So hilft der Software Campus

Feature | 13. März 2013 von Shandy Lo 0

Foto: Privat

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Anfang 2012 startete der Software Campus. Das Ziel der Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie führender deutscher Unternehmen und Universitäten ist es, jährlich etwa hundert Master- und Promotionsstudenten fit zu machen für IT-Führungspositionen in der Wirtschaft – und damit ein klares Zeichen gegen den Fachkräftemangel setzen. 80 Teilnehmer zählt das Programm nach dem ersten Jahr, 14 Software-Campus-Studenten durchlaufen es mit SAP als Industriepartner. Einer davon ist der 29-jährige Yong Ding, der bereits als Pilotstudent die Anfangsphase des Software Campus bei SAP mitmachte. Das Unternehmen unterstützt den Chinesen, der 2008 sein Diplom in Elektrotechnik an der Universität in Karlsruhe machte und seit 2010 an seiner Promotion am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) arbeitet, gemäss der Struktur des Programms mit einem Mentor für Führungsaufgaben und einem Fachbetreuer für sein Projekt.

In Yong Dings Fall wird der Chinese von Stephan Fischer, Leiter des Bereichs angewandte Forschung bei SAP, sowie dem Research-Projektmanager Joachim Marx betreut. Ein wichtiges Ziel der Industriepartner ist es, die Studenten in ihrem Projekt zu unterstützen. „Idealerweise sollte das fertige Produkt später auf den Markt gebracht werden oder der Student ein Start-Up gründen“, sagt Yong Ding. Die Aufgabe des Mentors ist es, den Studenten in Führungs- und Managementtätigkeiten und in seiner persönlichen Entwicklung voranzubringen. „Bei einem Kennenlerntag einigten sich Studenten und Mentoren darauf, welcher Kandidat von wem betreut wird“, sagt Fischer, der schließlich die Betreuung von Yong Ding übernahm.

Monatliche Feedback-Gespräche

Aktuell treffen sich die beiden zu regelmäßigen Gesprächen. Fischer bespricht mit Yong Ding den aktuellen Stand seines Projekts und berät ihn, wie er mit seinen Schwächen umgehen und seine Fähigkeiten noch besser einsetzen kann. „Ich habe Yong Ding auch schon bei einer seiner Präsentationen besucht und ihm anschließend Feedback und Tipps gegeben, was er noch verbessern kann“, so der SAP-Mann.

An seinen eigenen Potenzialen arbeiten, aber auch von hochrangigen Führungskräften lernen: Das ist der Weg des Software Campus, der den Studenten letztlich helfen soll, selbst hochambitionierte Ziele zu entwickeln. Der „Shadowing“-Tag etwa ist dazu da. An diesem Tag begleitet Yong Ding seinen Mentor bei seiner Arbeit, beobachtet Fischer im Umgang mit den Mitarbeitern in seiner Abteilung, mit anderen SAP-Fachbereichen und externen Partnern.

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Zudem hat Yong Ding gerade seine dreimonatige Praxisphase bei SAP begonnen. Der praktische Teil hat zwei wichtige Vorteile. Die Studenten haben die Möglichkeit, einen Einblick in den Arbeitsalltag zu bekommen; doch auch die Unternehmen können die jungen Fachkräfte besser kennenlernen und erkennen schnell, ob sie in die Firma passen. Eine weitere praktische Übung ist das Führungskräftetraining. Die Industriepartner des Software Campus bringen in das Programm ihre besten Angebote ein. Die Teilnehmer können in sechs Modulen ihre Führungs-, Methoden- sowie Sozial- und Selbstkompetenzen weiterentwickeln. Aus einem umfangreichen Katalog können sie die Trainings nutzen, die gezielt auf ihre individuellen Stärken und Schwächen einzahlen. Im Bereich Führungskompetenz erproben die Studenten z.B. ihr Führungsverhalten in konkreten Situationen. Yong Ding hat sich für das Seminar „Führung als Lebensstil“ entschieden, das demnächst in Berlin beginnt.

„Die Führungsseminare sind eine gute Idee, allerdings kommt die Praxis etwas zu kurz“, meint KIT-Student Yong Ding. Die Ausbildung ist ihm allgemein zu theoretisch angelegt. Zudem wünscht er sich mehr Möglichkeiten, die Methoden selbst anzuwenden, als künftige Führungskraft ein Team zu leiten und Verantwortung zu übernehmen. Ganz unbegründet ist die Kritik nicht. In der Ausbildung von Yong Ding und auch bei den anderen zehn Pilotstudenten lief zunächst noch nicht alles nach Plan. Sie mussten „lange warten“, bis das Programm begann. Die ersten Teilnehmer merkten dem Software Campus an, dass die firmen- und universitätsübergreifende Initiative neu ist. Nicht alle Strukturen waren etabliert als das Ausbildungsprogramm in den Pilotbetrieb startete, einiges noch zu verbessern. Doch dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Firmen und Instituten präsentiert sich der Software Campus zum Start des Regelbetriebs Anfang 2013 nun in guter Form.

Blue Card mit geringer Wirkung

Aber warum fehlt es trotz Programmen wie Software Campus oder der „Blue Card“ in Deutschland an Fachkräften? Yong Ding glaubt, dass die IT-Förderung in Deutschland noch nicht so ausgeprägt ist wie die der Schwerindustrie oder Mechanik. Mit „Made in Germany“ assoziieren die meisten Leute mehr die Automobilbranche oder den Maschinenbau. „Informatik wird in Deutschland immer noch als Service angesehen und nicht als eigenständige Branche“, so das Fazit des Chinesen.

Software Campus

Das Programm Software Campus fördert IT-Studenten und bildet sie zu Führungskräften aus. Die Initiative wird u.a. von der Technischen Universität Berlin, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der SAP AG, der Deutsche Telekom AG und der Siemens AG getragen. Ziel ist es, Spitzenkräfte im Inland zu fördern und Deutschland für IT-Spezialisten aus dem Ausland attraktiver zu machen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert jedes IT-Projekt mit bis zu 100.000 Euro. Jährlich erhalten bis zu 100 Master-und Promotionsstudenten diese Förderung.

Die Bewerbung

Die Bewerbung läuft  über ein mehrstufiges Verfahren. Das Programm richtet sich an Masterstudenten und Promovierende im Fachbereich Informatik mit sehr guten akademischen Leistungen. Studenten können sich von allen deutschen Universitäten bewerben, die wichtigste Voraussetzung ist die Unterstützung sowohl durch einen wissenschaftlichen als auch einen industriellen Partner des Software Campus. Sie müssen zunächst ihre Projektidee, ihren Lebenslauf und ihr Motivationsschreiben einreichen. Die Ideen werden durch eine Auswahlkommission gesichtet, die mit Vertretern aus Industrie und Wissenschaft besetzt ist. Die Studenten, die sich mit ihrer Idee für die zweite Runde qualifiziert haben, werden zu einem Auswahlsymposium eingeladen.

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