SAP-Standard setzt sich durch

Feature | 17. März 2003 von admin 0

Rhodia in Zahlen

Rhodia in Zahlen

Der Produzent und Anbieter von Spezial-Chemie Rhodia befindet sich in einer Phase großer unternehmerischer Umwälzungen. Der weltweit agierende Konzern besteht aus 20 Unternehmen – die Zahl der Tochterunternehmen und Niederlassungen soll jedoch durch Zusammenlegungen reduziert werden. Im Rahmen einer globalen Strategie steht zudem eine Umstrukturierung im Bereich der Datenverarbeitung an. Der Chemie-Konzern möchte in den kommenden Jahren unter dem Namen Rhodia Core System (RCS) an allen Standorten eine einheitliche EDV-Basis schaffen und zudem auf gemeinsame IT-Services zurückgreifen. Zwar haben Insellösungen den Vorteil, optimal an die Geschäftsabläufe des jeweiligen Standorts angepasst zu sein. Sie behindern jedoch unternehmensweite Entscheidungen, da jede EDV-Neuerung umständlich in den einzelnen Niederlassungen eingeführt und angepasst werden muss.

Umsatzverdoppelung mit SAP

Das Tochterunternehmen Rhodia Food hat einen ersten Schritt zur Homogenisierung der eigenen IT-Systeme vollzogen. Mit Unterstützung der Schweizer SLI Consulting AG wurden sieben seiner 24 Standorte an ein gemeinsames SAP-System angebunden. Das Unternehmen aus dem Bereich Consumer Specialties zählt zu den Umsatzstärksten innerhalb des Rhodia-Konzerns. Bereits im September 2000 begann Rhodia Food damit, die Tochterunternehmen Meyhall Schweiz, Meypro Holland, Indal Portugal und vier Niederlassungen von Texel in Frankreich zu fusionieren. Bei den meisten Unternehmen war bereits ein älteres SAP-R/3-System (Release 3.1I) in Verwendung, das zunächst einmal auf den neuesten Stand (4.6C) gebracht werden musste. Nur bei Indal in Portugal wurde ein komplett neues SAP-System installiert, mit Rechnungswesen, Controlling, Vertrieb und Materialwirtschaft. Inzwischen sind die französischen Niederlassungen vollständig in Rhodia Food aufgegangen. Der Zentralrechner, auf den die rund 200 Anwender aus den vier Ländern zugreifen, steht in Frankreich.
Jean-Marie Tomatis, Leiter Information Services von Rhodia Food: “Unser erklärtes Ziel im Bereich Food ist eine Verdopplung des Umsatzes innerhalb der kommenden fünf Jahre. Daher vollzieht Rhodia Food im Augenblick auch den Wandel vom reinen Inhaltsstoffhersteller zum Solution Provider – das heißt zum Anbieter fertiger Lösungskonzepte zur Texturverbesserung in der Lebensmittelindustrie. Um dies zu unterstützen, brauchen wir ein einheitliches IT-System.” Das vereinte SAP-System schafft vereinfachte und besser aufeinander abgestimmte Geschäftprozesse.

