SMP im Sog von SAP Fiori

Feature | 25. November 2013 von Andreas Schmitz 0

Foto: Shutterstock

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SAP-NetWeaver-Fan Michael Wessendorf, Sprecher des Arbeitskreises Mobile Business Community der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V., ist nicht ganz unglücklich: Zwar haben die Technologien der Mobile-Zukäufe Sybase und Syclo in der Konsolidierung der Mobile-Technologien auf den ersten Blick das Rennen gemacht, doch kommt auch dem altbekannten Entwicklungswerkzeug SAP NetWeaver eine wichtige Rolle zu. Technisch hat SAP die Unwired Platform von Sybase sowie die Agentry-Plattform von Syclo auf einen Server gehievt und den neuen Ansatz als SAP Mobile Plattform vorgestellt. Doch nun kommt dem SAP NetWeaver Gateway als „Konsolidierungsschicht“ die Schlüsselrolle zu, die geschäftlichen Daten aus dem SAP-Backend zu ziehen und dort zu aktualisieren – Kundeninformationen, Aufträge, Mitarbeiterinformationen. „Die SAP NetWeaver Data Orchestration Engine (DOE) bietet nach wie vor den stärksten Ansatz für Datenreplikationen“, formuliert Wessendorf. In anderen Worten: „Es gibt keine leistungsfähigere Möglichkeit, Daten aus dem Backend zu kriegen“. Zudem sind die Daten mobil gut verdichtet vorbereitet für die weitere Nutzung. Und das ist wichtig, egal um welche mobile Anwendung es geht. „Schließlich soll die Anwenderakzeptanz nicht unter mangelnder Performance oder unzureichenden Daten leiden“, ergänzt der Mobility-Experte.

Doch sind nicht alle Fragen geklärt: Vor knapp über einem Jahr schrieb die Beraterin Nicola Fankhauser von SAP-Partner itelligence im hauseigenen Blog: „Es ist verflixt. Kaum hat SAP mit der Sybase Unwired Platform ein umfassendes Angebot für mobile Prozesse, flattert eine neue Ankündigung ins Haus: SAP kauft Syclo. Viele sind nun erstaunt.“ Die verschiedenen Middlewares der beiden Anbieter waren es, die Fankhauser stutzen ließen. Und auch heute basiert die SAP Mobile Platform weiterhin auf diesen beiden Technologien: „Aus Entwicklersicht sind unterschiedliche Techniken im Einsatz“, so Wessendorf, „es ist nach wie vor sehr unterschiedliches und spezielles Entwickler-Know-how für die verschiedenen Elemente nötig. In der Regel wird sich ein einzelner Entwickler aber nur auf die für ihn relevanten Komponenten konzentrieren“.

SAP Work Manager: Entscheidung für ein Nischenprodukt

Umsatzmäßig ist aktuell der SAP Work Manager nach SAP-Angaben das stärkste mobile Produkt – ein Syclo-Erbe. Denn das Spezialprodukt für die mobile Instandhaltung basiert auf dem Syclo-Ansatz und wird beispielsweise in der Pharma-Branche oder auch bei Versorgungsunternehmen genutzt. „Für bestimmte Anwendungen in bestimmten Märkten gemacht“, meint Michael Wessendorf und ist skeptisch, ob sich diese Lösung aus seinen bisherigen Nischenmärkten herausentwickeln kann. Zwar werden mit Android, iOS und Windows Mobile die drei wichtigen mobilen Betriebssysteme unterstützt. Doch umtreibt Wessendorf einen anderen Zweifel – nämlich die grundsätzliche Frage, wie langfristig die Entscheidung für das „Nischenprodukt“ wirklich ist. Kurz: Wie strategisch.

