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SAP Forum Basel 2016: Drei Regeln für den Erfolg mit der Digitalisierung

Feature | 9. März 2016 von Andreas Schmitz 0

Ein adaptives komplexes System eines Segelboots und die IT im Unternehmen haben einiges gemeinsam. Erkenntnisse am Rande des SAP-Kongresses SAP Forum 2016.

Bevor John Shuttleworth seinen letzten „Trimaran“ designte, stellte der Jachtenbauer und Psychotherapeut drei einfache Regeln auf: Baue ihn sicher, passe ihn an das Meer optimal an und achte darauf, dass die einzelnen Teile auf Dauer funktionieren und gut harmonieren. „Du denkst nur: Ja, das Boot ist geschaffen fürs Meer“, kommentiert der Visionär seinen aus drei Rümpfen bestehenden Hightech-Katamaran Adastra – sein „adaptives komplexes System“.

Sonova, Schweizer Post und Humanic: Anpassungsfähig und agil sein

Und an diesem Punkt erkennen sich viele der SAP-Kunden auf dem SAP Forum 2016 wieder, das in diesem Jahr unter dem Motto „Join the digital Journey“ steht. Komplex sind die Systeme in der Regel, die sie einsetzen, doch durch die Digitalisierung werden sie anpassungsfähiger und agiler – eine nötige Voraussetzung, um im Wettbewerb mit digitalen Vorreitern wie Uber, Airbnb und Amazon bestehen zu können.

  • So erläutert Lukas Braunschweiler vom Hörgerätehersteller Sonova, wie der Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens seiner seniorigen Kundschaft („Durchschnittsalter 65“) die Angst vor den „mettwurstartigen Knochen hinter dem Ohr“ nimmt, indem er ihnen einen Hörtest wie auch einen Termin mit dem Audiologen diskret online ermöglicht und so die Hemmschwelle für seine Klientel herabsetzt, sich Minihochleistungsrechner ins Ohr setzen zu lassen.
  • Dieter Baumbauer von der Schweizerischen Post sieht den ersten kommerziellen Einsatz von Drohnen im Paketdienst schon in diesem Jahr und ermöglicht bereits seinen Kunden, Tag, Ort und Zeitpunkt der Lieferung eines Paket selbst zu bestimmen. „Bald“, da ist sich das Mitglied der Konzernleitung sicher, „werden Kunden den Weg ihres Paketes online verfolgen können“. Individualisierung wie Personalisierung von Dienstleistungen ist seiner Ansicht nach das Thema der Zukunft.
  • Dass diese Zukunft schon ein Stück weit Realität sein kann, zeigt der Humanic Avatar des Tochterunternehmens Humanic des Schuhhändlers Leder und Schuh aus Graz in Österreich. „Scannen Sie ihre Füße“ heißt es seit kurzem in den Läden. Denn Füße und Schuhe sollen optimal zusammenpassen. Wenn also ein digitales Abbild des Fußes da ist, so die Idee, lassen sich auch die dazu idealen Schuhe besser finden. „Gerade bei Kindern, deren Füße monatlich über einen Millimeter wachsen können, wollen die Eltern wissen, welche Schuhe einerseits gut passen, aber auch noch die Saison durchhalten“, erläutert die eCommerce-Expertin bei Humanic Alexandra Strunz, die zudem auf die Lernfähigkeit ihrer Systeme wert legt: „Je mehr Bewertungen die Käufer abgeben, umso besser passt der nächste Schuh.“ Entsprechend spielt der neue Slogan der Firma auf die Individualisierung des Kaufs an: „You are extraordinary, always.“

Neue Geschäftsmodelle: Preis eines Produkts wird oft nach Ergebnis und Qualität abgerechnet

Ob Sonova, die Schweizer Post, Humanic oder andere Unternehmen, die sich derzeit mitten auf der digitalen Reise befinden: Ist das komplexe System nicht adaptiv, haben sie eine gewaltige Herausforderung vor sich. Denn viele Geschäftsmodelle ändern sich aktuell. So heißt es heute nicht mehr: „Da hast Du Dein Produkt – und viel Glück damit“, wie Christoph Behrendt, Senior Vice President Application Innovation, Head of Suite and Industry Platform bei SAP, in seiner Keynote betont, „inzwischen wird der Preis oft nach dem Ergebnis und der Qualität des geleiteten Services abgerechnet.“ Ob Servicetechniker bei eines Pumpenherstellers in Westeuropa oder einem Minenbetreiber in Australien: Beide haben heute sensorbestückte Maschinen im Einsatz und wissen schon im voraus, etwa durch ständige Erfassung von Drücken, Durchflüssen und der Leistung der Geräte, ob sich Probleme anbahnen. Der besondere Mehrwert ergibt sich durch die historischen Daten: Denn ähnlich konfigurierte Geräte, die immer mit dem gleichen Fehler in den Service müssen, fallen nun auf. Das ermöglicht frühzeitig Verbesserungen an Software oder Geräten.

SAP S/4HANA: Das adaptive System der SAP

Christoph Behrendt von SAP verdeutlich die Strategie von SAP anhand einer Hand, die die wichtigsten Komponenten von SAP S/4HANA darstellt. Foto: SAP

Christoph Behrendt verdeutlicht die Strategie von SAP anhand einer Hand, die die wichtigsten Komponenten von SAP S/4HANA darstellt. Foto: SAP

Dass dies heute möglich ist, liegt bei vielen Unternehmen auch an der Strategie von SAP. Behrendt hält seine Hand in die Kamera. In dessen Mitte befindet sich mit der neuesten Business Suite SAP S/4HANA der digitale Kern. Die fünf Finger stehen stellvertretend für die fünf wichtigsten Bereiche, die aktuell mit Echtzeitinformationen versorgt werden sollen, darunter etwa der Omnichannel im Handel, die Einbindung von Netzwerken und das Management der personellen Ressourcen im Unternehmen. Das Internet der Dinge – und damit etwa auch Daten, die aus Sensoren gewonnen werden – können etwa durch die SAP HANA Cloud Platform eingebunden werden. „Ich kenne Unternehmen, die heute über 45 Terabyte an Daten in den Hauptspeicher laden“, erläutert Behrendt die Echtzeitnutzung von Big Data, „daran war früher nicht zu denken.“ Die In-Memory-Datenbank und -Plattform SAP HANA als Basis auch für SAP S/4HANA hat die Spielregeln verändert. Und damit die Voraussetzung für jene adaptiven Systeme geschaffen, von denen auch John Shuttleworth gesprochen hat.

"Du denkst nur: Ja, das Boot ist geschaffen fürs Meer", sagt Yachtenbauer John Shuttleworth. Foto: SAP

“Du denkst nur: Ja, das Boot ist geschaffen fürs Meer”, sagt Yachtenbauer John Shuttleworth. Foto: SAP

Der Yachtdesigner ist inzwischen bereits in ein neues Projekt eingetaucht. Die Mayflower des 21ten Jahrhunderts, die MS Future, wird wieder einfachen Regeln folgen: Ohne Menschen an Bord, mit erprobter Technik und so effizient wie möglich soll die neue Yacht unterwegs sein. Bis dahin dauert es allerdings noch vier bis fünf Jahre.

Bild: Johan Shuttleworth auf dem SAP Forum Basel 2016; Foto: SAP

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