SAP sticht HP und Telekom aus

Feature | 3. Juli 2013 von Nicolas A. Zeitler 0

Foto: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

Frank Mattern, Chef von McKinsey Deutschland, überreichte Anka Wittenberg, Chief Diversity & Inclusion Officer bei SAP, den Preis.    Foto: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

Kollegen aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen, Frauen in den Führungsetagen, gemischte Teams aus älteren Mitarbeitern und Millennials: Unter dem Schlagwort „Diversity“ Vielfalt zu fördern, gehört für Unternehmen mittlerweile zum guten Ton. Sogar den wirtschaftlichen Erfolg von Firmen soll Verschiedenheit beflügeln. Vor diesem Hintergrund haben die Unternehmensberatung McKinsey und die WirtschaftsWoche zum zweiten Mal nach 2011 den Deutschen Diversity-Preis verliehen.

In der Kategorie Großunternehmen nominierte die Jury drei Bewerber: SAP, die Deutsche Telekom und Hewlett-Packard. Die beiden letztgenannten erhielten die Auszeichnung „Exzellent“, Sieger aber  darf sich Softwarehersteller SAP nennen. Anka Wittenberg, als Chief Diversity & Inclusion Officer bei dem Walldorfer Konzern für Vielfalt in der Belegschaft verantwortlich, bekam von McKinsey-Chef Frank Mattern für SAP den Preis als „Vielfältigster Arbeitgeber Deutschlands 2013“ überreicht. Nach Matterns Worten kam die Jury zu der Überzeugung, dass Diversity und Inklusion in der Arbeitskultur bei SAP fest verankert seien. Zum vielfältigsten Arbeitgeber macht SAP laut WirtschaftsWoche unter anderem, dass allein in den deutschen Niederlassungen Mitarbeiter aus 95 Ländern tätig sind. Außer dem weltweiten Diversity-Team engagieren sich 4500 Mitarbeiter für Vielfalt, etwa in Gruppen wie dem Business Women’s Network oder der Gruppe HomoSAPiens für homosexuelle Mitglieder.

E-Commerce-Unternehmen beschäftigt Menschen aus zwölf Ländern

In der Kategorie kleine und mittlere Unternehmen erhielt den Titel die Urbanara GmbH verliehen, ein auf Heimtextilien und Wohnaccessoires spezialisiertes E-Commerce-Unternehmen aus Berlin. Die Vielfalt spiegelt sich hier zum einen im Team wieder: Die 40 Mitarbeiter an den beiden Standorten in Berlin und Shanghai stammen aus zwölf Ländern, darunter Australien, Frankreich und Pakistan. Diese internationale Aufstellung erlaube es, mit Herstellern weltweit auch in deren jeweiliger Landessprache zusammenzuarbeiten – die Produktpalette von Gardinen über Bettwäsche bis Bademänteln kommt aus vier Kontinenten.

Wie Lanxess Mitarbeiter nach der Familienphase wieder integriert

Messbarkeit des Diversity-Erfolgs umstritten

 

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Sieger in der Kategorie „Bestes Diversity-Image“ ist Bosch. Der Stuttgarter Technologie-Konzern setzte sich in einer repräsentativen Umfrage unter 30.000 Studenten und Berufseinsteigern an die Spitze, in der neben Chancengleichheit für Frauen und Männer auch flexible Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten für internationale Zusammenarbeit bewertet wurden. Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel erwartet sich von Diversity „wichtige Impulse für unsere Innovationsfähigkeit“. Vielfalt im Unternehmen fördere Kreativität und Motivation der Mitarbeiter.

Die Jury würdigte außerdem zwei Einzelprojekte: Der Chemiekonzern Lanxess wurde prämiert für sein „Senior Traineeprogramm“. Das 18-monatige Programm soll Mitarbeitern auch nach vielen Jahren Familienphase die Rückkehr  in den Beruf ermöglichen. Die Teilnehmer werden von einem Mentor betreut und erhalten neben ihren eigentlichen Aufgaben Fortbildungen.

Nachqualifizierung für ausländische Informatiker

Das Projekt ProSALAMANDER der Universitäten Duisburg-Essen und Regensburg wurde ausgezeichnet, weil es zugewanderten Akademikern eine geregelte Nachqualifizierung ermöglicht. Ziel der Initiative: Menschen mit einem Hochschulabschluss etwa in Ingenieurwissenschaften oder Informatik aus dem Ausland werden sprachlich, fachlich und methodisch nachqualifiziert, damit sie auch in Deutschland eine Beschäftigung auf ihrem Qualifikationsniveau finden.

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Dass ein Mehr an Diversity Unternehmen die erhofften Vorteile bringt – etwa den von Bosch-Manager Kübel angesprochenen Schub für Kreativität und Motivation und im zweiten Schritt auch finanziellen Gewinn –, scheinen Studien von Unternehmensberatungen zu belegen. „Vielfalt siegt!“ hat McKinsey eine eigene Untersuchung dazu überschrieben. Die Auswertung der Zahlen von 180 Unternehmen weltweit, darunter den DAX30, zeigt, dass Firmen mit besonders hoher Vielfalt die unruhigen Jahre 2008 bis 2010 besser meisterten als andere. Das Viertel der Unternehmen mit dem höchsten Ausländer- und Frauenanteil im Vorstand beispielsweise erzielte in dieser Zeit eine um 14 Prozent höhere EBIT-Marge als die Unternehmen mit der geringsten Management-Diversity.

Solche klar messbaren positiven Folgen von Diversity sind allerdings umstritten. So war just in der WirtschaftsWoche – wohlgemerkt, Initiatorin des Diversity-Preises – auch schon zu lesen, dass die in mehreren Studien dargestellten Zusammenhänge speziell zwischen Gender Diversity und geschäftlichem Erfolg laut einer Wirtschaftsprofessorin der Universität Konstanz sich nicht generalisieren ließen. Das heißt nicht, dass Firmen nicht von Diversity profitieren. Nur dass sich Vielfalt grundsätzlich in barer Münze auszahlt, scheint nicht gesichert.

Sparpotenzial von 21 Milliarden Euro

Laut einer Roland-Berger-Studie ist die Förderung von Vielfalt kein Randphänomen mehr. Schon 95 Prozent der Unternehmen setzten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im vorigen Sommer Diversity-Programme um. Nach Berechnungen der Berater könne die deutsche Wirtschaft allein durch Diversity-Förderung 21 Milliarden Euro sparen. Dahinter steckt die Überlegung, dass Diversity gut ausgebildete Mitarbeiter zufriedener mache, ans Unternehmen binde und dadurch die Kosten hoher Fluktuation verringere. Die Roland-Berger-Untersuchung zeigt gleichzeitig, dass Unternehmen Vielfalt noch längst nicht umfassend fördern. Für vier von fünf deutschen Firmen geht Diversity nicht über die Förderung von Frauen hinaus. Ältere und ausländische Kollegen würden weit seltener unterstützt.

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