Soccer team in a huddle

SAP Forum Basel 2017: Das digitale Festival

6. April 2017 von Andreas Schmitz 29

Was Black Sabbath mit Disruption zu tun hat, Empathie mit Innovationen, Pepsi Cola mit Ufos und Outlaws mit Erfolg: Das diesjährige SAP Forum Basel 2017 zelebriert unter dem Motto „Join the Digital Festival“ die unzähligen Ansätze in die digitale Zukunft.

Martin Wezowski hatte quasi ein Heimspiel. Zum einen erfüllten Heavy-Metal-Sounds die Halle im Baseler Messezentrum, als der Ex-Hardrock-Bassist und Chefdesigner von SAP beim SAP Forum Basel 2017 die Bühne betrat. Zum anderen passte auch sein Beispiel der englischen Hardrocker Black Sabbath nicht nur aufgrund des Mottos „Join the digital Festival“ in das Umfeld der Veranstaltung mit Festivalcharakter. Black Sabbath war auch die erste Band, die sich vom Blues und Rock lösten und einen neuen Musikstil prägten. Etwas wüsteres, härteres und bahnbrechend Erfolgreiches – Heavy Metal. Uber, Facebook und Google sind deren digitale Pendants – und die Treiber der digitalen Transformation in den Unternehmen.

1. Wandel: Disruptoren verstehen

Auch wenn Unternehmen noch immer zu den Vorreitern der digitalen Disruption aufschauen, ist deren Herangehensweise längst bei ihnen angekommen. „Wir befinden uns mitten in der digitalen Zukunft“, befindet Bernd Brandl, Chef der SAP Schweiz. Das Bauunternehmen HILTI setzt auf den digitalen Kern SAP S/4HANA, entwickelt IoT-Szenarien und Anwendungen auf Basis der Entwicklungsplattform SAP Cloud Platform. Der Rückversicherer SwissRe baut gemeinsam mit SAP einen Insurance-Analyser, um Risiken besser prognostizieren zu können. Und BKW Energie führte im Greenfield-Ansatz SAP S/4HANA ein, um alte „Zöpfe konsequent abzuschneiden“, wie der SAP-Competence-Center-Leiter des Energieunternehmens Peter Wälchli erläutert.

Big Data, vorausschauende Analysen, Internet of Things: Diverse Trends sind inzwischen im Unternehmensalltag angekommen. Rolf Schumann, Global General Manager Platform & Innovation von SAP, sieht die Veränderungen, die damit einhergehen. Psychologisch gesehen sei das „analoge Ich“ der Babyboomer mehr und mehr durch die Flut an Neuheiten überfordert, während das „digitale Ich“ der jüngeren Generation ein ganz anderes Wertegerüst mitbringe, das im Jetzt und in der Echtzeit groß werde. „Ihnen sind Kausalitäten nicht mehr so wichtig“, erläutert Schumann. Es nützt ja auch nichts zu wissen, warum der Stürmerstar Arjen Robben vom FC Bayern seine Elfmeter in Drucksituationen immer flach rechts oder links platziert, wie eine Analyse von SAP ergeben hat. Als Torwart ist nur wichtig zu wissen, dass es so ist. Fakten schaffen heißt auch, einen Laufschuh oder Bauteile künftig per 3-D-Druck zu fertigen und damit die Wertschöpfungskette der Zulieferer auf den Kopf zu stellen.

2. Humachine: Mensch und Maschine zusammen denken

“Empathie ist das beste Tool für Innovation” (Martin Wezowski, SAP)

Dieser „Change“ ist alles andere als langweilig. Das weiß niemand besser als Wezowksi. Doch wie weit wird er gehen? Als einst die Idee aufkam, das menschliche Genom zu entschlüsseln, setzte man sich ein Limit: In 15 Jahren sollte es geschafft sein. „Nach einem Jahr war ein Prozent der Wegstrecke geschafft“, führt Wezowski aus. Ist das ein Grund zu verzweifeln? Keineswegs, denn das exponentielle Wachstum der Rechenkapazität setzte sich fort. Die einzelnen Schritte wurden von Mal zu Mal größer. Das Genom ist längst entschlüsselt. Und die nächsten Visionen sind schon durchgedacht. Der Upload des eigenen Gehirns in die Cloud etwa ist so ein Gedanke. Den ersten Schritt in diese Richtung findet Wezowski in der Fähigkeit, über ein Gehirn-Interface allein mit der Kraft der Gedanken Texte zu schreiben. Exponentiell gedacht könnte es also in wenigen Jahren den „digitalen Zwilling“ des eigenen Hirns geben. Bis es soweit ist, wird man sich zunächst an andere Innovationen gewöhnt haben, etwa den Powerschlaf im Auto (ohne Fahrer), an ein Fahrzeug aus dem 3-D-Drucker und eine zweite Haut, die automatisch Erkrankungen wie Krebs zuverlässig diagnostiziert. Man wird wissen, dass Menschen, die Pepsi statt Coca Cola kaufen, an Ufos glauben, Mac-Nutzer gute Tänzer sind und viele Wired-Leser rote Haare haben. Warum das alles? Für Wezowski ist die Sache klar. Technologie und Menschen gehören zusammen. Der Mensch findet heraus, was die Technologie kann und befragt seinen Bauch, was Sinn macht. In der Humachine (Human + Machine) manifestieren sich schließlich die Wünsche des Kunden und die Machbarkeit der Technik. Kein Wunder also, dass eine urmenschliche Eigenschaft so wichtig ist – die Empathie. Wezowski bezeichnet sie gar als „das beste Werkzeug für Innovationen“.

