aus , dass SAP Fiori in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Die SAP-Verantwortlichen glauben an den Mehrwert von intuitiv bedienbaren SAP-Anwendungen wie SAP Apps über die neue Bedienoberfläche SAP Fiori. Doch wie ist die Sachlage in den Unternehmen?

Neue User Experience

Bei Unternehmen mit einer SAP-zentrischen Systemlandschaft stellen die klassischen SAP-Nutzerschnittstellen wie SAP GUI sowie webbasierte Alternativen wie Web Dynpro den Standardweg zur Interaktion mit den Anwendungen dar. Mit zunehmender Nutzung internetbasierter Dienste und dem Einzug mobiler Technologien wird eine neue Anspruchshaltung der Arbeitnehmer, insbesondere der Young Professionals, an die Unternehmenslösungen herangetragen. SAP hat diesen Trend erkannt, Nutzerschnittstellen vereinfacht und den Zugang zur SAP-Software von verschiedenen Gerätetypen erleichtert. Neue Technologien wie Screen Personas, SAP Fiori und die Erweiterung des NetWeaver Business Client eröffnen neue Wege. SAP Fiori zeichnet sich im Wesentlichen durch folgende drei Konzepte aus:

  1. SAP Fiori besticht durch ein modernes Design und einen vereinfachten, geräte-unabhängigen Zugang. Egal ob Smartphone, Tablet oder Desktop-PC – das auf HTML5 basierende „Responsive Design“ stellt sicher, dass immer die für das Gerät optimale Darstellung angewendet wird.
  2. SAP Fiori Apps sind auf das Wesentliche reduziert (Simplification). Nur die für den Anwendungsfall notwendigen Informationen werden dargestellt. Dafür setzt SAP auf ein rollenbasiertes Konzept, das unterschiedlichen Nutzergruppen eigene Apps zuordnet.
  3. Der dritte Punkt betrifft die technologische Infrastruktur. Bisher setzte SAP meist auf eigene Frameworks. Mit SAP Fiori und den darunterliegenden Technologien SAPUI5 und SAP Gateway ändert SAP den Kurs auf offene, bewährte Web-Standards. SAPUI5 als clientseitige Bibliothek für Web Apps setzt dabei auf Frameworks wie jQuery auf. Beim Gateway kommen Restful Services zur Integration der Nutzerschnittstellen zum SAP-System zum Einsatz.

Erkenntnisse aus SAP Fiori-Einführungsprojekten zeigen, dass vor allem die Nutzerakzeptanz bei Fachanwendern hoch ist. Ausschlaggebend sind ansprechendes Design und eine durchdachte Benutzerführung. Der Endgeräte-übergreifende Zugriff ermöglicht eine ganz neue Art, mit SAP-Lösungen zu interagieren. Aufgrund der webbasierten Technologie lassen sich die Projekte schnell in die gegebene Infrastruktur integrieren. Auch für die Integration mobiler Endgeräte bietet SAP neue Lösungen.

Geeignete Szenarien, passende Technologien

Es empfiehlt sich, zunächst einzelne Prozessschritte mit der Umstellung auf die neue SAP-Fiori-Technologie zu optimieren. Typische Anwendungsszenarien, die sich auch für die mobile Nutzung eignen, sind Genehmigungsschritte, die schnelle Verfügbarkeit von wichtigen Informationen sowie das Einleiten von Reaktionen auf Ausnahmefälle. Hier greift das Rollen-Konzept: Manager benötigen zum Genehmigen andere Informationen als Sachbearbeiter, die im Störfall Problemanalysen betreiben.

Häufig halten Unternehmen bereits vereinfachte Transaktionen für unternehmensspezifische Prozesse vor. In diesen Fällen empfiehlt sich der Einsatz sogenannter SAP-Fiori-like Apps. Diese basieren auf der SAP-Fiori-Technologie und eignen sich vor allem für Anwendungsszenarien, die sich durch eine hohe Anzahl von Lesevorgängen und eine geringe Anzahl von Änderungen kennzeichnen. Komplexe, eingabeintensive Arbeitsvorgänge sollten dagegen mit Web-Dynpro-basierten Nutzerschnittstellen umgesetzt werden.

Zur Identifizierung von Anwendungsszenarien, die dem SAP-Fiori-Design-Gedanken entsprechen, dienen einzelne manuelle Prozessschritte. Hierzu zählen Aktivitäten wie Adjust, Approve, Check, Create, Process, Release oder Track. Die nachfolgende Tabelle zeigt am Beispiel der Materialwirtschaft, für welche Szenarien und Rollen der Einsatz von SAP Fiori sinnvoll ist:

Agiles Realisierungsvorgehen: „UI-First“

Im Projektverlauf hat sich der sogenannte „UI-First“-Entwicklungsansatz bewährt. Endnutzer werden frühzeitig in das Projekt eingebunden und können anhand von Mock-ups oder Klick-Prototypen das Design der App mitgestalten. Die frühe Einbindung ermöglicht eine hohe Identifikation der Nutzer mit der Lösung, was wiederum zu einer deutlich höheren Akzeptanz führt.

SAP Fiori eröffnet einen neuen Zugang zu SAP-Lösungen. Insbesondere der geräte-übergreifende Zugang und das neue, moderne Design kommen an. Laut der SAP-UI-Strategie werden SAP-Fiori-Lösungen zukünftig in allen Anwendungsbereichen Einzug halten: Unternehmen ist anzuraten, SAP Fiori frühzeitig in ihre User-Interface-Strategie einzubinden. Nicht alle Anwendungsfälle eignen sich gleichermaßen für den Einsatz von SAP Fiori. Bereits die Auswahl geeigneter Prozesse ist nicht immer einfach. Idealerweise verfügen Unternehmen schon über erste Erfahrungen mit einzelnen transaktionalen SAP-Fiori-Apps, bevor sie neue SAP-Fiori-basierte Produkte einführen.

Denny Schreber ist Senior Solution Architect bei cbs Corporate Business Solutions.

Bildquelle: Shutterstock

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