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SAP S/4HANA: 5 Mal umdenken

Feature | 18. Mai 2015 von Andreas Schmitz 0

Autotüren öffnen über Bluetooth, Smartphones ersetzen Kameras, Händler verkaufen Versicherungen: Wer sich nicht ab und zu neu erfindet, wird abgelöst. Mit SAP S/4HANA bereitet SAP ihre Kunden auf die Welt von morgen vor.

Der Markt spricht eine klare Sprache: Wer bei großen Elektronikhändlern eine Waschmaschine kauft, bekommt auch die Möglichkeit, gleich noch ein paar Jahre Servicegarantien dazu zu buchen. Das macht kein Versicherungskonzern mit einem neuen smarten Produkt, sondern der Händler selbst. Beim Kamerahersteller Canon dokumentieren gravierende Umsatzeinbrüche von über 50 Milliarden in 2008 auf jetzt nur noch 13 Milliarden Euro, dass der breite Massenmarkt sich umorientiert hat. Smartphones bieten zusätzlich zu Apps, Mails und Telefon inzwischen eine Auflösung der eingebauten Minikameras von 25 Megapixeln – genug, um einen etablierten Markt ins Wanken zu bringen. Über das Smartphone schafft es Bluetooth inzwischen, Autotüren zu öffnen. Der gesamte Zulieferermarkt vom Spezialisten für Schließsysteme bis hin zu den Fertigern von Einzelkomponenten steht in Frage. „Physikalische Produkte werden ein Service auf dem Smart Device“, sagt Bert Schulze, der von einem „disruptiven Prozess“ spricht.

„Innovation ist heute der Schlüssel dazu, erfolgreich zu sein“, lautet die Erkenntnis des Vice President von SAP, der für Co-Innovation und Strategie zuständig ist. Und um das zu ermöglichen, muss die IT ein paar Dinge ändern:

1. Innovationen durch Echtzeit- statt Batch-Kultur

Der Übergang von einer zur nächsten S-Kurve steht an: Echteit- verdrängt Batchtechnologie. Analyse und Transaktionen sind eins und neue Geschäftsmodelle sind schnell umsetzbar.

Der Übergang von einer zur nächsten S-Kurve steht an: Echtzeit- verdrängt Batchtechnologie. Analyse und Transaktionen sind eins und neue Geschäftsmodelle sind schnell umsetzbar.

Innovationszyklen in Märkten verlaufen nach exakt dem gleichen Muster. Eine neue Idee entsteht, sie findet einen Markt und Abnehmer. Eine Zeitlang entwickeln sich Services und Leistungen auf Basis des Produktes, ehe dann Wettbewerb entsteht. Schließlich ist das Produkt ausgereizt. Es entsteht etwas grundsätzlich Neues, der Übergang in einen neuen Innovationszyklus beginnt, der potenziell besser in die Zeit passt. „Das ERP ist ein gutes Beispiel dafür“, sagt SAP-Manager Schulze, „es ist ein abgehangenes, reifes Produkt im besten Sinne. Es basiert auf dem Denken und den technischen Grenzen der 70er Jahre.“ SAP S/4HANA soll das traditionelle ERP ablösen und damit auch die Denke in langwierigen Batch-Prozessen, in den getrennten Welten von Analyse, Transaktion und Planungen. Es entsteht etwas grundsätzlich Neues, das Unternehmen beispielsweise ermöglicht, jederzeit Analysen zu machen, Prognosen zu erstellen, die dann sehr schnell die Grundlage dafür schaffen, bestehende Geschäftsmodelle zu überdenken.

2. Perfektionsanspruch hinterfragen

Der Betrieb von IT-Systemen ist geprägt davon, wie ein Uhrwerk zu funktionieren, perfekt abgestimmt. „Pläne werden Verträge“, nennt Schulze den Bereich der IT, der nach der klassischen Schule funktioniert und genauso seine Berechtigung hat wie die Rolle der IT als Business-Innovator. Zwischen Konzepten, Plänen und Implementierung vergehen oft Jahre. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollte möglichst nichts mehr in Frage gestellt werden, denn der gesamte Ablauf ist präzise durchorganisiert. Dieses Verständnis der IT als Service-Dienstleister passt mit der Forderung nach Innovation durch die IT eigentlich nicht so recht zusammen. Denn Innovation lebt von Überraschungen, von schnellem Umdenken, von neuen Geschäftsmodellen, die kommen und auch wieder gehen. Sie lebt vom Ausprobieren: „Fail fast“, also die Bereitschaft schnell scheitern zu können, steht der Mehr-Jahres-Planung gegenüber. Kein Wunder, dass sich Fachbereiche und IT oft nicht allzu gut verstehen. „Der Fachbereich drückt und zieht, die IT kommt diesen Erwartungen nur schwer hinterher“, formuliert Innovations-Experte Schulze, der davon überzeugt ist, dass die Innovationsfähigkeit für die CIOs und IT-Chefs nötig ist, um wieder zurück in die Vorstände der Unternehmen zu gelangen und mehr Einfluss im Unternehmen zu bekommen.

