SOA nutzt Unternehmen jeder Größe

Feature | 16. April 2008 von admin 0

Marcia Kaufmann


Warum der Mittelstand ein größeres Risiko eingeht, wenn er SOA ablehnt, sagt Marcia Kaufman im Interview. Die Partnerin von Hurwitz & Associates ist Ko-Autorin des Buches “SOA For Dummies”.

Warum ist es immer noch schwierig, SOA im Mittelstand zu verkaufen?

Kaufman: Weil der Mittelstand zum Teil falsche Vorstellungen davon hat, was SOA ist und welche Vorteile SOA bietet.

Wie lautet also eine gute Definition von SOA?

Kaufman: SOA ist ein Ansatz zur Entwicklung von IT-Landschaften, mit denen Unternehmen sich schnell an Veränderungen anpassen können. SOA ist keine neue Technologie, sondern ein neuer Denkansatz.

Der Schwerpunkt von SOA liegt auf den Geschäftsprozessen und Zielen des Unternehmens. Aus dieser Perspektive unterstützen die IT-Landschaft und die Anwendungen die Unternehmensstrategie und dienen nicht dem Selbstzweck. Um die Investition voll auszuschöpfen, müssen Unternehmen ihre Sichtweise verändern: Die enge Vorstellung von SOA als IT-Initiative muss einem breiteren Verständnis dafür weichen, welche Vorteile SOA als Geschäftsstrategie bringt.

Warum sollte der Mittelstand diese Strategie übernehmen?

Kaufman: Kurz gesagt, weil SOA dem Mittelstand dieselben Vorteile bietet, wie den großen Fortune-1.000-Unternehmen. Viele der heutigen Herausforderungen betreffen Unternehmen jeder Größe: von der Globalisierung der Märkte und Lieferketten bis hin zu dem schnellen technologischen, politischen und wirtschaftlichen Wandel.

Ein typisches mittelständisches Unternehmen hat mehrere Standorte und vertreibt seine Produkte und Dienstleistungen auf der ganzen Welt. Diese mittelständischen Unternehmen können sich ihre Wettbewerbsfähigkeit nur erhalten, wenn sie genauso arbeiten wie Großunternehmen. Die alltäglichen Geschäftsabläufe einer kleinen Bausparkasse oder eines regionalen Energieversorgers unterscheiden sich zwar in Umfang und Komplexität stark von den Vorgängen in einem Riesenkonzern. Doch die Einbindung der Daten von Kunden und Partnern ist für die Kleinen ebenso wichtig.

Was ist der größte Nutzen von SOA?

Kaufman: Ein großer Vorteil von SOA ist die Kommunikation über separate Datenquellen hinweg. Damit können Unternehmen jeglicher Größe schneller und effektiver auf die sich ändernden Kundenbedürfnisse reagieren. Der Mittelstand muss außerdem begreifen, dass die Grundprinzipien einer nutzbringenden SOA immer die gleichen bleiben – egal wie groß der Implementierungsaufwand ist.

Können Sie beschreiben, was bei einer Implementierung zu tun ist?

Kaufman: Der Prozess erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen der Unternehmensspitze und den IT-Verantwortlichen. Zunächst muss das Management die wichtigsten Geschäftsfunktionen des Unternehmens und die strategischen Geschäftsziele definieren. Die IT-Spezialisten haben dann die Aufgabe, Systeme und Anwendungen zu entwerfen, die diese Funktionen optimieren und die Ziele unternehmensweit umsetzen.

Mit einem SOA-Ansatz werden die Kernprozesse als ein Satz flexibler Services dargestellt, die sich in einer virtuellen “Black Box” befinden. Die Konsistenz von kritischen Services wird über eine Vielzahl von Anwendungen hinweg gewährleistet, indem sich die Services unabhängig von den Programmen ausführen lassen. Diese Architektur versetzt Unternehmen in die Lage, rasch auf Veränderungen zu reagieren, ohne zahlreiche Client-Anwendungen umgestalten zu müssen. Damit entfällt für die Entwickler die Notwendigkeit, überholte Services schnell zu aktualisieren oder auszutauschen.

Können Sie an einem Praxisbeispiel erläutern, wie ein mittelständisches Unternehmen von diesem Ansatz profitiert?

