Upgrade mit SAP Support Package

Feature | 9. Februar 2012 von Alexandra Osmani 0

Support Packages enthalten Qualitätsverbesserungen für das SAP-System – alle drei bis vier Monate auch gebündelt in einem Support Package Stack. Mit den Support Packages versorgt SAP die Kunden mit Fehlerbereinigungen und gesetzlich vorgeschriebenen Softwareanpassungen, beispielsweise im Personalwesen und in der Finanzbuchhaltung. Die jeweils betroffenen Objekte werden im SAP-System des Kunden ersetzt. Und genau hier liegt die Herausforderung. Gerade große Organisationen, wie Finanzdienstleister, haben in der Regel komplexe, hochindividuell modifizierte SAP-Anwendungslandschaften. Werden SAP-Objekte, die modifiziert sind, mit den Support Packages importiert, müssen diese Objekte beim Einspielen abgeglichen werden. So wird das Überschreiben der Modifikationen verhindert. Erfolgt kein Abgleich und ein Anpassen der Modifikationen an die Erfordernisse der geänderten SAP-Standard-Objekte, kann es im Nachgang zu Programm- und Anwendungsfehlern kommen. Im Vorfeld eines Upgrades ist daher genau zu prüfen, welche Eigenentwicklungen und Modifikationen von den jeweiligen Support Packages betroffen sind.

Herausforderung des Support Package Upgrades bei der SEB AG

Bei der SEB AG, der deutschen Tochtergesellschaft des nordeuropäischen Finanzkonzerns, betreuen rund 1.200 Mitarbeiter Firmen-, Immobilien- und institutionelle Kunden in ganz Deutschland. Dabei laufen die Geschäftsprozesse unter anderem über SAP ERP 6.0 mit Financial Services. Geplant war der Einsatz der Komponente FS-CMS (Collateral Management System) zur Verwaltung finanzieller Absicherungen, die für den produktiven Einsatz einen aktuellen Support-Package-Stand voraussetzt. Darüber hinaus war ein neuer Softwarestand nötig, um gesetzliche Vorgaben wie SEPA und zahlreiche Fehlerkorrekturen zu berücksichtigen. Ziel war daher das Upgrade mit dem Support Package Stack 16. Zum Zeitpunkt des Upgrades war in den Anwendungskomponenten das Support Package 05 vorhanden. Als besondere Herausforderung hatte die SEB zusätzlich die hypothekenbankspezifische Entwicklung MARK installiert, die das SAP-Banking erweitert, aber auch zahlreiche Anpassungen direkt im SAP-Standard enthält.

 Test bringt 1.650 abzugleichende Modifikationen

Da letztlich in fast allen relevanten Geschäftsvorfällen Modifikationen zu erwarten waren, kam es zu einem vollständigen Test aller Geschäftsvorfälle, um die betroffenen, modifizierten SAP-Objekte sicher zu identifizieren. Der Testlauf für das Einspielen der Support Packages brachte rund 1.400 abzugleichende Modifikationen im Programmbereich sowie 250 Modifikationen am Datenmodell (DDIC, Data Dictionary) zu Tage. Beim Abgleich war somit mit einem hohen Zeitaufwand zu rechnen. Das Know-how für die schnelle und effiziente Umsetzung sowie für das Zurücksetzen nicht mehr benötigter Modifikationen auf SAP-Standard stellte die innobis AG, SAP- und IT-Dienstleister aus Hamburg, zur Verfügung.

Hartmut Haar, Director und Head of SAP Support der SEB AG, erklärt: „Wir sind stark auf das SAP-Banking ausgerichtet. Unsere SAP-Anwendungslandschaft ist sehr komplex und weicht vielfach vom Standard ab. Das Einspielen der Support Packages war daher stets mit großem Anpassungsaufwand beziehungsweise Bearbeitungsaufwand an den modifizierten SAP-Objekten verbunden. Diesen versuchen wir jetzt gezielt durch den Rückbau von Modifikationen zu reduzieren. Im Rahmen des letzten Support Package Upgrade konnten wir zwei Drittel aller Modifikationen auf den SAP-Standard zurücksetzen. Dies war natürlich mit zusätzlichen Ressourcen verbunden, was sich für uns auf lange Sicht aber finanziell und wartungstechnisch auszahlen wird.“

Rückbau von rund 1.000 Modifikationen

Da bei der SEB die genutzten Komponenten bekannt waren, konnten viele Änderungen aus nicht verwendeten Anwendungen direkt zurückgesetzt werden. Änderungen an genutzten Komponenten ließen sich nur dann zurückbauen, wenn über den Quellcode klar ersichtlich war, dass sie für die SEB irrelevant waren. Wichtig war es, die Anwendungsfunktionalität in jedem Fall zu erhalten. Insgesamt wurden rund 1.000 Modifikationen auf den Standard zurückgebracht.

„Der Modifikationsrückbau setzt genaue Kenntnisse der Standardfunktionalitäten in den betroffenen SAP-Komponenten voraus. Dieses fachspezifische Know-how hat uns innobis rund um das Support Package Upgrade geliefert. Wir haben bereits im Rahmen mehrerer Projekte zusammen gearbeitet und können bei unserem Partner auf eine langjährig gewachsene Wissensbasis im Umfeld der SAP-Beratung, -Entwicklung und -Wartung zurückgreifen. Dank des effizienten Rückbaus dieser Vielzahl an Modifikationen rechnen wir zukünftig mit bis zu 20 Prozent weniger Aufwand für kommende Upgrades.“, ergänzt Haar.

Zu beachten war, dass beim Zurücksetzen möglicherweise auch weitere Stellen im Quellcode betroffen sein konnten, die das aktuell eingespielte Support Packages nicht neu enthielt. „Generell hilft hier eine fachliche Korrekturverwaltung, beispielsweise in Form einer Dokumentation, die darstellt, welche technischen Modifikationen fachlich zusammen gehören. Insgesamt erleichtert die vorbeugende Verwaltung der Modifikationen aus prozessualer Sicht sowohl das Managen der bestehenden Modifikationen als auch den Rückbau einzelner Modifikationsblöcke“, erklärt Gerald Peuser, Manager Development & Integration Services bei innobis.

Neben dem Rückbau besteht auch die Möglichkeit, Modifikationen durch kundenspezifische Erweiterungen (BAdIs, BTE, User-Exit oder Enhancements) zu ersetzen und damit in modifikationsfreien Quellcode zu verlagern. So bleiben die Änderungen erhalten, müssen zukünftig aber nicht mehr abgeglichen werden. Dies wäre eine weitere mögliche Variante, die zukünftig bei der SEB zum Einsatz kommen könnte.

Das Support Package Upgrade kann sich aufwändig gestalten. Doch den Status-Quo beizubehalten, mag zwar im Einzelfall die kostengünstigste Variante sein, jedoch weniger innovativ und zukunftsweisend. Die Chancen liegen darin, Modifikationen schnell und effizient zu übernehmen oder auf Wunsch zurück zu bauen bzw. in modifikationsfreie Erweiterungen zu bringen. Das reduziert den zukünftigen Aufwand beim Einspielen der Support Packages und optimiert gleichzeitig die SAP-Anwendungslandschaft. Letztlich bedeutet das Support Package Upgrade, die IT-Infrastruktur dahingehend zu verändern, dass sie langfristig effizienter zu handhaben ist – und immer auf dem neuesten Stand.

 

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