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Die Suche nach Sinn im digitalen Zeitalter

Blog | 29. August 2017 von Ann Weiss 0

Es gibt wahrscheinlich keine Frage, die in der Kunst, Philosophie und Religion mehr Beachtung gefunden hat als die Frage nach dem Sinn des Lebens. Seit Jahrhunderten machen sich Gelehrte und Wissenschaftlicher über unseren „Daseinszweck“ Gedanken. Laut Barbara Langes, Forscherin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF München), hat diese Frage nach dem Sinn nun auch die großen Unternehmen im Silicon Valley erreicht.

Langes hat vor Kurzem zusammen mit anderen Unternehmenslenkern und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und öffentlichem Sektor am zweiten SAP Research Round Table im SAP AppHaus in Berlin teilgenommen. Laut Langes, die eine Feldstudie unternahm, die sie ins Herz des Silicon Valley führte, „befassen sich IT-Unternehmen nun ernsthaft mit dem Sinn ihrer Tätigkeit – ihrer Daseinsberechtigung. Noch bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren schienen sie es für selbstverständlich zu halten, dass sie eine Führungsrolle einnehmen, wenn es darum geht, die Bedingungen auf der Welt zu verbessern. Diese neue Nachdenklichkeit bedeutet, dass sie – über technische Lösungen und den Gewinn hinaus – Verantwortung für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft übernehmen. Das Silicon Valley ist erwachsen geworden.“

Die Frage nach dem Sinn hat nun auch die großen Unternehmen im Silicon Valley erreicht.

Der SAP Research Round Table wurde vom SAP Innovation Center Network ins Leben gerufen, um verschiedene Sichtweisen zusammenzubringen und Fragen nachzugehen wie: Wie definieren wir „Sinn“ im Unternehmen? Wie stellen wir sicher, dass dieser Sinn im gesamten Unternehmen gelebt wird? Wie können wir seine Umsetzung messen? Wie können Softwarelösungen zur Umsetzung beitragen? Und wie gestalten wir die Arbeit in Zukunft so, dass das Unternehmen von seinem Sinn geleitet wird? Mit diesen und weiteren Fragen befassten sich die Teilnehmer in einem sogenannten „World Café“. Ziel der Diskussion war es, auf dem ersten Roundtable aufzubauen, neue Ideen zu entwickeln und einen konkreten Aktionsplan zu erstellen.

Nur den Umsatz steigern reicht nicht mehr

Aber weshalb ist Sinn so wichtig? Reicht es nicht, den Umsatz zu steigern? Nach einer kürzlich von Ernst & Young veröffentlichten Studie können Unternehmen langfristig mehr Wert für Aktionäre und die Gesellschaft schaffen, wenn sie mit ihrer Arbeit einen Sinn verfolgen – anstatt nur finanzielle Ziele oder ein eng definiertes Selbstinteresse. Um dieses abstrakte Thema konkreter zu fassen, schlüsseln Unternehmen es in konkrete Maßnahmenkataloge auf. Aber wie setzt man ein Sinn-Statement idealerweise um? Und wer muss den Sinn eines Unternehmens festlegen? Bei der Podiumsdiskussion war man sich einig, dass diese Aufgabe nicht allein der CSR- oder der Marketing-Abteilung überlassen werden sollte. Die Sinn-Definition muss aus einem Dialog heraus entstehen, an dem alle Teile des Unternehmens und seine Stakeholder beteiligt sind: Mitarbeiter, Führungskräfte, Partner, externe Stakeholder und besonders diejenigen, die das Ergebnis dahingehend beurteilen, ob es „realistisch“ und aussagekräftig ist.

Warum aussagekräftig? „Unternehmen, die sinnorientiert handeln, stellen den Mensch in den Mittelpunkt ihres Tuns“, erklärt Norbert Koppenhagen vom Future-of-Work-Team im SAP Innovation Center Network. „Solche Unternehmen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: Für sie schaffen Mitarbeiter Mehrwert – und sind keine Kostenfaktoren, sie setzen auf Partnerschaften mit Vorteilen für beide Seiten statt auf Ausbeutung, und sie schaffen Transparenz.“ Die Sinnbestimmung sorgt für Klarheit in der Strategie, gibt Orientierung bei Innovationen und befriedigt ein universelles Grundbedürfnis der menschlichen Natur, so die Studie von Ernst & Young.

Die Umsetzung des Sinnziels messen – aber wie?