Kaufman: In unserem Buch “SOA For Dummies” beschreiben wir ein kleines Versorgungsunternehmen, Delaware Electric. Hauptziel dieses Unternehmens ist es, eine kontinuierliche Energieversorgung zu gewährleisten. Gemäß den SOA-Prinzipien konzentriert sich das Unternehmen auf diesen Aspekt und ermittelte die dafür notwendigen Anwendungen.

Das Unternehmen hat Kundendaten aus verschiedenen Quellen zu neuen Services zusammengestellt, die in einer Vielzahl von Situationen wieder verwendet werden können. So sind die Anwender im Unternehmen und die Techniker im Außendienst in der Lage, schneller und besser auf Kundenprobleme zu reagieren.

Um deutlicher zu machen, welche Ergebnisse mit SOA erzielt werden können, werden wir bei der nächsten Überarbeitung von “SOA For Dummies” weitere Fallstudien aufnehmen.

Was sind die größten Hindernisse für eine erfolgreiche SOA-Implementierung?

Kaufman: Die größte Herausforderung besteht darin, den Unternehmensleitern und IT-Spezialisten zu einer wirksameren Kommunikation zu verhelfen. Unternehmensleitung und IT-Verantwortliche brauchen eine gemeinsame Sprache darüber, welche Richtung das Unternehmen einschlägt und wie die Unternehmensziele durch den Einsatz von IT unterstützt werden. Für die Unternehmen ist es zentral, den politischen Aspekt zu verstehen.

Anwendungen, die von IT-Abteilungen ohne klares Verständnis dafür entwickelt wurden, was das Management erreichen will, werden scheitern. Sie liefern nicht die erwartete Rentabilität. Die Idee hinter den Centers of Excellence von Großunternehmen – die enge Zusammenarbeit von Führungskräften aus IT und Betriebswirtschaft – kann sich auch für den Mittelstand als hilfreich erweisen.

Welche Optionen hat der Mittelstand bei der SOA-Implementierung?

Kaufman: Führende Softwarehersteller bieten inzwischen erschwingliche SOA-Lösungspakete an, die auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnitten sind. Viele Systemhäuser und unabhängige Softwarehersteller binden die bewährten Geschäftsverfahren, oder auch Best Practices, aus ihrer Zusammenarbeit mit den Großunternehmen in ihre SOA-Lösungen ein. Diese passen sie dann für den Mittelstand in speziellen Branchen an.

Mit den Best Practices identifizieren die Unternehmen schrittweise ihre größten betriebswirtschaftlichen Probleme und die notwendigen Prozesse und Technologien. Damit führen die Best Practices zu einer erfolgreichen SOA-Implementierung.

Eine kleine Bank könnte dieselben Grundsätze und Verfahren anwenden, wie große Finanzinstitute, um betriebswirtschaftliche Problemen kosteneffizient zu lösen. Die Entwicklung dieser branchenspezifischen SOA-Lösungen ist ein viel versprechender Ansatz, um den außerordentlich heterogenen Mittelstandsmarkt zu durchdringen.

In welche Bereiche werden die SOA-Investitionen im kommenden Jahr hauptsächlich fließen?

Kaufman: Wichtige Bereiche für Investitionen werden weiterhin SOA-basierte Lösungen zur Verbesserung der Datensicherheit und -qualität sein. Das Vertrauen in die Datenqualität ist ausschlaggebend für schnelle Entscheidungen in Unternehmen jeder Größe. SOA-basierte Sicherheitswerkzeuge und -mechanismen vergrößern gleichermaßen den Nutzen einer flexiblen Architektur. Interne und externe Teams können miteinander kooperieren, ohne die Integrität und Vertraulichkeit von sensiblen Geschäftsdaten sowie unternehmensspezifischen Informationen aufs Spiel zu setzen.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist Business Process Management (BPM). Die Vorteile von BPM – eine stärkere Anpassung der Geschäftsprozesse an die Unternehmensziele, mehr Effizienz und Unterstützung bei der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften – ergänzen die Flexibilität einer SOA.

Wenn der Mittelstand Investitionen in diese Schlüsselbereiche mit für ihn zugeschnittenen SOA-Best-Practices ergänzt, kann er heute schon messbare Ergebnisse erzielen. Und er legt damit den Grundstein für eine zukunftssichere und echtzeitfähige Anwendungsumgebung.

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