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Wie SAP in Indien Einkommen und Jobchancen der Menschen erhöht

Feature | 20. Oktober 2017 von Michael Zipf 3

Indiens Wirtschaft ist erfolgreich, doch das Land hat großen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. SAP will das ändern. Die Menschen freut’s.

Gita Govri ist zwölf Jahre alt und ein aufgewecktes Mädchen aus einem kleinen Dorf namens Sutrakar in der Region Palghar im Bundesstaat Maharashtra. Dort lebt sie mit ihren Eltern und zwei Geschwistern. Wenn sie erwachsen ist, will sie dafür sorgen, dass es ihrer Familie bessergeht und niemand mehr in den ärmlichen Verhältnissen leben muss, in denen sie aufwächst.

Swapnil Bhurkud ist ein 15 Jahre alter Junge aus der Nähe von Talasari in Maharashtra. Bis vor einem Jahr hatte er keine Ahnung, was ein Computer kann. Seine Eltern sind Analphabeten. Zwar besitzen sie ein kleines Stück Land, aber sie müssen auf den Feldern ihrer Nachbarn arbeiten, um über die Runden zu kommen. Auch Swapnil hat sich vorgenommen, seinen Beitrag zu leisten, dass seine hart schuftenden Eltern es zukünftig einmal einfacher haben werden.

Sunita ist 40 Jahre alt und lebt in einem Slum in Pune. In ihrem kleinen Stand am Straßenrand verkauft sie Bhel Puri, eine Art indisches Fastfood. Sie hat eine Stammkundschaft, doch sie merkte bald, dass ihre Kunden nicht jeden Tag das Gleiche essen wollen. Sie will ihr Einkommen erhöhen, weiß aber nicht, wie sie das ohne Hilfe anstellen soll.

Gita, Swapnil und Sunita haben unterschiedliche Ziele. Aber alle drei stehen für das Vorhaben der indischen Regierung, ihr Land und ihre Menschen besser auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorzubereiten.

Infrastruktur ausbauen und Kenntnisse vermitteln

Nur etwa zehn Prozent der mehr als 1,3 Milliarden Inder verfügen nach Schätzungen der Regierung über digitale Kompetenz. Für sie ist die Ansicht eines Computers so ungewöhnlich wie ein trockener Fleck Erde während des Monsuns.

In einem Land, in dem rund die Hälfte der Bevölkerung in 6,5 Millionen, meist abgelegenen Dörfern leben, ist es eine Aufgabe gewaltigen Ausmaßes, die Infrastruktur und die Einwohner für das digitale Zeitalter fit zu machen. Dazu gehört, den Ausbau eines Glasfasernetzes voranzutreiben, den Zugang zum Internet zu verbessern und den Menschen die Kenntnisse zu vermitteln sowie die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um in der digitalen Welt anzukommen.

Die Regierung hat dazu in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen gestartet, neue Behörden eingerichtet und Stiftungen gegründet, um Indien erfolgreich zu digitalisieren. Ziel von „Digital India“ ist es, bis 2019 zunächst 60 Millionen Indern grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Computern zu vermitteln und sie für die digitale Wirtschaft zu qualifizieren. Sie setzt dabei auch auf die Unterstützung der Unternehmen und des nicht-staatlichen Sektors.

Die “Grow-with-SAP”-Initiative

In inzwischen mehr als 20 Jahren vor Ort hat SAP stets versucht, ihren maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der indischen Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten. Hierzu entwickelte das Team im vergangenen Jahr auch eine „glokale“ Markenstrategie. Mit dem Slogan „Grow with SAP“ will man das Programm „Digital India“ unterstützen.

Hierzu gehören insbesondere zwei Initiativen: „Code Unnati“ und „Bharat ERP“.

Code Unnati (Unnati bedeutet Fortschritt in Sanskrit) ist Indiens erstes mehrjähriges Programm, das sich von Unternehmen an Bürger richtet und versucht, digitale Bildung und Software-Kenntnisse zu vermitteln. Im Juni verkündete SAP Indien die Initiative in Zusammenarbeit mit zwei der größten indischen Konzerne und Kunden: ITC und Larsen & Toubro. Ziel ist es, bis 2019 dafür zu sorgen, dass sich rund eine Million Inder grundlegende IT-Kenntnisse aneignen können.

„Da Technologie im Mittelpunkt von allem steht, was wir tun, ist es für uns eine Verpflichtung, mit anderen Organisationen dazu beizutragen, ein „digitales Indien“ zu verwirklichen“, sagt Deb Deep Sengupta, der Geschäftsführer der Region SAP Indian Subcontinent. „Ziel von code unnati ist es, die Bürger mit den wichtigsten IT-Kenntnissen auszustatten, damit sie auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben und für die Zukunft gewappnet sind“, so Deb Deep.