Besonders kontrovers wurde auf der Veranstaltung diskutiert, wie man messen soll, wie gut ein Unternehmen sein Sinnziel umsetzt. Ideen wie beispielsweise die Einführung einer speziell hierfür entwickelten Balanced Scorecard, die sich an den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung orientiert, waren nur einige der besprochenen Vorschläge. Eine solche Scorecard würde Faktoren bewerten wie die Auswirkungen eines Unternehmens auf die Umwelt, die Zusammensetzung der Aktionärsstruktur, lang- und kurzfristige Partnerbeziehungen, Co-Innovationsprojekte, die Unternehmenskultur, Weiterbildungsindizes der Mitarbeiter und Berichterstattung in den Medien. Einige Teilnehmer schlugen sogar vor, künftig standardisierte Indizes für dieses Thema einzuführen, ähnlich der bereits bestehenden Nachhaltigkeitsindizes. „Ich gehe davon aus, dass sich Unternehmen entschließen werden, gesellschaftliche und ökologische Kriterien in Geschäftsberichten stärker offenzulegen. Wenn beispielsweise ein Unternehmen Leben mit einem Chemieunfall gefährdet, muss dies ins Verhältnis zu den finanziellen Gesamtgewinnen gesetzt werden“, erklärt Christian Hiss. Er ist Vorstandsvorsitzender der Regionalwert AG, die Investoren mit dem Ziel zusammenbringt, eine nachhaltige Regionalökonomie durch die Verbindung wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Überlegungen zu schaffen. „Die Einbindung gesellschaftlicher und ökologischer Kriterien in unsere Jahresberichterstattung haben wir bei Regionalwert bereits umgesetzt. Damit wollen wir den Aktionären aufzeigen, wie sich Finanzentscheidungen auf sozioökologische Aspekte des Geschäfts auswirken, und demonstrieren, dass nachhaltiges Investieren möglich ist. Und genau das wollen immer mehr Aktionäre!“, bekräftigt Hiss.

Was man nicht messen kann, kann man nicht steuern

Hier setzen Softwarelösungen an. Sie können Unternehmen bei mindestens fünf Aspekten unterstützen, beispielsweise das Mitarbeiterengagement zu verbessern. Statt wie bisher einmal im Jahr eine Umfrage durchzuführen, wird diese durch häufige, flexible Befragungen ersetzt. Die Echtzeit-Ergebnisse der Umfragen zeigen, wie sich die Maßnahmen des Unternehmens auf das Mitarbeiterengagement auswirken. Führt etwa die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, zu einem höheren Mitarbeiterengagement? Software kann uns Antworten auf solche Fragen liefern. Die geplante SAP-Anwendung People Insights tut dies bereits. „Wenn man es als Unternehmen mit Sinnbestimmung ernst meint, muss man die Sinndefinition bei der Produktentwicklung und beim Portfoliomanagement berücksichtigen. Für viele Verbraucher und Unternehmen kann die Kaufentscheidung davon abhängen, ob ein Unternehmen nicht nur Finanzkennzahlen wie beispielsweise die Sollkosten, sondern auch ökologische und gesellschaftliche Kennzahlen überwacht“, betont Jochen Mayerle, SAP Program Lead für Future of Work. 2014 sorgte CVS Health mit ihrer Ankündigung für Aufregung, als erste US-Apothekenkette künftig keine Tabakprodukte mehr zu verkaufen, da dies ihrem Ziel widersprach, Menschen zu einer besseren Gesundheit zu verhelfen. Bei der Podiumsdiskussion war man sich außerdem einig, dass es für Unternehmen in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, Lieferanten danach auszuwählen, ob sie die gleichen Werte haben, und die Einhaltung dieser Werte zu überwachen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, die Auswirkungen auf das Kundenerlebnis und das Ansehen der Marke zu quantifizieren. Wird das Unternehmen von den Verbrauchern so wahrgenommen, dass es seine Sinnbestimmung umsetzt? „Man muss messen und nachweisen, dass man als Unternehmen seine Sinndefinition auch lebt und umsetzt. Hier zu tricksen ist im Zeitalter der sozialen Medien keine Option”, erklärt Mayerle. Eine der wichtigsten Aufgaben von Unternehmenssoftware ist es schließlich, Führungskräfte in die Lage zu versetzen, Entscheidungen unter Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen zu treffen. Da an 76 Prozent der weltweiten Geschäftstransaktionen SAP-Systeme beteiligt sind, ist die SAP zweifelsohne prädestiniert, hier eine Führungsrolle einzunehmen.

Nun zurück zu der jahrhundertealten Frage „Warum sind wir hier?“. Hierauf hat die SAP ihre Antwort und ihren Sinn gefunden: die Abläufe der weltweiten Wirtschaft und das Leben von Menschen zu verbessern.

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