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In fünf Minuten zum digitalen Geschäftsmodell

Feature | 13. September 2017 von Andreas Schmitz 2

90 Prozent aller Geschäftsideen von Unternehmen finden sich in 62 „Geschäftsmodell-Patterns“ wieder. Welche sind die wichtigsten speziell für digitale Herstellerunternehmen? Im SAP Digital Studio wurden entsprechende Vorgehensweisen entwickelt, um diese Fragen zu beantworten.

Die digitale Transformation zwingt Unternehmen ständig, Geschäftsmodelle zu überdenken und anzupassen. Doch welche sind geeignet, um das bestehende Geschäft zu bereichern? Um Orientierung zu geben, hilft die App SAP IoT Simulator. Sie ist kostenfrei im App Store verfügbar und zeigt, wie Unternehmen das „Internet of Things“ nutzbar machen können. Dazu hilft unter anderem der Bereich „My Digital & IoT Business Models“, wo die wichtigsten 62 „Geschäftsmodell-Pattern“ aufgeführt sind. Die Grundlage dafür sind die 55 Geschäftsmodelle aus dem St. Galler Business Modell Navigator, den Oliver Gassmann von der Uni St. Gallen, Karolin Frankenberger von der Uni Luzern und Michaela Csik, Managerin bei LafargeHolcim entwickelt haben. Die Experten untersuchten dafür innovative Geschäftsmodelle der letzten 50 Jahre und fanden heraus, dass 55 Muster in geeigneter Rekombination etwa 90 Prozent aller geschäftlichen Innovationen von Unternehmen abdecken. Ziel war es, eine „Konstruktionsmethodik für neue Geschäftsmodelle zu schaffen und damit deren Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen“, schreiben die Experten im Vorwort ihres Buches „Geschäftsmodelle entwickeln“. Hinzu kommen sieben Geschäftsmodelle, die erst durch Internet of Things beziehungsweise steigende Intelligenz und autonome Entscheidungsfindung von Maschinen ermöglicht wurden – entwickelt von Elgar Fleisch von der Uni St. Gallen, Markus Weinberger und Felix Wortmann aus dem Bosch IoT Lab.

SAP IOT Simulator: Was leistet die App?

– In der App SAP IoT Simulator können Sie unter „My Digital & IoT Business Models“ diese 62 Geschäftsmodell-Patterns sofort einsehen. Darüber hinaus sind sie mit einem so genannten IoT und Digital Score versehen, auf einer Skala von 1 (=geringer Einfluss) bis 4 (=großer Einfluss). Das schafft die Möglichkeit, die relevanten Geschäftsmodelle für die Digitalisierung und das Internet der Dinge zu selektieren.

– Wer wissen will, welche Geschäftsmodelle Unternehmen wie Google, ABB oder SAP prägen, hat dafür einen Suchmechanismus zur Verfügung. Zudem lässt sich herausfinden, welche Unternehmen etwa nach dem Geschäftsmodell Aikido vorgehen. Unternehmen wie der Cirque de Soleil, Swatch und Tesla nutzen diesen Ansatz, der darin besteht, das Zirkusgeschäft, den Uhren- und den Automarkt von Grund auf anders anzugehen.

– Für die digitalisierten Herstellerunternehmen wurden die relevanten Geschäftsmodelle den Key Building Blocks des Business Model Canvas zugeordnet. Vorteil: Wer etwa ausschließlich an Geschäftsmodellen aus dem Bereich des Kundenmanagements, Kanäle und Partner sowie Angebot und Wertbeitrag interessiert ist, bekommt eine Auswahl der jeweiligen Patterns angezeigt. Für die Bereiche Service, das Finanzwesen und die Medizin ist ein ähnliches Zusatzangebot geplant.

Top-10-Geschäftsmodelle für digitale Herstellerunternehmen

(IoT-Score/Digital Score)

1. Digitalisierung (2/4)

Bestehende Produkte oder Dienste werden digitalisiert, ohne das Werteversprechen zu mindern. Das bringt dem Kunden Vorteile, etwa einen schnelleren und einfacheren Vertrieb. Beispiele: Tesla, Hilti und Netflix.

2. Garantierte Verfügbarkeit (2/1)

Produkte und Service werden fast ohne Ausfallzeiten betrieben. Verluste, die durch die „Downtime“ der Geräte verursacht werden, werden gering gehalten. Beispiele: ABB Turbo Systems, PHH Corporation, Machinery Link.

3. Individualisierte Massenfertigung (3/3)

Über modulare Produkte und spezialisierte Produktionssysteme werden Produkte in großer Menge nach den Anforderungen von Kunden produziert. Die effiziente Produktion macht wettbewerbsfähige Preise möglich. Beispiele: mymuesli, Dell, My Unique Bag.

4. Abonnement(1/4)

Ein Kunde abonniert einen Service, besitzt ihn aber nicht. Für ihn fallen keine Betriebskosten mehr an, bei höherer Verfügbarkeit. Das Unternehmen profitiert im Gegenzug von regelmäßigen Einnahmen. Beispiele: Netflix, Spotify, Jamba.

5. Benutzerdefiniert (2/4)

Ein Nutzer wird gleichermaßen Kunde wie Produzent. Beispielsweise setzt er eine Online-Plattform ein, um ein eigenes Produkt zu entwerfen und zu verkaufen – setzt also auf bestehender Infrastruktur auf. Beispiele: AppStore, Lego Factory, Createmytattoo.

6. Digital „aufgeladene“ Produkte (4/4)

Freie digitale Angebote, auf die kostenpflichtige Premium-Services aufsetzen, Produkte mit zusätzlichen Online-Services oder selbstbestellende Geräte basieren auf diesem digitalen Geschäftsmodell.

7. E-Commerce (2/4)

Produkte werden online verkauft. Dadurch sparen Anbieter Kosten, die durch den Betrieb eines Ladens anfallen. Der Kunde profitiert von einer höheren Verfügbarkeit der Produkte und der einfachen Bestellung. Beispiel: Amazon Store, Blacksocks, Zopa.

8. Push-to-Pull-Strategie (1/0)

Der Kundenfokus steht im Mittelpunkt der Strategie, das Unternehmen zu dezentralisieren und es so zu flexibilisieren. Um schnell und flexibel auf neue Anforderungen durch Kunden reagieren zu können, ist die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen. Beispiele: Geberit, Zara, Toyota.

9. Integrator (2/0)

Ein Integrator bündelt alle Stufen des Wertschöpfungsprozesses. Die Effizienz steigt, es entstehen Verbundvorteile und die Abhängigkeit von Zulieferern nimmt ab. Beispiele: Zara, Ford, BYD Auto

10. „Make more of it“ (2/0)

Das Wissen im Unternehmen wird nicht „nur“ für bestehende Produkte genutzt, sondern auch dafür, neue Ansätze zu finden, die mit dem Kerngeschäft nichts zu tun haben. Beispiele: Porsche, Amazon Web Service, Sennheiser Sound Academy.

Weitere Informationen:

Hier geht es zur App „SAP IoT Simulator“, die im Bereich „My Digital & IoT Business Models“ Einblicke in die 62 Geschäftsmodell-Patterns gibt.

Eine Präsentation über SAP Digital Studio finden Sie hier.

Unsere Experten von SAP Digital Studio erfinden und lancieren tagtäglich innovative Geschäftsmodelle mit SAP-Kunden. Erfahren Sie mehr.

Sie finden den Kurs „Designing Business Models for the Digital Economy“ auf openSAP.

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