Schneller kommunizieren, flexibler agieren

Feature | 8. Dezember 2004 von admin 0

E-Business wird häufig als Voraussetzung für den Einsatz mobiler Technologien betrachtet. Warum?

Die Definition von E-Business als Geschäftsverkehr über Datennetze unter Einbeziehung von internen Anwendungen wie Intra- und Extranets verdeutlicht die Überschneidungen mit dem Thema Mobility. Im Rahmen von Mobile Business werden vornehmlich firmeninterne Anwendungen genutzt, unter Inanspruchnahme von drahtlosen oder drahtgebundenen Datennetzen.

Wie sieht es mit dem Einsatz mobiler Technologien bei mittelständischen Unternehmen aus?

In mittelständischen Firmen finden sich Mobile-Business-Anwendungen derzeit vor allem in Branchen wie dem Dienstleistungsbereich, etwa bei IT-Dienstleistern, sowie im Transportbereich. In Branchen, wo die Affinität zum E-Business vorhanden ist, Mitarbeiter viel unterwegs sind und schnell sowie komfortabel auf Daten und Informationen zugreifen müssen, sind die Unternehmen mobilen Technologien gegenüber aufgeschlossen.

Allerdings muss man ganz klar feststellen, dass der Einsatzgrad mobiler Anwendungen bei SMBs teilweise noch gering ist. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass Mittelständlern der praktische Nutzen des M-Business noch zu wenig vermittelt wurde. Zum anderen ist die Einführung mobiler Technologien im Mittelstand natürlich immer auch eine Kostenfrage.

Wie werden mobile Anwendungen die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen verändern?

Mobile Business kann eine reibungslosere und zügigere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen bewirken, indem zum Beispiel dem Außendienst Daten und Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen. Durch die daraus resultierende Verkürzung sowie die ständige Verfügbarkeit aktuellster Daten verbessert sich die Servicequalität erheblich.

Besonders für Außendienstmitarbeiter ist es wichtig, auf aktuelle Produktkataloge und -daten, Preislisten und Kundenprofile jederzeit zugreifen zu können. Gegenüber der früher üblichen „Zettelwirtschaft“, zum Teil mit Listen, die noch nicht einmal die aktuell gültigen Preise oder Produktdaten enthielten, ist das nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern für den Mittelstand geradezu unabdingbar, um künftig Wettbewerbsvorteile zu gewinnen.

Und wie verändert sich die Zusammenarbeit der Mitarbeiter in den Unternehmen selbst?

Die Nutzung von Mobile Business verbessert und beschleunigt die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens enorm. Schnellere Geschäftsprozesse sind die Folge, denn wichtige E-Mails können von den Mitarbeitern auch unterwegs sofort gelesen und beantwortet werden. Umgekehrt sind die Kollegen in der Zentrale für die mobilen Mitarbeiter erreichbar. Und eine verbesserte Kommunikation senkt natürlich auch die Kosten im Unternehmen.

Last but not least steigern Firmen, die mobile Technologien als Kommunikationsmittel einsetzen, auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Diese greifen, beispielsweise in einem Kundengespräch, bequem auf gerade benötigte Daten zu und werden damit nicht von ihrer Kernaufgabe, in diesem Fall dem Kundengespräch, abgelenkt. Das macht zufrieden, motiviert und – da schließt sich der Kreis – sorgt für effizientere Geschäftsprozesse.

Welche Potenziale bieten mobile Technologien künftig, um Geschäftsprozesse zu verbessern?

Generell werden mobile Technologien zunehmend leistungsfähiger und damit schneller. Das bedeutet insbesondere höhere Bandbreiten, wie bei W-LAN und UMTS. Gerade UMTS hat leider darunter gelitten, dass es zum Hype hochgejubelt anstatt realistisch betrachtet und angegangen wurde. Mit dem Aufkommen von W-LAN-Hotspots kam dann die Diskussion auf, ob W-LAN die UMTS-Technologie verdrängen würde. Meiner Meinung nach werden sich beide Technologien ergänzen, da UMTS Vorteile in der Reichweite hat und andererseits W-LAN eine größere Bandbreite bietet. Besonders im Geschäftsbereich lassen sich die kombinierten Vorteile von UMTS und W-LAN sehr gut nutzen.

Meiner Einschätzung nach werden künftig besonders ständig verfügbare Netzwerke eine große Rolle für das Mobile Business spielen. Das heißt: Der Anwender merkt gar nicht, welche Technologie – UMTS, W-LAN oder GPRS – er gerade nutzt, wenn er eine E-Mail schickt oder auf Daten aus einem Business-Management-System zugreift. Hierzu gibt es bereits erste, vielversprechende Schritte, die dem mobilen Business und damit der Entwicklung mobiler Geschäftsanwendungen sicher noch einen zusätzlichen Schub geben werden.

In welchen Bereichen werden mobile Lösungen in mittelständischen Unternehmen derzeit vorwiegend eingesetzt?

Mittelständische Unternehmen nutzen M-Business überwiegend für Mobile-Office-Funktionen. Dies gilt nach unseren Erhebungen für die Gesamtheit der Unternehmen in Deutschland, die M-Business-Anwendungen einsetzen. Das mobile Büro umfasst vor allem die klassischen Outlook-Anwendungen wie den E-Mail-Verkehr, Kontakt- und Kalenderverwaltung. CRM-Lösungen sowie ERP-Anwendungen folgen derzeit noch mit großem Abstand. Unverkennbar ist jedoch, dass Firmen dort künftig verstärkt investieren wollen.

Nach Unternehmensbereichen differenziert, lässt sich feststellen, dass sich die größte Durchdringung mit Mobile Business in der Managementebene sowie im Vertrieb findet. Letztgenannter ist in der Regel auch der Unternehmensbereich mit dem höchsten Anteil mobiler Mitarbeiter. Hier ist der Zugriff auf aktuelle Kundendaten nicht nur sinnvoll, sondern als wettbewerbsrelevanter Faktor auch notwendig.

Wo sehen Sie speziell im Hinblick auf mittelständische Firmen die Zukunft mobiler Anwendungsszenarien?

Mobile-Office-Anwendungen werden auf absehbare Zeit die wichtigsten mobilen Applikationen bleiben. Wie oben schon erwähnt, gewinnt das Thema mobiles CRM auch in mittelständischen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung wird sich im Rahmen von Mobile Business widerspiegeln. Dazu gehört nicht nur, dass man Stammdaten abrufen kann. Beispielsweise ist es in SAP Business One oder in mySAP CRM auch möglich, auf Kundenprofile, samt einer analytischen Auswertung des Kaufverhaltens, zuzugreifen. Anhand von Daten, wie Zeitpunkt und Art oder Umfang der letzten Bestellung, kann der Außendienst leichter feststellen, ob und welche Produkte er einem Unternehmen wieder anbieten sollte. Das ist nur ein Beispiel für ein mögliches Anwendungsszenario. In jedem Fall wird es künftig darauf ankommen, dem Außendienst den relevanten Wissenspool eines Unternehmens über mobile Anwendungen zugänglich zu machen.

Welchen Mehrwert bieten M-Business-Anwendungen mittelständischen Firmen?

Mobile Business erhöht ganz klar die Flexibilität der Mitarbeiter. Sie sind ortsungebunden und können doch überall über wichtige Daten verfügen. Mit Hilfe des jederzeit möglichen Zugriffs auf E-Mails und Dateien können Unternehmen darüber hinaus unproduktive Arbeitszeit reduzieren. Schlussendlich bedeutet dies verbesserte, weil reibungslosere Gesamtprozesse und eine stärkere Position gegenüber dem Wettbewerb.

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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