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Schöne neue Welt: Industrie 4.0

Feature | 13. Juni 2016 von Judith Magyar 0

SAP und Siemens helfen Unternehmen, durch die Vernetzung von Maschinen und IT-Systemen neue Geschäftsmodelle zu realisieren.

„Mit der Nutzung des Internets der Dinge wollen Unternehmen zwei Ziele verwirklichen“, erläutert Tanja Rückert, Executive Vice President für IoT & Digital Assets bei SAP. „Sie möchten neue Einnahmequellen erschließen oder ihre Effizienz steigern.“

Ein typisches Beispiel für ein Unternehmen, das mit völlig neuen Geschäftsmodellen auf der Grundlage von IoT-Technologie sein Wachstum vorangetrieben hat, ist Kaeser. Anstelle von Kompressoren verkauft das Unternehmen heute Druckluftsysteme mit entsprechenden Servicepaketen. Da auch Fertigungsprozesse immer intelligenter und zunehmend automatisiert werden, ist eine durchgängige Vernetzung von der Vorstandsetage bis in die Fertigungshalle wichtiger denn je.

Informationen und Abläufe verbinden

„Maschinen werden heute zu eigenen ,sozialen Netzwerken‘ ähnlich wie Facebook verknüpft“, erklärt Rückert. „Aus diesen Netzwerken erfassen wir formatierte Daten und machen uns maschinelles Lernen und Analysen von Mustern zunutze, um Prozesse und Geschäftsmodelle zu optimieren. Diese autonomen Systeme ermöglichen intelligente Entscheidungen, sodass mehr Zeit für Innovation bleibt.“

Voraussetzung für ein intelligentes industrielles Internet der Dinge (Industrie 4.0) ist eine enge Verzahnung von Maschinen und Produktionsanlagen mit IT-Systemen. Laut Greg Gorbach, Vice President des Analystenhauses ARC, sind die beiden Bereiche jedoch nur unzureichend miteinander vernetzt. Dies hat zur Folge, dass das damit verbundene Potenzial – die Analyse oder anderweitige Nutzung von Daten – kaum ausgeschöpft werden kann.

Die digitale Fabrik von Siemens

Zu den Wegbereitern von Industrie 4.0 gehört Siemens, einer der größten Industriekonzerne der Welt.

„Beim Internet der Dinge geht es vor allem um Daten“, erklärt Dr. Ralf Wagner, Vice President für die Siemens Digital Factory. „In der Fertigungsindustrie bringt das Auslesen von Daten aus den Produktionsanlagen entscheidende Vorteile mit sich. Die Vernetzung der Maschinen und Anlagen mit den IT-Systemen ist jedoch kein leichtes Unterfangen, da sie unterschiedliche Anforderungen haben und nicht dieselbe Sprache sprechen.“

IT-Mitarbeiter haben sich im Lauf der Jahrzehnte immer wieder neue Kenntnisse angeeignet. Wer jedoch gelernt hat, eine speicherprogrammierbare Steuerung zu programmieren und zu bedienen, kommt auch heute noch weitestgehend mit dem Wissen zurecht, das bereits für die erste Produktgeneration erforderlich war. Für IT-Abteilungen sind die geschäftliche Neuausrichtung und die Einführung neuer Technologien ein ewiger Kreislauf. In der Maschinen- und Anlagentechnik werden IT-Systeme eher als nebensächlich betrachtet, da die Produktion im Vordergrund steht.

„Aufgrund der Komplexität ist für die Vernetzung von Maschinen und Anlagen mit IT-Systemen eine offene Plattform erforderlich“, erklärt Ralf Wagner. „Bei Siemens nutzen wir deshalb MindSphere, unsere offene Cloud-Plattform für Industriekunden. Über die Plattform werden Daten aus der Fertigung erfasst. Wir stellen unseren Kunden und Partnern außerdem eine offene Anwendungsschnittstelle für die Entwicklung eigener MindApps zur Verfügung. So können sie ihre Anlagen und Maschinen sowie ihren Energieverbrauch und ihre Ressourcennutzung schnell optimieren. Die Grundlage hierfür ist die SAP HANA Cloud Platform.“

Wie die SAP kann auch Siemens die damit verbundenen Herausforderungen nicht im Alleingang bewältigen. Seit rund einem Jahr arbeiten die beiden Unternehmen deshalb im Rahmen einer Partnerschaft an der Entwicklung von Lösungen, die Industriekunden den Einstieg in das Internet der Dinge erleichtern sollen. Die Vorteile für die Kunden liegen klar auf der Hand.

Ein Beispiel macht dies deutlich: Ein Fertigungsunternehmen verkauft Maschinen für die Herstellung von Konsumgütern, beispielsweise an ein Abfüllunternehmen. Nach dem Verkauf der Maschine kann der Hersteller nicht mehr darauf zugreifen und hört in der Regel nur dann vom Kunden, wenn es ein Problem gibt. In einem solchen Fall schickt der Hersteller einen Techniker zum Kunden, der sich meist um verschiedene Probleme wie fehlende Ersatzteile oder abgelaufene Gewährleistungsfristen kümmern muss.

„Über unsere Plattformen und Anwendungen können Hersteller ganz einfach vor und nach der Auslieferung auf ihre Maschinen zugreifen. Schließlich kennt niemand die Maschine besser als der Hersteller selbst. Durch die Vernetzung ist er in der Lage, eventuell auftretende Probleme zu beheben und eine vorausschauende Wartung zu unterstützen“, so Ralf Wagner.

Partnerschaften zwischen Vorreitern wie SAP und Siemens und der technische Fortschritt werden die Fertigungsindustrie nachhaltig verändern.

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