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SAP S/4HANA: Die sechs wichtigsten Szenarien

Feature | 1. Juni 2015 von Andreas Schmitz 0

Ob im Finanzwesen, in der Logistik oder im Marketing: Fachbereiche ziehen den größten Nutzen aus dem Paradigmenwechsel der SAP Business Suite hin zu SAP S/4HANA. Die Gründe.

Nicht B2B und nicht B2C sei heute gefragt, sondern C2B, sagte Bill McDermott auf der SAP-Hausmesse Sapphire Now in Orlando. Nicht die Unternehmen und Geschäftstreibenden bestimmen, wo es künftig lang geht, sondern die Kunden, ist der SAP-Vorstandschef überzeugt. Consumer-to-Business: Das bedeutet für die Fachbereiche, ständig schneller auf neue und individuelle Anforderungen ihrer Kunden reagieren zu müssen. Es ist also an der Zeit, Lösungen zu finden, die die Digitalisierung im Unternehmen voran treiben und die Fachbereiche darin unterstützen, neue Geschäftsmodelle schnell aufsetzen oder Neues ausprobieren zu können.

Was SAP S/4HANA mehr kann als SAP HANA

Das neue digitale Kernprodukt der SAP heißt SAP S/4HANA. Anders als die Plattform SAP HANA alleine verzahnt es die digitalen Prozesse aller Geschäftsbereiche im Unternehmen miteinander. Die Produktion, die Steuerung und das Finanzwesen etwa laufen Hand in Hand. Die neue Business Suite SAP S/4HANA bezieht Geschäftsnetzwerke in die Prozesse mit ein und schafft die Voraussetzung für die drei digitalen Trendthemen schlechthin, das Internet of Things, also die Vernetzung von sensorüberwachten Geräten mit den IT-Systemen, die als Segments of One bezeichnete Herangehensweise, den einzelnen Kunden zu identifizieren, analysieren und bedienen zu können, und die Möglichkeit des „lot size of one“, sprich: das maßgeschneiderte Produkt für den Kunden.

Die Vorteile für die Fachbereiche auf einen Blick

Die folgenden sechs Anwendungsszenarien zeigen, wie Fachbereiche vom Einsatz von SAP S/4HANA profitieren können:

  1. Finanzen: Ständige Einsicht in aktuelle Zahlen
  2. Business- und Finanzplanung: Risiken neuer Strategien und Prozesse simulieren
  3. Segment of One: Den Endkonsumenten als Einzelnen betrachten
  4. MRP: Materialbedarfsplanung optimieren
  5. Logistik: Liefertreue verbessern
  6. Autoindustrie: Jederzeit bestellen können


1. Ständige Einsicht in aktuelle Zahlen

Heute ist es in den Unternehmen üblich, einmal im Quartal einen detaillierten Zwischenbericht vorgelegt zu bekommen. Auf dieser Basis entscheidet das Management über künftige Investitionen. Im letzten Jahr hat SAP den „Softclose“, also den aufwändigsten aller Reports, den Geschäftsabschluss, mit Hilfe von Simple Finance 1.0 im eigenen Hause schon innerhalb von sechs anstatt 12 Tagen fertig gestellt. „Ein kleiner Rest von iterativen Prozessen bleibt trotz des vereinfachten Datenmodells bisher“, so Sven Denecken, bei SAP verantwortlich für Co-Innovation and Strategy S/4HANA, der sich von Simple Finance 2.0 verspricht, einem Abschluss ohne jeglichen Zeitverlust nahe zu kommen. Denn mit Hilfe von Simple Finance 2.0:

  • gibt es erstmals ein zentrales (gemeinsames) Journal für die Bereiche Finanzen und Controlling,
  • werden alle Buchungsvorgänge in Echtzeit zusammengefasst,
  • gibt es ein zentrales Finanzwesen, das auch Daten aus bestehenden Nicht-SAP-Systemen erfassen und auswerten kann.

Der Nutzen für die Fachbereiche

Aktuelle Zahlen liegen nicht nur dem Finanzchef des Unternehmens zeitnah vor, sondern auch dem Logistikleiter, den Betriebsleitern und Marketingchefs. „Diese Transparenz hebt die Diskussion um Investitionen auf ein ganz anderes Niveau“, ist SAP-Manager Denecken überzeugt. Ein Vertriebler wird also künftig bereits in den Verhandlungen mit Kunden auf Basis von Echtzeitdaten entscheiden können, ob sich das Angebot „rechnet“ und ob möglicherweise Rabatte noch „drin“ sind. Die Oberhoheit des Finanzwesens ist ein Stück weit delegiert, neue Entscheidungsfreiheit gewonnen.

