SMBs blicken optimistisch in die Zukunft

Feature | 26. Mai 2004 von admin 0

„In Deutschland sind – wie in fast allen Industrieländern – mehr als 99 Prozent aller Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen. Sie produzieren knapp die Hälfte der Bruttowertschöpfung des Unternehmenssektors“, konstatiert der Mitte Februar 2004 von der KfW Bankengruppe gemeinsam mit den Forschungsinstituten IfM Bonn (Institut für Mittelstandsforschung), RWI (Rheinisch Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) und ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) sowie dem Informationsdienstleister Creditreform herausgegebene „Mittelstandsmonitor 2004“. Stolze Zahlen, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass der deutsche Mittelstand in den letzten Jahren ein Tal der Tränen durchschritten hat. Noch der Mittelstandsmonitor für 2003 konstatierte in tiefem Moll, dass die „Stimmungslage um den Jahreswechsel und der Ausblick auf 2003 von einem hohen Grad an Verunsicherung geprägt sind“. Der aktuelle Bericht mit dem programmatischen Titel „Chancen zum Aufschwung nutzen“ sieht inzwischen – um die etwas abgegriffene Metapher zu verwenden – Licht am Ende des Tunnels.

„Druck von unten“

Die Begriffe „Mittelstand“ sowie „SMB“ suggerieren dabei eine monolithische Geschlossenheit, obwohl bisher keine allgemein gültige oder gar verbindliche Definition existiert. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) etwa zählt Firmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro und zwischen einem und 499 Beschäftigten zum Mittelstand. Ähnliche Größenordnungen definieren US-Marktforscher wie eMarketer oder IDC für den US-Markt. Laut einer aktuellen EU-Definition sind dagegen Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Umsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von 43 Millionen Euro mittlere Betriebe. Neben den rein quantitativen Aspekten seien auch qualitative Definitionsmerkmale wie die Personalunion von Geschäftsführer (= unternehmerische Verantwortung) und Inhaber (= Eigentum) ein wichtiges Merkmal für die Bestimmung eines mittelständischen Unternehmens. Es handelt sich somit um eine heterogene Unternehmenslandschaft, die vom Einzelunternehmer bis hin zu Betrieben mit stattlichen Umsätzen reicht.
Doch diese Vielfalt belebt den Markt, denn „marktbeherrschende Positionen bedeuten in der Regel höhere Preise und weniger Innovationen. Es fehlt der durch konkurrierende Unternehmen erzeugte Wettbewerbsdruck, Preise und Kosten zu senken beziehungsweise die Qualität der Leistung zu erhöhen. SMBs und Existenzgründer erzeugen hingegen Wettbewerbsdruck ‚von unten‘ und produktive Unruhe. Beides ist für Marktwirtschaften essenziell“, beschreibt der aktuelle Mittelstandsmonitor die Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen für das Wirtschaftsleben und analysiert die wirtschaftliche Lage deutscher SMBs.

Mehr Umsatz, mehr Beschäftigung

In vier Kapiteln untersucht der Bericht neben der allgemeinen konjunkturellen Lage Unternehmensneugründungen, die Zahl der im Mittelstand neu entstandenen Arbeitsplätze sowie den Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Im Vergleich zu 2002 sind wieder erste Ansätze sich stabilisierender Umsätze erkennbar. Unter den Ende 2003 befragten Unternehmen gaben 24,9 Prozent an, dass sie ihre Erträge in den vergangenen sechs Monaten steigern konnten (Vorjahresvergleich: 17 Prozent).
Gesunkene Umsätze meldeten im Dezember 2003 noch 33,7 Prozent (Dezember 2002: 47,3 Prozent). Trotzdem sei der Überhang von Unternehmen mit rückläufigen Erträgen unbefriedigend, heißt es in dem Papier. Die Ende 2003 eingeleitete Stabilisierung ist in jedem Fall „ein Hoffnungssignal, denn besser war die Ertragslage per saldo noch nie seit dem Beginn der Erhebung der Ertragssituation (durch Creditreform) im Jahr 1999.“ In den vergangenen Jahren ist auch die Bedeutung kleiner und mittlerer Betriebe als Arbeitgeber gewachsen. Sie spielen eine wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und „vieles spricht dafür, dass SMBs auch in den nächsten Jahren einen hohen Beschäftigungsbeitrag leisten.“ Inzwischen schaffen vor allem Neugründungen und Kleinbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigten neue Arbeitsplätze.

