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Saudi-Arabiens Zukunft nach dem Öl braucht Frauen und Technologie

Feature | 23. Februar 2018 von Judith Magyar

Die beste Methode, die Zukunft vorherzusagen besteht darin, sie zu erfinden. Saudi-Arabien wagt hier einen ernsthaften Versuch. Das Königreich ist einer der größten Volkswirtschaften der Welt und dennoch zählt die saudische zu den Gesellschaften, die am wenigsten verstanden werden.

Hüter der heiligsten Stätten des Islam, Herren riesiger Ölvorkommen – Saudi-Arabien ist eine sehr religiöse, konservative Nation. Das Land ist geprägt von einem raschen Wandel – dem Aufstieg von einer verarmten nomadischen Gesellschaft zum Öl-Multi.

Die fürstliche Vision

Die Zeiten ändern sich. Saudische Frauen können sich nun darauf freuen, bald am Steuer eines Autos sitzen zu dürfen und eine noch nie dagewesene Bewegungsfreiheit zu genießen. Bisher mussten sich die Frauen von ihren Ehemännern zur Arbeit fahren lassen. Oder sie mussten einen Großteil ihres Einkommens für einen privaten Fahrer ausgeben.

Diese grundlegende Entscheidung, das Frauen-Fahrverbot aufzuheben, ist jedoch nur ein Schritt auf einem langen Weg. Laut einem von McKinsey veröffentlichten Bericht sind mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Saudi-Arabien Ausländer. 2014 waren nur 41 Prozent der Saudis berufstätig und lediglich 18 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter hatten einen Job.

Mit seinem Reformprogramm Saudi Vision 2030 will das Königreich zu einem führenden Investitionszentrum und zu einem Drehkreuz für drei Kontinente werden. Dazu müssen sechs Millionen zusätzliche Jobs für Männer und Frauen geschaffen und das Bruttoinlandsprodukt verdoppelt werden.

Ein mutiger Plan für Innovationen

Um in der Zeit nach dem Öl wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Saudi-Arabien einen klaren Plan und unbedingten Willen haben und mit Regierung, privater Wirtschaft und Bürgern zusammenarbeiten.

Mit Unterstützung der Unternehmensberatung McKinsey wurde der Bericht Saudi Arabia Beyond Oil erstellt, eine gründliche Untersuchung, wie eine produktivitätsgestützte Transformation gelingen kann. Darin behandelt werden die drei wichtigsten Herausforderungen, vor denen die Nation steht: der Rückgang der Ölpreise und die Veränderungen auf dem Energiemarkt, die starke Abhängigkeit der Gesellschaft von ausländischen Arbeitskräften sowie der hohe Anteil junger, ungelernter Erwachsener und die hohe Arbeitslosenrate.

Dazu sind Investitionen in Höhe von vier Billionen Dollar erforderlich – in eine Wirtschaft losgelöst von Öl, überwiegend finanziert aus privaten Quellen, ausgerichtet auf 8 Schwerpunktbranchen, die Wachstum und Arbeitsplätze schaffen werden: Bergbau- und Metall, Petrochemie, Fertigung, Tourismus, Hotel- und Gastgewerbe, Groß- und Einzelhandel, Gesundheitswesen, Bauwirtschaft und Finanzen.

Veränderungen finden bereits überall statt. Das Nationale Transformationsprogramm umfasst eine Reihe von Regierungsreformen und -initiativen, um die Wirtschaft umzubauen und die Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Das zukünftige Wirtschaftsmodell sieht öffentlich-private Partnerschaften vor. So könnte die Privatisierung der Versorgungswirtschaft zu Einsparungen und mehr Effizienz führen. Aber dazu bedarf es auch einer Aufklärungskampagne, um die Eigenverantwortung der Bürger zu stärken.

Wegweisende Technologien

„Durch den Einsatz neuer Technologien kann Saudi-Arabien seine Wirtschaft ankurbeln, das Potenzial des privaten Sektors nutzen und andere Länder in puncto Investitions- und Produktivitätswachstum überholen“, sagte Ahmed AlFaifi, Geschäftsführer von SAP Saudia Arabia. „In schnellem Tempo digitalisieren saudische Unternehmen aller Größenordnungen ihre Abläufe.“

Herfy, Saudi-Arabiens beliebteste Fast-Food-Kette, hat gleich mehrere SAP-Lösungen eingeführt, um das angestrebte Ziel zu erreichen, in der gesamten Region zu expandieren.

SASREF, eine der größten saudischen Raffinerien, hat sich für SAP entschieden, um die komplette IT-Infrastruktur zu überarbeiten. Zum Einsatz kommt nun die IT-OT-Integrationslösung, die Geschäftsdaten (IT) mit Sensordaten (OT) kombiniert. In einem Artikel der Arabian Computer News, der im Oktober 2017 erschien, erklärte Hussain A. Al-Qahtani, President von SASREF, warum dies ein entscheidender Schritt auf dem Weg ins Zeitalter der Digitalisierung sei. Ein digitaler Kern ermögliche nicht nur bessere Entscheidungsfindung in Echtzeit, sondern werde SASREF auch helfen, richtungsweisende Technologien wie Robotik und unbemannte Luftfahrzeuge einzuführen.  

Frauen, die ein Ziel haben

Die Aufhebung des Auto-Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien wird weitreichende positive Auswirkungen haben. Für eine Fahrerlaubnis muss man eine Fahrschule besuchen – also wird das Land Fahrlehrerinnen benötigen. Sollte ein Unfall passieren, müssen Polizistinnen verfügbar sein. Den Frauen wird dies gänzlich neue Möglichkeiten eröffnen. Eine Gesellschaft kann nicht richtig funktionieren und es kann keine Produktivitätsgewinne geben, wenn die Hälfte der Arbeitnehmerschaft zurückgelassen wird.  Es mag einen gewissen Widerstand geben, aber die saudische Gesellschaft ist jung. Man muss nur seinem gesunden Menschenverstand vertrauen und ein bisschen rechnen.

Noura AlAquil, Mitarbeiterin im Presales-Vertriebsteam der SAP in Saudi-Arabien und Mutter dreier Kinder, sagt, dass die Frauen seit jeher überschattet worden seien. Aber nun müssten die Frauen begreifen, dass sie es sind, die die gläserne Decke durchbrechen müssen. Modernisierung bedeutet nicht, althergebrachte Traditionen und Werte aufzugeben.

Transformation ist ein Prozess, in dem ständig bewertet wird, was zu bewahren und was zu ändern ist. Frauen in ganz Saudi-Arabien erproben ihre unternehmerischen Fähigkeiten und bauen Barrieren ab. Sie nutzen soziale Medien, um Kleidung und Kunstgegenstände zu verkaufen, die sie zuhause selbst angefertigt haben. Still und leise und doch konsequent kämpfen sie gegen die Widerstände am Arbeitsplatz.

„Männer und Frauen müssen gemeinsam aufsteigen“, betont Noura. „Für mich ist es von großem Vorteil für die SAP zu arbeiten – eine riesige Firma, die hinter mir steht. Wenn ein globales Unternehmen wie die SAP Vielfalt und Inklusion fördert, dann ist das eine sehr deutliche Botschaft. Mein Ziel bei SAP ist es, Motor für Veränderungen zu sein!“

Folgen Sie der Autorin bei Twitter: @magyarj.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der SAP Community.

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