Daten und Fakten

  • SAP spart pro Quartalsabschluss 400 Arbeitsstunden
  • Die Auswertung ist um 86 Prozent schneller im Vergleich zur SAP Business Suite
  • Marktführende Unternehmen bewältigen ihren Jahresabschluss um 26 Prozent schneller als vergleichbare Unternehmen um zu 61 Prozent geringeren Kosten (Benchmark von SAP Value Engineering)

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2. Risiken neuer Strategien und Prozesse simulieren

Die Verbindung zwischen Betrieb und Finanzwesen ist gelegt. Damit sind erstmals Modelle möglich, auf deren Basis in Echtzeit die Auswirkung neuer Strategien und Prozesse simuliert werden kann. Entscheidet sich das Unternehmen für die Investition in ein neues Projekt, lässt sich schon bei der Entscheidung berechnen, wie sich das auf die Gesamtliquidität des Unternehmens auswirken wird. Einzig nötig sind einige Parameter und Schätzungen etwa der Umsatzentwicklung und der Marge. „Gerade konservative Branchen, die herkömmlicherweise im B2B-Geschäft unterwegs waren, entdecken mehr und mehr den Endkonsumenten“, sagt SAP-Experte Denecken, „das erfordert oft neue Prozesse, die auf starkes Wachstum ausgerichtet sind.“ Gerade hier ist es etwa essenziell, sofort über Veränderungen im Neugeschäft informiert zu sein, um auf Trends so früh wie möglich reagieren zu können. Service-Ansatz statt Direktvertrieb, andere Kennzahlen, neue Verträge: Hier ist größtmögliche Anpassung erforderlich.

Der Nutzen für die Fachbereiche

Neue Geschäftsmodelle sind dem Finanzbereich per se suspekt und benötigen eine überzeugende Argumentation. Noch schwieriger wird es, wenn die Geschäftsmodelle „disruptiv“ sind und somit nach ganz neuen Regeln funktionieren. Transparente Simulationen von potenziellem Neugeschäft zeigen die Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Harte Fakten und Analysen sind für das Finanzwesen überzeugendere Argumente als noch so ausgefeilte Präsentationen. Neugeschäft und neue Geschäftsmodelle werden einfacher möglich.

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3. Den Endkonsumenten als Einzelnen betrachten

Die Konsumgüterindustrie ist der Vorreiter, andere Branchen ziehen nach: „Segment of One“ heißt die Strategie, die den Konsumenten in den Mittelpunkt rückt. Unternehmen konzentrieren sich darauf:

  • möglichst viel über ihre Kunden zu wissen, um ihnen maßgeschneiderte Angebote machen zu können,
  • „kontextbasiert“ an den Kunden heranzutreten. Je nachdem, ob er mit seinem Smartphone den Laden betritt oder sich zum dritten Mal das gleiche Produkt im Internet anschaut, greift das Echtzeitmarketing etwa mit Promotionsaktionen und Couponing. Strukturierte Daten wie die Kaufhistorie sowie unstrukturierte Daten aus sozialen Netzen sowie „geshareden“ Inhalten im Internet bringt das System zusammen.

Die Besonderheit durch den Einsatz von SAP S/4HANA liegt darin, dass etwa Verkaufshistorien von Kunden nicht ausschließlich dem Marketing zur Verfügung stehen, sondern jedem beliebigen Unternehmensbereich. „Alles passiert auf der gleichen Plattform und hat eine gemeinsame Benutzerführung“, betont S/4HANA-Experte Sven Denecken, „in der SAP Business Suite gibt es für die Finanzen, den Vertrieb und das Marketing jeweils unterschiedliche Module. Bei SAP S/4HANA machen wir gemeinsame Sache.“

Der Nutzen für die Fachbereiche

Sobald ein Kunde Produkte kaufen möchte, liegt nicht nur dessen Historie vor. Es ist zudem möglich, darzustellen, welche Auswirkung dieser Kauf auf die Performance des gesamten Unternehmens oder Geschäftsbereiches hat und die Steuerung kann darauf abgestimmt werden. Solche Rückkopplungen gab es bislang meist nur einmal im Quartal.

Daten und Fakten

SAP Value Engeneering hat ermittelt, dass die ganzheitliche Betrachtung des Kunden Unternehmen

  • ein Umsatzwachstum von 24 Prozent durch Neukunden und
  • eine Erhöhung des Marktanteils um 30 Prozent bewirkt
  • und zudem 22 Prozent des Personalaufwands eingespart wird.

