SEPA: “Ein Chaos hätte ich nicht erwartet”

Feature | 14. Januar 2014 von Elisabeth Peternek 0

Foto: Shutterstock

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Seit knapp zwei Jahren ist der 1. Februar 2014 als Stichtag für die SEPA-Umstellung bekannt, dennoch läuft diese langsam ab. Gerade einmal sieben Prozent hatten sich bis zum Mai letzten Jahres die für den Start eines Projektes nötige Kreditoren-ID bei der Bundesbank geholt – 14 Monate nach Bekanntgabe des Stichtags. Besonders in Deutschland gibt es Nachholungsbedarf. Durch die Verlängerung sollen Unterbrechungen im Zahlungsverkehr verhindert werden, so EU-Kommissar Michel Barnier am vergangenen Donnerstag in Brüssel. Die Umstellung sei bisher nicht weit genug fortgeschritten, um einen „reibungslosen Übergang“ zu gewährleisten, heißt es in der Mitteilung der EU-Kommission. Es drohen Risiken wie Zahlungsstillstand und Insolvenz. Insbesondere Verbraucher und mittelständische Unternehmen sollen dadurch geschützt werden.

Georg Fischer, SEPA-Experte und  Vice President Product Management für Strategic Customer Engagement kam die Verlängerung der Übergangsfrist überraschend. “Wir haben aus unserem Kundenkreis keine Indikationen für größere Probleme festmachen können. Sicherlich wäre der Go-Live am 1. Februar in den 33 SEPA-Ländern nicht völlig reibungslos verlaufen, aber ein Chaos hätte ich nicht erwartet. Die kurzfristig von der EU-Kommision vorgeschlagene Verlängerung muss ja nun erst noch von europäischen und lokalen Gremien bestätigt werden. Notenbanken und Kreditwirtschaft haben schon Widerstand angekündigt, dadurch entstehen neue Unsicherheiten für die Unternehmen. Es bleibt abzuwarten, ob so kurzfristig überhaupt noch Klarheit über die Verschiebung und deren Dauer erreicht werden kann.”

“Notenbanken und Kreditwirtschaft haben Widerstand angekündigt”

Das Ziel der „Single Euro Payment Area“, eines einheitlichen Zahlungsraums in Euro, ist es, grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu vereinfachen. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen werden standardisiert und durch internationale Nummern, die IBAN, ersetzt. Verbraucher können allerdings noch bis 2016 ihre herkömmlichen Kontonummern und Bankleitzahlen verwenden.

Der SEPA-Raum besteht aus den 28 EU-Staaten sowie Island, Lichtenstein, Norwegen, der Schweiz und Monaco. Deutschland liegt im internationalen Vergleich bei der Umstellung weit zurück. Unternehmen dürfen jedoch mit der Umstellung auf SEPA nicht bummeln, sondern müssen ihre Maßnahmen noch verstärken. Laut der Nachrichtenagentur Reuters versuchen die europäischen Notenbanken eine Verlängerung zu verhindern, um Druck auf  Unternehmen und Vereine auszuüben, ihre Zahlungssysteme schnellstmöglich umzustellen. Eine Entscheidung der EU-Finanzminister und des Europaparlaments zum Vorschlag der EU-Kommission steht noch aus.

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