3. „Tool“ Empathie: Produkte für den Menschen schaffen

Wie diese Gabe des Menschen in Produkten Eingang findet, zeigen am Rande der Veranstaltung die Micro-Theater, Bühnen, die anschaulich machen, wie Technik in Cloud-, Sicherheits- oder SAP S/4HANA-Szenarien den Menschen unterstützt. Heute tippen die Nutzer (mit Hilfe von SAP Fiori) auf Kacheln, um Analysen zu machen. Wer früher seine Materialbedarfsplanung gemacht, musste nicht nur eine Nacht lang darauf warten, den aktuellen Stand der Bestandsverfügbarkeiten zu erfahren. Ein MRP-Cockpit macht dem Nutzer heute – mithilfe von SAP S/4HANA – auf Basis der bekannten Rahmenbedingungen Vorschläge, wie er Engpässe in der Produktion überwinden kann. Auf großen Bildschirmen ist zu sehen: Die Technik hilft dem Menschen in seiner Arbeit – und letztlich dem Kunden, der sein Produkt zuverlässiger als vorher bekommt.

4. Startups: „Mal ehrlich, wer will denn sowas?“

Manchmal dauert es ein wenig, bis sich Innovationen – wie etwa die Bedienoberfläche SAP Fiori – durchsetzen. Auch Geschäftsideen von Unternehmen können innovativ sein, und müssen deshalb nicht direkt erfolgreich werden. Als Jonas Kjellberg, Entrepreneur, Mitgründer von Skype und unzähligen weiteren Unternehmen, vor einigen Jahren Investoren in London von dem Ansatz eines Berliner Startups erzählte, das Schuhe über das Internet verkaufen wolle, wurde er gar nicht ernst genommen. „Mal ehrlich, wer will denn so was?“, war die Antwort. Schließlich fanden sich Geldgeber, die das Unternehmen mit 400 Millionen Euro finanzierten. Das ehemalige Startup – Zalando – hat sich inzwischen zu einem soliden Unternehmen (3,6 Milliarden Euro Umsatz, 2016) entwickelt, das heute schwarze Zahlen (120 Mio. Euro, 2016) schreibt, obwohl jeder zweite Kunde bestellte Ware wieder zurück schickt. Anderes Beispiel: „Managementbücher sind dick und langweilig“, befand Kjellberg, der zugibt, oft nur die Zusammenfassungen von entsprechender Literatur zu lesen. Die Lösung war einfach: Ein Bilderbuch für angehende Manager. Allerdings stieß die Idee bei Kollegen und auch Verlagen nicht auf Interesse. „Gehen Sie damit doch mal zur Kinderbuchabteilung“, war eine der Antworten. Schließlich erbarmte sich der Wiley-Verlag, das Buch unter dem Titel Gear Up erscheinen zu lassen. Und trotz der vielen Bilder schaffte es das Werk auf die Shortlist des “Managementbook of the Year” vom Charternd Management Institute.

5. Change: Manchmal neu erfinden

“Einer von hundert Ansätzen wird letztlich erfolgreich”, sagt Jonas Kjellberg, der bisher mehr als hundert Unternehmen gegründet hat.

„Einer von hundert Ansätzen wird letztlich erfolgreich“, sagt Kjellberg. Eine wichtige Erkenntnis: Das Produkt muss nicht nur funktionieren und effizient sein. Es muss auch Freude machen. Um herauszufinden, ob ein Unternehmen die richtige Strategie für sein Produkt hat, rät Kjellberg zu vier Fragen: Was verkaufen Sie? Für wen, wie und warum? Wenn dann ein Unternehmen wie ein deutscher LKW-Hersteller auf die erste Frage mit „Lastwagen“ antwortet, wird Kjellberg ungehalten. Eine „Lösung für logistische Probleme“ wäre das Mindeste gewesen, das er erwartet hätte. Als Harley Davidson mit dem Rücken zur Wand stand und einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 einreichte, musste sich die heutige Kultmarke neu erfinden. Ab sofort adressierte das irische Unternehmen jene, die in der Woche in Schlips und Kragen ihrem Job nachgehen, „am Wochenende aber als Teilzeit-Outlaw die Straßen unsicher machen“, erläutert Kjellberg. Heute produzieren die Iren fast in Losgröße 1, sind also auch in Hinsicht auf die Digitalisierung weit vorne. Spaß, Effizienz und Funktionalität: Heute kommt alles zusammen.

Tags: , , ,

Leave a Reply