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SAP S/4HANA: Für welches Szenario eignet sich welches Betriebsmodell?

Feature | 8. Juni 2015 von Andreas Schmitz 0

Ob Unternehmen SAP S/4HANA „on premise“ auf eigenen Servern laufen lassen oder aber SAP und damit der Cloud in die Hand geben, hängt von vielen Faktoren ab. Einsatzszenarien der Betriebsmodelle im Überblick.

Die Cloud Finance Edition für Finance Shared Service Center, die Cloud Enterprise Edition für Unternehmenstöchter, die On Premise Edition für Kernprozesse. Die folgenden typischen Einsatzszenarien zeigen auf, für welche Form von Anwendungen und Unternehmen sich die jeweiligen Betriebsmodelle eignen.

Public Cloud Project Services Edition

1. Klassische Serviceunternehmen: Projektgeschäft aus der Cloud managen, mit SAP Simple Finance abschließen

Wer reine Dienstleistungen anbietet, wie etwa Beratungsunternehmen wie Deloitte und Anderson Consulting oder Personalvermittler wie Randstad, kommt oft mit Lösungen aus der Public Cloud aus. S/4HANA Cloud Project Services ist seit dem ersten Quartal 2015 auf dem Markt. Besondere Kennzeichen: hochstandardisierte Prozesse, abgestimmt auf das Projektgeschäft, optimal angepasster Funktionsumfang. Da viele Koordinierungsaufgaben anstehen, Mitarbeiter bestimmten Projekten zugeordnet und Leistungen erfasst werden müssen, sind individuelle Anpassungen nicht unbedingt nötig, sodass das Gerüst passt. Zudem sind die Funktionalitäten so auf die Aufgaben abgestimmt, dass sie Projekt- sowie Finanzabschlüsse bewerkstelligen. Die erste SAP S/4HANA-Innovation SAP Simple Finance kommt integriert bereits zum Einsatz.

Public Cloud Marketing Edition

2. Marketingspezialisten: Kampagnen als Cloud-Job

Das Ankurbeln des Geschäftes über Marketingmaßnahmen gehört meist nicht zum Kerngeschäft vieler Unternehmen. Kampagnen dieser Art funktionieren oft mit ähnlichen Prozessen und Maßnahmen. So geht es etwa darum, Kunden über diverse Kanäle anzusprechen, sie zu segmentieren und zu analysieren, sowie Mailings vorzubereiten und zu verschicken – Prozesse, die gut standardisiert und sogar auch ausgelagert werden und damit über die Cloud abgewickelt werden können. „Auch für andere Geschäftsbereiche wie den Verkauf, den Personalbereich und das Beschaffungswesen gibt es bereits entsprechende Ideen“, sagt Stefan Batzdorf, der Projektleiter der SAP S/4HANA-Entwicklung.

Public Cloud

3. Finance Shared Service Center: Auf eigenes Rechenzentrum verzichten, mit SAP Simple Finance IFRS-gerecht abschließen

Während der Hauptsitz eines global tätigen Unternehmens etwa seine Finanzsysteme noch on premise nutzt, verlagern ihre Shared Service Center, die aus Kosten- und Effizienzgründen beispielsweise in Osteuropa oder den BRIC-Staaten liegen, die Systeme in die Public Cloud. Denn die SAP S/4HANA- Public-Cloud-Lösungen decken beispielsweise alle Kernszenarien des Finanzwesens von der Rechnungsstellung über deren Verarbeitung, den Zahlungsfluss, Monats- und Gruppenabschlüssen bis hin zu den IFRS-gerechten Jahresabschlüssen ab. Vorteil für das Unternehmen: Es ist kein eigener Betrieb eines Rechenzentrums für diese Finanzprozesse nötig. Vom Hauptsitz aus gesehen liegen die Zahlen der Shared Service Center in Echtzeit in der SAP HANA Datenbank vor.

Cloud Enterprise Edition

4. Tochterunternehmen von Konzernen: Komplette ERP-Funktionalität aus der Cloud

„Nur“ für das Personalmanagement, die Finanzprozesse und das Marketing etwa lohnt es sich nicht, ein eigenes Rechenzentrum zu betreiben; die On-Premise-Systeme im Mutterhaus sowie die Cloud-Systeme der Unternehmenstöchter sind voll integriert. Mitarbeiter, die auf das Finanzwesen zugreifen, können gleichzeitig etwas im System bestellen oder aber in die integrierten HR-Systeme hineingehen, ohne zu bemerken, dass diese Systeme beziehungsweise Prozesse in der Cloud laufen.