SMBs investieren wieder

Weiterer Indikator für einen sich abzeichnenden Aufschwung ist, dass 31 Prozent (Vorjahresvergleich: 25 Prozent) der befragten Mittelständler wieder mehr in den Ausbau ihres Betriebes investieren wollen. Die beteiligten Institute gehen davon aus, dass sich die Mittelstandskonjunktur 2004 im Schlepptau der Gesamtwirtschaft weiter aufhellen wird – „allerdings nur langsam und vorerst ohne nennenswerte Beschäftigungsimpulse und mit lediglich maßvollen Zuwächsen bei den Investitionen.“
Dies bestätigt eine Ende 2003 veröffentlichte Untersuchung des Marktforschungsunternehmens IDC, welche das IT-Investitionsverhalten der deutschen Klein- und Mittelbetriebe analysierte. Wachsende Budgets machte IDC bei größeren mittelständischen Betrieben mit 100 bis 499 Mitarbeitern aus. „Betrachtet man das durchschnittliche Wachstum bis 2007 in den einzelnen Branchen und Mitarbeitergrößenklassen, so kann man feststellen, dass SMBs von den IT-Anbietern seit rund fünf Jahren zu Recht als Wachstumsmarkt anvisiert werden“, kommentiert Wafa Moussavi-Amin, Country Manager bei IDC in Frankfurt.
Zum Vergleich: Der eMarketer-Report „Trends in SMB IT and E-Business Spending“ vom Januar 2004 prognostiziert den SMBs in den USA für die nächsten Jahre eine Wachstumsphase. Die Zahlen fallen sogar noch besser aus als für den europäischen Markt. Die IT-Ausgaben jedes einzelnen Unternehmens sind zwar überschaubar, doch macht gerade die Masse der kleinen und mittleren Firmen den Markt milliardenschwer, heißt es in dem Bericht. Ein weiterer Anreiz für US-SMBs, mehr Geld für ihre IT auszugeben, sind die inzwischen deutlich verbesserten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten auf neue Investitionen. Sie stiegen von 25.000 US-Dollar vor dem Jahr 2003 auf jetzt 100.000 US-Dollar.