Vereint und doch getrennt

Fakten zum Projekt RCS

Fakten zum Projekt RCS

Die Migration der gesamten Kundenstammdaten aus dem Vertrieb der sieben Unternehmen wurde im Laufe eines Jahres vollzogen. Die Unternehmen Indal, Meyhall, Meypro und Rhodia Food werden nun im SAP-System von Rhodia Food jeweils als eigenständige Firmen geführt. “Das bedeutet zwar einen größeren Aufwand bei der Installation und Datenpflege, ermöglicht aber eine klare Trennung der einzelnen Firmen für ein aussagekräftiges Controlling”, so Vincenzo Lo Frano, Projektleiter von SLI.
Im November 2001 hatte die Konzern-Führung zudem beschlossen, die Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung für alle Produktions- und Vertriebsstandorte des Rhodia-Konzerns an den externen Finanzdienstleister Accenture auszulagern. Beispielsweise werden die bei Rhodia Food eingehenden Lieferantenrechnungen von Accenture in Prag bearbeitet und fließen dann zur weiteren Verbuchung sowie für das Controlling wieder in das SAP-System ein. Seit Beginn des Jahres 2002 wird auch das Rechnungswesen im zentralen SAP-System geführt.
Neben den technischen Aspekten nahm die Dokumentation der SAP-Implementierung in dem Projekt eine besondere Stellung ein. Vincenzo Lo Frano: “Wir wollten mit der Zusammenlegung der ersten sieben Unternehmen ein übergreifendes Konzept für die weiteren SAP-Implementierungen von Rhodia Food erstellen.” So etwa für die Firma Biolacta in Polen, die für Rhodia Food Bakterienkulturen produziert und vertreibt, und im Zuge des RCS-Projektes an SAP angebunden wird.

SAP-Standard optimal nutzen

Rhodia Food war bereits mit den “alten” SAP-Releases sehr zufrieden gewesen. Jedoch hatten die individuellen Anpassungen in den Standorten den Nachteil, dass sich ein gemeinsames Update nicht so einfach durchführen ließ. “Nun will man bei Rhodia im SAP-Standard bleiben, denn das System bietet bereits in der Standardausführung mehr als bisher ausgeschöpft wurde”, weiß SLI-Berater Vincenzo Lo Frano. Schon jetzt macht sich bei Rhodia Food das zentrale System bemerkbar – als ein wichtiger Schritt zur Harmonisierung der unterschiedlichen Geschäftsprozesse in verschiedenen Ländern und Niederlassungen. Beispielsweise sind Support und Bildschirmmasken inzwischen für alle in englischer Sprache gehalten. Jean-Marie Tomatis, ist mit dem Zwischenstand zufrieden: “Die Zusammenführung der EDV auf einen zentralen Standard bedeutet für uns einen ersten Schritt zu einem weltweiten SAP-System für Rhodia Food.”
Doch längst sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen – die Unternehmensführung bei Rhodia Food hat sich daher für das Jahr 2003 weitere Ziele gesetzt. Zum einen soll ein weltweiter Online-Katalog für Food erstellt sowie die Supply Chain optimiert werden. Für letzteres ist geplant, den SAP Advanced Planner & Optimizer (SAP APO) einzuführen. Darüber hinaus soll die Steuerungsmöglichkeit für die Unternehmensführung verbessert werden – unter anderem durch ein weltweites Controlling. Zudem müssen weitere Niederlassungen in das Rhodia Food-System integriert werden, zum Beispiel die Unternehmen aus dem Bereich Phosphate.

Der konzernweite Roll-out steht noch an

Auch konnten in dem ersten Teilprojekt die Geschäftsprozesse nicht komplett neu organisiert werden. Da die Produkte von Rhodia Food saisonabhängig sind, etwa die Zusätze für Eiscreme, musste das Projekt bis zum Frühjahr 2002 abgeschlossen sein. Erst beim nächsten Schritt – der konzernweiten Realisierung von RCS – soll dann eine vollständige Umstrukturierung stattfinden.
In diesem Zusammenhang werden auch die 211 weltweiten Niederlassungen des Rhodia-Konzerns neu vernetzt. Zwar sind all diese Standorte über ein Ethernet-Netzwerk per Stand- oder Wählleitungen miteinander in Kontakt. Aber noch haben die meisten Unternehmen der einzelnen Bereiche eigene Lösungen für Produktion, Lagerhaltung, Personal- und Rechnungswesen. Mit RCS wird jedoch am Ende ein konzernweit einheitliches System, vorzugsweise im SAP-Standard und mit einem gemeinsamen Bestellsystem, zur Verfügung stehen.

Stefanie Kessler

Stefanie Kessler

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