SAP Forum Basel 2016: Drei Regeln für den Erfolg mit der Digitalisierung

Ein adaptives komplexes System eines Segelboots und die IT im Unternehmen haben einiges gemeinsam. Erkenntnisse am Rande des SAP-Kongresses SAP Forum 2016.

Bevor John Shuttleworth seinen letzten „Trimaran“ designte, stellte der Jachtenbauer und Psychotherapeut drei einfache Regeln auf: Baue ihn sicher, passe ihn an das Meer optimal an und achte darauf, dass die einzelnen Teile auf Dauer funktionieren und gut harmonieren. „Du denkst nur: Ja, das Boot ist geschaffen fürs Meer“, kommentiert der Visionär seinen aus drei Rümpfen bestehenden Hightech-Katamaran Adastra – sein „adaptives komplexes System“.

Sonova, Schweizer Post und Humanic: Anpassungsfähig und agil sein

Und an diesem Punkt erkennen sich viele der SAP-Kunden auf dem SAP Forum 2016 wieder, das in diesem Jahr unter dem Motto „Join the digital Journey“ steht. Komplex sind die Systeme in der Regel, die sie einsetzen, doch durch die Digitalisierung werden sie anpassungsfähiger und agiler – eine nötige Voraussetzung, um im Wettbewerb mit digitalen Vorreitern wie Uber, Airbnb und Amazon bestehen zu können.

Neue Geschäftsmodelle: Preis eines Produkts wird oft nach Ergebnis und Qualität abgerechnet

Ob Sonova, die Schweizer Post, Humanic oder andere Unternehmen, die sich derzeit mitten auf der digitalen Reise befinden: Ist das komplexe System nicht adaptiv, haben sie eine gewaltige Herausforderung vor sich. Denn viele Geschäftsmodelle ändern sich aktuell. So heißt es heute nicht mehr: „Da hast Du Dein Produkt – und viel Glück damit“, wie Christoph Behrendt, Senior Vice President Application Innovation, Head of Suite and Industry Platform bei SAP, in seiner Keynote betont, „inzwischen wird der Preis oft nach dem Ergebnis und der Qualität des geleiteten Services abgerechnet.“ Ob Servicetechniker bei eines Pumpenherstellers in Westeuropa oder einem Minenbetreiber in Australien: Beide haben heute sensorbestückte Maschinen im Einsatz und wissen schon im voraus, etwa durch ständige Erfassung von Drücken, Durchflüssen und der Leistung der Geräte, ob sich Probleme anbahnen. Der besondere Mehrwert ergibt sich durch die historischen Daten: Denn ähnlich konfigurierte Geräte, die immer mit dem gleichen Fehler in den Service müssen, fallen nun auf. Das ermöglicht frühzeitig Verbesserungen an Software oder Geräten.

SAP S/4HANA: Das adaptive System der SAP

Christoph Behrendt verdeutlicht die Strategie von SAP anhand einer Hand, die die wichtigsten Komponenten von SAP S/4HANA darstellt. Foto: SAP

Dass dies heute möglich ist, liegt bei vielen Unternehmen auch an der Strategie von SAP. Behrendt hält seine Hand in die Kamera. In dessen Mitte befindet sich mit der neuesten Business Suite SAP S/4HANA der digitale Kern. Die fünf Finger stehen stellvertretend für die fünf wichtigsten Bereiche, die aktuell mit Echtzeitinformationen versorgt werden sollen, darunter etwa der Omnichannel im Handel, die Einbindung von Netzwerken und das Management der personellen Ressourcen im Unternehmen. Das Internet der Dinge – und damit etwa auch Daten, die aus Sensoren gewonnen werden – können etwa durch die SAP HANA Cloud Platform eingebunden werden. „Ich kenne Unternehmen, die heute über 45 Terabyte an Daten in den Hauptspeicher laden“, erläutert Behrendt die Echtzeitnutzung von Big Data, „daran war früher nicht zu denken.“ Die In-Memory-Datenbank und -Plattform SAP HANA als Basis auch für SAP S/4HANA hat die Spielregeln verändert. Und damit die Voraussetzung für jene adaptiven Systeme geschaffen, von denen auch John Shuttleworth gesprochen hat.

“Du denkst nur: Ja, das Boot ist geschaffen fürs Meer”, sagt Yachtenbauer John Shuttleworth. Foto: SAP

Der Yachtdesigner ist inzwischen bereits in ein neues Projekt eingetaucht. Die Mayflower des 21ten Jahrhunderts, die MS Future, wird wieder einfachen Regeln folgen: Ohne Menschen an Bord, mit erprobter Technik und so effizient wie möglich soll die neue Yacht unterwegs sein. Bis dahin dauert es allerdings noch vier bis fünf Jahre.

Bild: Johan Shuttleworth auf dem SAP Forum Basel 2016; Foto: SAP