SMBs in Zeiten technologischen Wandels

Wichtiger Faktor für die positive Entwicklung von SMBs in den letzten Jahren war der Technologie-getriebene Strukturwandel zur wissensbasierten Gesellschaft. Dazu haben die Firmen selbst aktiv beigetragen, zumal in Hochschulen und Forschungseinrichtungen grundsätzlich eine „relativ große Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Mittelstand anzutreffen ist“, wie der Mittelstandsmonitor feststellt. Für Forscher ist die Zusammenarbeit mit SMBs deshalb attraktiv, weil interessante Forschungsvorhaben in vergleichsweise kurzer Zeit durchgeführt werden können. Beide Seiten betrachten die Kooperationen als „reibungslos und erfolgreich“, so der Konjunkturbericht. Hier lägen zudem noch ungenutzte Potenziale für Innovationen und Wachstum brach, denn bisher nehmen noch vergleichsweise wenige kleine und mittlere Unternehmen am Wissenstransfer teil. Auch wurde „ihre Rolle im Innovationsprozess in der Vergangenheit häufig unterschätzt. In letzter Zeit setzt sich dagegen die Erkenntnis durch, dass gerade SMBs die technologische Entwicklung durch eigene Innovationen maßgeblich mitprägen“, erklärt Dr. Volker Zimmermann von der volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW Bankengruppe.
Mehr Innovationsaktivitäten des Mittelstands sind laut Dr. Volker Zimmermann nur zu erwarten, „wenn die insbesondere kleine Unternehmen betreffenden Innovationshemmnisse, wie unzureichende Möglichkeiten der Fremdfinanzierung, fehlendes Eigenkapital sowie ein Mangel an Möglichkeiten, externes Wissen aufzunehmen, abgebaut werden.“ Inzwischen setzen hier verschiedene, vor allem staatlich geförderte Mittelstandsinitiativen an. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt beispielsweise entsprechende Kooperationsprojekte mit dem Ziel, Mittelstand und Forschung enger zu verknüpfen.
Mittelständische Unternehmen sind auch für viele Softwareanbieter noch eine völlig neue Zielgruppe. „Wenn ich mit dem Unternehmer selbst oder dem Chef eines mittelständischen Unternehmens spreche, muss ich in der Lage sein, ihm in einer Stunde sowohl die Funktion meiner Lösung zu erläutern als ihm auch klar zu machen, was es finanziell für ihn bedeutet und wo seine Vorteile liegen“, sagt Robert Willebrand vom Beratungshaus Willebrand & Partner. Einig sind sich Experten wie Willebrand, dass SMBs sich an einen verlässlichen und etablierten Partner wenden sollen. Unternehmen wie SAP bieten mittelständischen Firmen daher mit mySAP-All-in-One-Branchenlösungen und SAP Business One für den kleinen Mittelstand ein umfassendes Lösungsportfolio an. Zudem sorgt ein Netzwerk von regionalen Business-Partnern, die mit der Situation von SMBs „vor Ort“ vertraut sind, weltweit für optimale Beratung und Betreuung.

Masterplan für SMBs

Neben dem allgemeinen „Masterplan Informationsgesellschaft 2006“ der Bundesregierung vom Dezember 2003, der alle Förderprogramme und Initiativen für Internet, Telekommunikation, elektronische Medien und Computer bündeln soll, gibt es inzwischen einen High-Tech-Masterplan „Innovationen und Zukunftstechnologien im Mittelstand“. Auch die US-Regierung verfolgt mit der US Small Business Administration (SBA) ähnliche Ziele, um die heimischen SMBs zu fördern, ebenso Großbritannien mit dem Small Business Service (SBS), der dem Handels- und Industrieministerium angegliedert ist.
Der Branchenverband BITKOM begrüßt diese Initiativen ausdrücklich, denn die Informations- und Telekommunikationstechnik zählt in Deutschland zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen, heißt es in einer Erklärung des Verbandes. Dessen gesamtwirtschaftliche Bedeutung geht aber weit über die Branche hinaus, denn allein in Deutschland hängen über 50 Prozent der Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte vom Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechniken ab. Laut BITKOM-Präsident Willi Berchtold ist durch die eingeleiteten Initiativen das Thema Innovationen jetzt „dort angekommen, wo es hingehört: im Zentrum des politischen Diskurses.“

Weitere Informationen:

Der komplette Mittelstandsmonitor 2004 kann auf der Website der KfW-Bankengruppe www.kfw.de kostenlos heruntergeladen werden.
Weitere Links zum Thema:
www.bitkom.org,
http://europa.eu.int/comm/enterprise/enterprise_policy/sme_definition/index_de.htm (EU-Mittelstandsdefinition),
www.bundeswirtschaftsministerium.de/Navigation/Technologie-und-Energie/technologiepolitik.html (mit zahlreichen Informationen zum Thema; ergänzend hierzu
www.bundeswirtschaftsministerium.de/Navigation/Unternehmer/e-business.html mit speziellen Informationen zu E-Business und SMBs),
www.iuk.fhg.de (= Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik),
www.sba.gov (= US Small Business Administration),
www.sbs.gov.uk (= UK Small Business Service).
SAP: www.sap.com, http://sap.info

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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