Zusammen mit sechs nicht-staatlichen Organisationen hat SAP das Programm entwickelt. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche, ältere Bürger und behinderte Menschen. Dabei stellt SAP die notwendige technische Infrastruktur zur Verfügung und bringt ihre Expertise bei den Lerninhalten ein. Zudem fungieren SAP-Mitarbeiter als Dozenten.

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Code Unnati kommt bei den Menschen an

Gita profitiert von Code Unnati. Die Jugendliche ging nicht gerne zur Schule und schwänzte so manche Stunde. Das änderte sich, als ihre Schule Teil von Code Unnati wurde. Sie war eine der ersten Schülerinnen, die sich für die Computerkurse einschrieben. Jetzt lernt sie, was ein Computer kann und wie sie Microsoft Office-Programme nutzen kann.

Swapnils Schule erhielt im Rahmen des Code-Unnati-Programms zehn Laptops und Computerzubehör. Nachdem sich Swapnil mit einigen Lernspielen und grundlegenden Softwareprogrammen beschäftigt hatte, lernte er CorelDRAW und konnte inzwischen mehrere Projekte abschließen. Er würde später gerne in der IT-Branche arbeiten.

Sunita wiederum kam nach der Teilnahme an einem Computerkurs auf die Idee, ihr Fastfood mithilfe von WhatsApp auszuliefern. Sie erstellte eine WhatsApp-Gruppe von ihren Kunden, in der sie ihre Bestellungen aufgeben. Sunita liefert das Essen dann nach Hause. Darüber hinaus arbeitet sie mit benachbarten Ständen zusammen und nimmt auch deren Bestellungen in der WhatsApp-Gruppe auf. So konnte sie ihren Kundenstamm erweitern und ihr Einkommen steigern – sie verdient nun 15-mal mehr als zuvor.

Rund 100.000 Kinder und Jugendliche wollen die Initiatoren von Code Unnati in den kommenden zwölf Monaten mit ihren Kursen in über 100 Gemeinschaftszentren erreichen. Zusätzlich sollen genauso viele ältere Inder in ihren Dörfern mit dem Internet und grundlegender digitaler Technik vertraut gemacht werden, damit sie beispielsweise per E-Mail mit Behörden kommunizieren oder bargeldlose Überweisungen vornehmen können. Mindestens die Hälfte von etwa 1000 Hochschulabsolventen sollen nach einem Training in einen Job vermittelt werden. Nicht zuletzt hat sich Code Unnati zum Ziel gesetzt, rund 1.500 behinderte Menschen in Delhi und Bangalore so zu trainieren, dass sie auf dem Arbeitsmarkt eine realistische Beschäftigungschance bekommen.

Für Mikro-, klein- und mittelständische Firmen: „Bharat ERP“

Bharat ERP (Bharat bedeutet Indien in Hindi) ist der Name des zweiten Programms, das SAP Indien ebenfalls im Juni zusammen mit dem Ministerium für Mikro-, kleine und mittelständische Unternehmen (MSME) angekündigt hat. Hiermit sollen die für Indien so wichtigen kleinen und mittelgroßen Firmen gefördert werden.

Der MSME-Sektor in Indien trägt mit mehr als 51 Millionen Firmen rund 38 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, er beschäftigt 120 Millionen Menschen und sorgt für 46 Prozent der Exporte. „Mit ,Bharat ERP´ wollen wir dafür sorgen, dass diese Firmen besseren Zugang zu digitaler Technik bekommen“, sagt SAP-Indien-Geschäftsführer Deb Deep.

Ziel der Initiative ist es, in den kommenden drei Jahren an die 30.000 MSME und Jugendliche mit digitalen Kenntnissen auszustatten. Dazu veranstaltet SAP Indien in den vom Ministerium getragenen Technologie-Zentren Schulungen für den Umgang mit der Mittelstandssoftware SAP Business One und stellt den Firmen entsprechende Softwarepakete zur Verfügung. Wer den Kurs absolviert, erhält ein Zertifikat, das nicht nur die eigenen Jobchancen erhöhen, sondern auch dabei helfen soll, die richtigen Fachkräfte zu rekrutieren.

Code Unnati und Bharat ERP sind wichtige Programme der SAP, um Indien in seinen Digitalisierungsprojekten zu unterstützen. Aber SAP spielt natürlich auch eine bedeutende Rolle dabei, die Effizienz der indischen Wirtschaft zu erhöhen – wie zuletzt bei der Einführung der einheitlichen Umsatzsteuer, der Goods and Services Tax (GST).

Gita, Swapnil and Sunita sind an unterschiedlichen Orten in Indien zur Welt gekommen, mag sein, dass sich ihre Wege niemals kreuzen werden. Was sie aber eint, ist der Wunsch, etwas aus ihrem Leben zu machen. „Digital India“ und die von SAP unterstützten Programme könnten ihnen dabei helfen, erfolgreich „mit SAP zu wachsen“.

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