3. Ausgaben zu Investitionen machen

In Innovationen denken und nicht im Funktionieren zu verharren bedeutet für die IT-Manager auch ein Umdenken im Umgang mit ihren Ressourcen. „Es werden weniger Basis-Consultants gefragt sein, statt dessen sind Fähigkeiten wie Projektmanagement und wirtschaftliche Kenntnisse mehr und mehr gefragt“, prognostiziert Schulze. Projekte wollen schnell auf den Weg gebracht und der Nutzen für das Unternehmen nachgewiesen werden, der Return on Investment (ROI) weicht dabei in der IT zunehmend der Frage nach dem Geschäftswertbeitrag für neue Umsätze und neue Märkte des Unternehmens. Das hat zur Folge, dass auch die Ausgaben in der IT umdefiniert werden müssen. Aus Ausgaben müssen Investitionen werden, die dem Unternehmen eine potenzielle neue Einnahmequelle erschließen. Der IT-Chef wird mehr zum Unternehmer, in dem er neue Geschäftsmodelle auf den Weg bringt.

4. Mehr Geschäftssinn in die IT hineinbringen

Der sogenannten Business-IT gehört die Zukunft. IT-Mitarbeiter werden in der Lage sein, neue Geschäftsmodelle zu verstehen und neben einem Grundverständnis für IT-Prozesse auch die Bedeutung für das Geschäft zu verstehen, im Idealfall sogar über Unternehmensgrenzen hinweg. So ist SAP-Manager Bert Schulze davon überzeugt, dass Kunden, die ihren Erfolg aus der Vergangenheit nicht in die Zukunft transferieren konnten, durchaus hätten Wege finden können, um nicht nur Umsätze zu „retten“, sondern zusammen mit seinen Kunden neue Ansätze zu finden. Unternehmen tappen in die typische Falle, konservativ zu werden, sobald sich Erfolg einstellt. Denn das erzeugt vermeintliche Sicherheit in erfolgreichen Nischen. Dass das nicht der richtige Ansatz sein kann, zeigt ein Blick auf die Liste der Forbes 500-Unternehmen. Zwischen 2000 und 2010 ist jedes zweite der einstmals etablierten Unternehmen nicht mehr in der Liste zu finden. Keine Angst vorm Scheitern und entspannt auch 80-prozentige Lösungen zulassen – diese Kultur muss auch die IT mitgehen.

5. Die neuen Hebel verstehen

Prozesse beschleunigen, flexibilisieren und intelligenter, schneller reagieren können, externe Microservices einbinden: Das sind einige der Hebel, die eine moderne IT in Bewegung setzen sollte. Bestes Beispiel dafür ist die Plattform SAP S/4HANA selbst. Wer SAP HANA etwa als IT-Werkzeug betrachtet und die gleichen Prozesse lediglich über die neue Technologie beschleunigt, wird daraus nicht den Mehrwert ziehen, den die Plattform an sich bietet. „Erst, wenn Unternehmen sich ihre Prozesse vornehmen und redesignen, lassen sich auch neue Geschäftsmodelle auf Basis eines flexiblen Datenmodells schnell umsetzen und dynamisch auf neue Anforderungen etwa aus den Fachbereichen reagieren“, so Innovationsexperte Schulze. Die nötige digitale Transformation steckt gewissermaßen in der Neudefinition der Prozesse und der Digitalisierung und Flexibilisierung des Anwendungskerns, die SAP S/4HANA als neue Anwendungssuite umsetzen kann.

Mehr zur Roadmap, Migration, Betriebsmodelle und Use Cases zu SAP S/4HANA erfahren Sie in unseren kostenlosen WebseminarenDer kostenlose openSAP-Kurs zum Thema SAP S/4HANA Deep Dive startet Mitte Juni 2015. Die Registrierung ist jetzt schon möglich.

Das ist der erste Beitrag in einer Serie über die neue Business Suite von SAP, SAP S/4HANA. Der nächste Beitrag wird am 1. Juni 2015 erscheinen: SAP S/4HANA: Die sechs wichtigsten Szenarien.

Sie können SAP S/4HANA zudem kostenfrei testen.

Bild: shutterstock

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