5. Großunternehmen: Von On-Premise komplett in die Cloud

Bis vor Kurzem war dieses Szenario für Unternehmen Zukunftsmusik. Denn die logistischen Prozesse in einem produzierenden Unternehmen sind mit den Finanzprozessen derart engmaschig verwoben, dass die Unterstützung der logistischen Prozesse über SAP S/4HANA nötig ist. Das ist mit der S/4HANA Cloud Enterprise Edition nun möglich, denn sie deckt den kompletten Funktionsumfang von ERP ab, vom Finanzwesen über die Logistik, die Herstellung, Lieferkette und Qualitätssicherung bis hin zu den Personalprozessen und adressiert Kunden, die mit standardisierten Betriebsprozessen in die Cloud möchten.

6. Große Unternehmen mit historisch gewachsener IT-Landschaft

IT-Landschaften, die über Jahrzehnte gewachsen sind, und heute noch auf älteren SAP-R/3-Versionen basieren, sind teilweise derart komplex, dass sie sich nicht mehr modernisieren lassen. Ein Schnitt ist nötig. Entweder wird das gesamte System neu installiert oder aber mit der S/4HANA Cloud Enterprise Edition betrieben. Das erfordert eine IT-Transformation-Roadmap. Vorteile der Cloud-Lösung: Unternehmen erhalten standardisierte Kernprozesse die alle Unternehmensprozesse abdecken, inklusive Industriespezialisierung. Im Gegensatz zum Eigenbetrieb entstehen keine Total Cost of Ownership (TCO), da nichts mehr selbst betrieben wird: Updates, Testing und Korrekturen bewerkstelligt SAP. Gezahlt wird pro Benutzer je nach Anwendungsszenario.

Hybrider Ansatz: Cloud und On Premise

7. Kerngeschäft On Premise weiter betreiben

Cloud nur so viel wie nötig: Das ist das Motto von Unternehmen, deren Geschäftsmodell einen einzigartigen USP im Kerngeschäft enthalten. SAP S/4HANA als On-Premise-Software bietet besonders in Hinsicht auf die individuellen Anpassungen Vorteile gegenüber dem Cloud-Ansatz. Die Konfiguration bestehender Systeme lässt sich weiter nutzen, das genutzte Datencenter lässt sich selbst bestimmen, Sonderwünsche lassen sich ergänzen. Für Autokonzerne sind etwa Produktion und Herstellung das Herz der Firma, für Banken die Finanzprozesse. Personalprozesse gehören für beide nicht zum Kerngeschäft. Hier ist also eine Standardisierung möglich, sprich: die Cloud. Ein Mix aus eigens betriebenen und Cloud-Systemen ist sinnvoll:

  • Während etwa das Talentmanagement über Success Factors in der Cloud genutzt wird, wird die Gehaltsabrechnung über alle Landesgesellschaften on-premise betrieben. Der Grund: Die Gehälter sind mit dem Finanzwesen verbunden – für viele Unternehmen ein kritischer Prozess.
  • Während die gesamte Lieferkette des Unternehmens on-premise abgebildet wird, lässt sich der Online-Bestellprozess herauslösen und über die Cloud abwickeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Ariba-Webshop, der bei SAP im Einsatz ist: Mitarbeiter können darüber Büromaterialien, Bücher und auch Firmenwagen ordern.

Hinweise zu Online-Seminaren:

Der Rückversicherungskonzern Swiss Re hat als eines der ersten Unternehmen auf SAP S/4HANA umgestellt. Das nächste Ziel: Ad-hoc-Reporting. Wie das gelingen kann, erklärt Andreas Schönherr, Managing Director – Finance Transformation Integration Lead bei Swiss Re. Hier geht es zum Online-Seminar in Zusammenarbeit mit der Computerwoche am 7. Juli 2015.

Weitere Informationen bekommen Sie auch über unsere kostenlose Webseminarreihe.

Sie können SAP S/4HANA zudem kostenfrei testen.

Bildquelle: Shutterstock

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2 comments

  1. Stephan Ruhnke

    Wie sieht es bei einer Cloud Lösung mit Schnittstellen der legal Systems (Vorsysteme) aus? Gerade in den Systemen laufen ja die wichtigen Bp’s und die Finance Daten sind lediglich ein erforderliches Extrakt.

    • Andreas Schmitz

      Danke Ihnen für den Kommentar. Könnten Sie Ihre Frage bitte präzisieren?

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