Der Mobile Asset Manager SAP MAM, der noch vor einem Jahr als eine der wichtigen Lösungen gehandelt wurde, spielt in der Planung der SAP keine Rolle mehr. Die Wartungszusagen für das Produkt werden noch eingehalten und es wird für das aktuelle Betriebssystem Windows 7 und den Browser Microsoft Explorer 9 fit gemacht – oder wie Wessendorf sich ausdrückt „zuverlässig überwintert“. Doch aus aktueller SAP-Sicht wäre der nächste Schritt der Wechsel zum SAP Work Manager.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Grenze zwischen Desktop und mobiler Welt verschwimmt

SAP Fiori hat einen ganz anderen Charakter als der SAP Work Manager. Nutzer dieser Software sind in der Lage, auf beliebige geschäftliche Anwendungen der SAP Business Suite auch mobil zuzugreifen – der Ansatz ist also potenziell für alle gemacht und nicht nur für einen Ausschnitt der Nutzer. Wessendorf: „SAP Fiori spricht durch seine Benutzerfreundlichkeit auch Nutzer an, für die zum Beispiel der SAP GUI eine zu hohe Einstiegshürde in die SAP-Welt ist.“. Der Grund: Im Unterschied zum SAP Work Manager ist für die Nutzung nach Analyse von Wessendorf zwar ein modernes mobiles Gerät unerlässlich, doch ist SAP Fiori weitgehend selbsterklärend. Der Hauch Apple in SAP-Business-Software ist jedenfalls nötig, wenn das Thema Mobile in die Breite gehen soll, als Zukunftsthema wahrgenommen wird und sich nicht auf spezielle Anwendungsbereiche eingrenzen lassen wird. Wesentliches Manko bisher: Die Software funktioniert nicht offline.  Wenn also gerade keine Mobilverbindung zur Verfügung steht, kann die Software nicht genutzt werden. Das kann schnell einmal der Fall sein: Auf Reisen, in der Produktionshalle und in Gebieten mit schlechter Netzabdeckung.

Sowohl bei der SAP Mobile Platform als auch bei SAP Fiori lobt DSAG-Sprecher Michael Wessendorf den Einsatz des offenen Standards Open-Data-Protocol-Format (OData) in Verbindung mit SAP NetWeaver Gateway. OData ermöglicht die einfache Integration und Bearbeitung von Daten über das Web. Als Web-Service ist OData allerdings, so Wessendorf, nicht so einfach zu handhaben wie SAP Netweaver Gateway. HTML5 ist ein weiterer wichtiger offener Standard, der in beiden Welten eine Rolle spielt. „Das gilt bisher jedoch nicht wie OData für den Work Manager“, bemerkt Wessendorf.

SAP Fiori und SAP Cloud for Sales: Grenze zwischen Desktop und mobiler Welt verschwimmt

Neben SAP Fiori ebenfalls neu: Die Cloud-Anwendungen. Während SAP Fiori in der Hand des Unternehmens bleibt, greift der Anwender etwa auf SAP Cloud for Sales extern zu und nutzt den Service „aus der Wolke“. Damit steht hier ein weiteres Angebot auch mobil zur Verfügung. Bei browserbasierten Anwendungen, egal ob in der Cloud oder SAP Fiori, verschwimmt dabei zunehmend die Grenze zwischen Desktop und mobiler Welt. Der Anwender entscheidet, welches Endgerät er je nach Situation nutzen möchte. „Eben hat er sich noch Online auf seinem Notebook über seinen Kunden informiert. Kurz darauf möchte er während des Kundengesprächs auf seinem Handy noch ein Detail nachlesen“, erläutert Wessendorf. Nicht beschäftigen dürfen ihn dabei die Tücken des Internetzugangs oder unzureichende Nutzerfreundlichkeit der Lösung, wenn der Gesprächsfaden nicht abreißen soll.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Showdown zwischen Nischenlösungen und Ansätzen wie SAP-Fiori?

Letztlich läuft nach Ansicht von Wessendorf alles auf den Showdown zwischen Nischenlösungen nach dem Muster des SAP Work Manager, die mit proprietärem Frontend und einem speziellen Entwicklungsansatz aufwarten, und Ansätzen wie SAP-Fiori auf Basis von offenen Standards wie OData und HTML5 hinaus, der durch seine Anwenderfreundlichkeit möglicherweise das gesamte Unternehmen „mobil macht“. „Im Sales, Service und Lagermanagement sind Nischenlösungen heute weit verbreitet “, so Wessendorf, „mit Powerusern und superoptimiert“. Entgegen steht für Wessendorf die Frage, ob eine Plattform entstehen wird, die davon ausgeht, dass das gesamte Unternehmen eine mobile Strategie entwickelt – gewissermaßen durch jede Pore Mobilität atmet. Dann wäre nur eine zentrale mobile Plattform die Zukunft.

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