SAP-Software vereinfacht Bürokratie für Unternehmer

Feature | 5. August 2008 von admin 0

Im Jahr 2007 ging die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland erneut zurück. Vermutlich gäbe es mehr kleine und mittelständische Unternehmen, wäre nicht der hohe Bürokratieaufwand. Viele Behördengänge und unterschiedliche Ansprechpartner machen den Weg zum selbstständigen Unternehmer beschwerlich.

Durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie sollen Unternehmer ihre Leistungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft zukünftig schneller und einfacher erbringen können – durch zügige Genehmigungsverfahren über Ländergrenzen hinweg und eine verbesserte Zusammenarbeit der europäischen Verwaltungen.

In ganz Europa sind die Behörden nun gefordert, Anträge online entgegen zu nehmen. Zusätzlich soll den Dienstleistern ein einheitlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen, der den Antragsprozess koordiniert und Fragen beantwortet.

IST-Situation: Viele Anträge und viele Behörden

Zum Beispiel der Fall einer Gaststätteneröffnung: Bevor ein Wirt in Deutschland das erste Bier ausschenken kann, muss er zahlreiche Genehmigungen und Anträge bei den verschiedensten Behörden einholen wie

  • eine Meldebescheinigung vom Rathaus bzw. der Stadtverwaltung,
  • ein Führungszeugnis, ausgestellt vom Bundesamt für Justiz,
  • eine Gewerbeanmeldung bei der Kommune,
  • die Gaststättenerlaubnis vom Ordnungsamt,
  • den Handelsregistereintrag beim Amtsgericht,
  • den Sachkundenachweis von der Industrie- und Handelskammer,
  • eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung und eine Steuernummer vom Finanzamt,
  • für seine ausländischen Mitarbeiter eine Aufenthaltsgenehmigung, von der Ausländerbehörde; für die entsprechende Arbeitsgenehmigung ist dann wiederum das Arbeitsamt zuständig.
  • optional eine Genehmigung für Umbauten von der Bauaufsichtsbehörde.

Auch in den anderen europäischen Ländern ist der Weg zum Unternehmertum mit ähnlichen bürokratischen Hürden versehen.

Der neue Ansatz: Laufen alle Behördengänge nur noch über einen einzigen Ansprechpartner und lässt sich der Antrag online stellen, bedeutet das eine große Entlastung für alle Dienstleister.

Roadmap gibt Schritte vor

Unter SAP-Federführung wurde in der EICTA, dem Dachverband der europäischen ITK-Industrie, eine Roadmap für die schrittweise Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie erarbeitet – die entsprechende Arbeitsgruppe wird von Andreas Tegge, SAP Government Relations Europe, geleitet.

Die Roadmap enthält konkrete Empfehlungen für die pragmatische Umsetzung der rechtlichen IT-Vorgaben in der Richtlinie bis Ende 2009. Darüber hinaus regt sie zusätzliche IT-Investitionen an, die zu “einer deutlichen Verbesserung der Prozesse sowohl für den Dienstleister als auch für die beteiligten Behörden führen”, sagt Tegge. Das entspreche der eigentlichen Zielsetzung der Richtlinie.

Diese Roadmap gilt als Referenzdokument in der Europäischen Kommission für die Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie.

Lösung: Die zentrale, elektronische Abwicklung

Die technisch flexible und ausbaufähige SAP-Lösung basiert auf der Technologieplattform SAP NetWeaver und einer serviceorientierten IT-Architektur (Enterprise SOA). Damit ist die Software auch für zukünftige rechtliche und organisatorische Veränderungen gewappnet. Die SAP-Software bietet:

  • eine Portallösung für die komfortable Antragstellung und den Datenaustausch zwischen dem Gewerbetreibenden, dem einheitlichen Ansprechpartner und den beteiligten Behörden,
  • einen Multikanalzugang für Kommunikation per E-Mail, Telefon oder Fax,
  • die flexible elektronische Zusammenstellung der Prozesse,
  • ein Fallmanagement, das die medienbruchfreie Abwicklung zwischen allen Beteiligten unterstützt.

Die SAP ermöglicht damit den Behörden in Europa, den Antragsprozess zur EU-Dienstleistungsrichtlinie benutzerfreundlich und medienbruchfrei zu gestalten. Gleichzeitig bekommen die Sachbearbeiter Unterstützung durch eine kundenorientierte Fallbearbeitung. Sie können jederzeit den aktuellen Status des Antrags prüfen und Folgeaktivitäten starten.

Mit diesem durchgängigen Antragsprozess wird der Weg bereitet für weitere kunden- und serviceorientierte Online-Dienstleistungen.

Erfolgsfaktor: Partnerschaft mit SAP Research

Wegweisend für die schnelle Erstellung des SAP-Prototyps war die Beteiligung von SAP Research am Forschungsprojekt Theseus und an den von der EU geförderten Projekten SUPER und PICTURE. Ziel dieser Projekte: Eine wissens- und IT-basierte Dienstleistungswirtschaft (Internet der Dienste) schaffen, in der der Anwender durch neue semantische Infrastrukturen (Web 3.0) einen einfachen Zugang zu den benötigen Informationen und Dienstleistungen erhält. Der Vorteil für Unternehmen: Sie können effizienter und zielgenauer mit Behörden sowie Kunden kommunizieren und schneller auf Marktveränderungen reagieren.

Bereits auf dem 2. Nationalen IT-Gipfel im vergangenen Dezember in Hannover stellte Henning Kagermann, Ko-Vorstandssprecher der SAP, ein Bürgerportal mit dem Titel “Das selbstanmeldende Baby” von SAP Research vor. Dieses vernetzt eine Vielzahl von Verwaltungsdienstleistungen und privaten Diensten – von der Anmeldung Neugeborener bei der Gemeinde über den Abschluss von Versicherungen bis zur Vereinbarung von Vorsorgeuntersuchungen.

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