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“Sei Du selbst. So gewinnt jeder.”

Feature | 18. Februar 2016 von Paul Baur 0

Diversität zu predigen ist eine Sache; sie zu leben eine andere. Die IT-Expertin Moya Watson versucht Technologieunternehmen die Vorzüge von Vielfalt und Authentizität im Dienste der Innovation aufzuzeigen.

Das Leben der meisten Menschen folgt den geordneten Bahnen, die andere vorgezeichnet haben. Doch offenbar beschloss Moya Watson an irgendeinem Punkt in ihrem Leben, diese zu verlassen und stattdessen zur Vorreiterin zu werden. Ihre Vorliebe für Kommunikation und Technologie nutzt sie dabei, um ihren Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Die aus San Francisco stammende Watson hat schon häufiger beruflich und privat Neuland betreten. Als Produktmanagerin im Bereich Innovation bei SAP leitete sie beispielsweise ein Team, das eine interne Videoplattform konzipierte und umsetzte. Deren Nachfolger gilt heute intern als einer der beliebtesten Plattformen für das Teilen von Medien.

Als SAP-Mentorin bemüht sich Watson zudem immer wieder um die Verständigung zwischen SAP und den IT-Experten auf Kundenseite beziehungsweise Partnern und Beratern. Dieser direkte Bezug zur Basis ist für die Produktakzeptanz von unschätzbarem Wert. Zurzeit ist Watson im Management-Team der „SAP HANA Cloud Platform“ tätig, wo sie sich für die Verbreitung der neuen Plattform für die Entwicklung und Erweiterung von Firmenanwendungen in der Cloud verantwortlich zeichnet. Software-Entwickler weltweit können diese Plattform zur Schaffung innovativer Services und Anwendungen nutzen, die überall und jederzeit verfügbar sind.

“Wir arbeiten am effektivsten, wenn wir wir selbst sein dürfen.”

Watson fungiert aber auch Unternehmenssprecherin für das Thema Diversität. Als bekennende Lesbe und Leiterin der LGBT-Gemeinschaft („lesbian, gay, bisexual, and transgender“) innerhalb des Unternehmens und für die Umgebung von San Francisco weiß sie dabei, wovon sie spricht und wirkt daher glaubwürdig. “Die Diversität von Menschen aus über 140 Nationen stellt eine der größten Herausforderung dar, ist aber auch das größte Privileg meiner Arbeit bei SAP“, meint Watson. „Vielfalt schafft die beste Technologie, und Technologie ist wiederum ein Schlüssel zur Vielfalt“, betont sie und fügt hinzu: „Wir arbeiten am effektivsten, wenn wir wir selbst sein dürfen.“ Daher lautet ihr Motto auch: „Sei Du selbst. So gewinnt jeder.“

Watson hat mehrere Führungsrollen innerhalb der LGBT-Gemeinschaft inne. Bei SAP ist sie stellvertretende Leiterin der “Pride@SAP North America”, der nordamerikanischen LGBT-Ressourcengruppe. 2008 hat sie sogar kurzzeitig die Firma verlassen, um für das Recht auf Eheschließung für Schwule und Lesben in Kalifornien zu kämpfen. Pride@SAP hat sich darüber hinaus mit LGBT-Interessengemeinschaften anderer Technologieunternehmen im Silicon Valley zusammengetan, um Öffentlichkeit zu schaffen und Geld für Infokampagnen und örtliche Projekte zu sammeln.

Obwohl SAP Watsons offenes Bekenntnis zu ihrer Sexualität immer unterstützt hat, ist sie sich durchaus der Tatsache bewusst, dass nicht jeder in derselben glücklichen Lage ist. Wenn sie neue Bekanntschaften schließt, macht sie sich nach wie vor Gedanken darüber, welche Konsequenzen zu viel Offenheit haben könnte. „Es ist ein ständiges Abwägen, wem gegenüber ich in welcher Situation offen sein darf und erzählen kann, dass ich eine Lesbe mit Ehefrau und Kind bin.“ Aber es gibt bereits erste Fortschritte. 2015 nahmen mehr als 300 SAP-Angestellte und Unterstützer an der „LGBT Pride Parade“ in San Francisco teil. SAP-Vorstandsmitglieder sprechen sich für Diversität als Motor für Innovation aus. Jenny Dearborn, SAPs Chief Learning Officer, ist Sponsorin der LGBT-Gemeinschaft in Nordamerika. Und im Februar wird SAP ein Hauptsponsor der „Lesbians Who Tech“-Konferenz 2016 sein.

Einer der Augenblicke bei SAP, an die Watson besonders gerne zurückdenkt, war die Produktion des firmeninternen Videos „It Gets Better Project“, das sie 2012 leitete. Darin riefen über 40 Mitarbeiter junge Menschen dazu auf, umgehend Hilfe zu suchen, wenn sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität Opfer von Mobbing würden. Wenn die Dinge sich bei SAP oder anderen Technologieunternehmen um San Francisco herum zum besseren gewandt haben, dann liegt das sicher an Watson und anderen Menschen wir ihr, die den Mut haben, ausgetretene Pfade zu verlassen.

Weitere Informationen:
It Gets Better: SAP Employees
Lesbians Who Tech Summit

Video: Natalie Hauck and Alex Januschke, SAP Development University

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