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4. Materialbedarfsplanung optimieren

Die Herausforderung in der Materialbedarfsplanung liegt darin, immer genau so viel zu bestellen, wie für die Montage von Produkten benötigt wird und so die Lagerkosten möglichst gering zu halten. Der Einkauf, die Produktion, das Lager, der Verkauf: Alle müssen sich aufeinander verlassen können. Auf der einen Seite müssen Produktionsprozesse wie etwa geplante Bestellungen, Bestellungsanforderungen, tatsächliche Bestellungen und Lieferzeiten im Auge behalten werden, auf der anderen Seite jedoch auch die Bestellungen des Verkaufs, Bedarfsprognosen und Vereinbarungen mit Zulieferern. Diese logistische Herausforderung erfordert eine Synchronisierung der Prozesse im Lager sowie in der Bewertung und Bedarfsplanung. SAP S/4HANA schafft die Voraussetzung dafür, dass etwa Lagerbestände und Bedarfsplanungen gleichzeitig aufeinander abgestimmt werden und sämtliche Daten und Analysen auch unternehmensübergreifend genutzt werden können.

Der Nutzen für die Fachbereiche

Die Materialbedarfsplanung läuft nicht mehr über Nacht, sondern in Echtzeit. So lassen sich Engpässe schneller erkennen, Lagerfläche reduzieren. Die Planung ist in der Lage, sämtliche Herstellungsstandorte und externe Lieferketten mit zu berücksichtigen. Ein Sicherheitspuffer im Lager wird nicht zu vermeiden sein. Dennoch helfen Simulationen und Evaluierungen, Kapazitäten und Mengen bedarfsgerechter zu steuern als bisher – und zwar aufgrund des vereinfachten Datenmodells und Echtzeitinformationen von SAP S/4HANA über alle Abteilungen und Geschäftsprozesse aus dem Finanz-, Vertriebs- und Verkaufsbereich hinweg.

Daten und Fakten:

  • erhöhter Lagerumschlag,
  • höhere Liefertreue,
  • um bis zu 50 Prozent beschleunigte Produktion,
  • um mehr als 90 Prozent höhere Prozessgeschwindigkeit.

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5. Liefertreue verbessern

Von der Planung und Produktion bis hin zum Verpacken und letztlich Ausliefern des Produktes reicht die Lieferkette. Diverse Zulieferer und Dienstleister arbeiten hier Hand in Hand. „Was muss ich in der Lieferkette berücksichtigen, wenn ich vorne ein Versprechen gebe?“: Das ist – so meint SAP-Manager Sven Denecken – die zentrale Frage, die eine „intelligente Allokation der Ressourcen“ erfordert. Wird ein wichtiges Einzelteil nicht geliefert, ist es einerseits nötig, schnell umplanen zu können, aber auch, dass sämtliche Verantwortliche in dem Prozess auf dem Stand der Dinge sind. Besonders vor dem Hintergrund, dass Produkte künftig mehr und mehr als Service verkauft werden (Luft statt Kompressoren, Laufzeit statt Gerät), spielt die schnelle Reaktion auf Zwischenfälle eine entscheidende Rolle. Sinnvollerweise sind die Prozesse an Geschäftsnetzwerke angebunden, wodurch die gesamte Lieferkette im Auge behalten wird.

Der Nutzen für die Fachbereiche

Schnelle Klarheit darüber, wo Engpässe auftreten, automatisierte Vorschläge, wie dieser Engpass behoben werden kann sowie die Möglichkeit, durch schnelles Umplanen den Liefertermin zuverlässig zu erreichen: Diesen Prozess vereinfacht SAP S/4HANA, da durch die Software geschäftsprozessübergreifend aktuelle Daten der Lieferpartner aus dem Geschäftsnetzwerk und internen Abteilungen vorliegen.

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6. Jederzeit bestellen können

Lot size one: So heißt das Ziel etwa von Automobil- oder Motorradherstellern, Kunden nicht nur das Produkt ihrer Wahl produzieren zu können, sondern ihnen selbst Sekunden vor Beginn der Produktion noch eine Änderung ihrer Wünsche zu ermöglichen. Was aus Marketingsicht sinnvoll erscheint, ist für die Produktion eine große Herausforderung. „Sie muss anders gesteuert werden – der Endkunde bestimmt gewissermaßen die Art der Produktion und Lieferantensteuerung“, erläutert Sven Denecken von SAP. Denn dieser Ansatz erfordert, dass jedes einzelne Teil in der Sekunde, in der es aus dem Regal im Lager entfernt wird und für einen Auftrag genutzt wird, schon im System verbucht ist. Nur so lässt sich verhindern, dass nicht gerade in dieser Sekunde ein anderer Kunde exakt diese rare Alufelge für seinen Wagen haben möchte. Es genügt nicht, etwa erst in der Nacht die Bestände abzugleichen.

Der Nutzen für die Fachbereiche

Die Lagerdaten sind ständig aktuell, wodurch der Sicherheitsbestand im Lager reduziert werden kann. Besonders interessant ist es allerdings, in Echtzeit planen und Prognosen abgeben zu können. Nur durch diese Transparenz ist es möglich, noch sehr kurzfristig die Wünsche des Kunden umsetzen zu können. Dies erhöht die Liefertreue erheblich und sorgt für Kundenbindung.

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Bildquelle: Shutterstock

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