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Social Sabbatical bei SAP: Helfen und Lernen

Feature | 26. Mai 2016 von Katrin Schneider, Corinna Machmeier 0

„Die Kinder in diesem Land denken nicht einmal daran, dass ein Leben abseits der Armut für sie erstrebenswert wäre. Die Perspektivlosigkeit ist allumfassend.“ SAP-Kollegin Rebecca Hamilton weiß, wie schmerzhaft ihre Worte sind. Aber sie beschreiben den Zustand treffend. In Manila wurde sie mit dem Schrecken der Armut konfrontiert. Schätzungsweise 30.000 Kinder vagabundieren durch die Straßen der philippinischen Hauptstadt. Dort sind sie tagtäglich Misshandlungen, sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt ausgesetzt. Wer sich so durchschlagen muss, macht sich kaum Gedanken um seinen Bildungsweg. Selbst wenn: Auf staatliche Förderung kann er nicht zählen. „Wenn ich das philippinische Volk mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es Fröhlichkeit, doch das dortige Schulsystem raubt ihm jegliches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten“, schildert Rebecca die Situation.

Das SAP Social Sabbatical

Das durch die Abteilung SAP Corporate Social Responsibility initiierte Social-Sabbatical-Programm ist ein kurzfristiger Arbeitseinsatz für vielversprechende SAP-Talente. Die Kollegen verbringen vier Wochen vor Ort, um Business-Pläne und Organisationsstrukturen von ehrenamtlich tätigen Organisationen im Bildungs- und Sozialsektor weiterzuentwickeln. Gleichzeitig werden durch den interkulturellen Austausch und das Arbeiten in internationalen wie auch fachübergreifenden Teams Führungskompetenzen, Know-how und kulturelle Sensibilität trainiert. 36 SAP-Mitarbeiter aus der ganzen Welt reisten im Februar in die Schwellenländer Myanmar, Botswana und auf die Philippinen, um dort ansässige NPOs bei der Bewältigung akuter Herausforderungen zu unterstützen.

Aber es gibt Hoffnung: Silid Aralans (SAI) Gründer Arcie Mallari hat sich der philippinischen Kids angenommen, die unterdurchschnittliche schulische Leistungen erbringen. Neben akademischen Lernprogrammen für Studenten will die Organisation SAI Heranwachsenden den Spaß am Lernen vermitteln, ihnen Selbstvertrauen geben und sie darin bestärken, ihre Lebensziele zu verfolgen. Zudem bemüht sich SAI, mehr Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Internet – und damit zu Bildung – zu ermöglichen.

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Dabei kann die Non-Profit-Organisation (NPO) jede Unterstützung gut gebrauchen. Das SAP-Team, zu dem auch Rebecca gehörte, hatte zur Aufgabe, Silid Aralan betriebliche Werkzeuge an die Hand zu geben, um dessen nationale Expansion strukturiert anzugehen. Außerdem gestalteten die Helfer ein Marketinginstrument zur Messung der sozialen Rendite sowie einen Bauplan für SAIs virtuelle Infrastruktur.

Am anderen Ende der Welt fand die Brasilianerin Michelle Dauer ganz andere Voraussetzungen vor als Rebecca. Das englischsprachige Botswana ist bereits seit den 1960er Jahren eine stabile Demokratie. Doch obwohl Startups von der Regierung verstärkt unterstützt werden und das Bildungswesen gut konstituiert ist, hat das Land bislang Probleme wirtschaftlich zu expandieren. Wie Silid Aralan investiert auch Stepping Stones International (SSI) in die Zukunft Botswanas und setzt sich für das Wohl und die Bildung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren ein. Dabei verfolgt SSI einen ganzheitlichen Ansatz, der die Grundversorgung der Jugendlichen mit Essen und Kleidung, deren intellektuelle Entfaltung und die Stärkung von deren Familien einschließt.

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Gemeinsam mit ihrem Team war Michelle an der Überprüfung und Weiterentwicklung eines Informations- und Wissensmanagementsystems beteiligt, das SSIs Position als nationales Vorbild für andere NPOs stärken und in seiner konkreten Umsetzung den Kindern und Jugendlichen vor Ort zu Gute kommen soll. Die Zeichen für eine stabile Zukunft in einer digitalisierten Welt stehen gut in Botswana, gerade weil das Engagement von NPOs wie Stepping Stones so viel zu dessen Entwicklung beiträgt. Michelle hofft, dass das Land seine Chance nutzen wird, gerade im Hinblick auf kommende Generationen. „Brasilianische und botswanische Kinder ähneln sich sehr“, sagt Michelle. „Ich wünsche mir das Gleiche für die Kinder beider Länder: dass sie das Beste aus ihrem Leben machen können.“

Hybris-Mitarbeiter Tomas Cabezon Ortega erging es in Myanmar ganz ähnlich wie Michelle. „Dort habe ich gelernt, welche Rolle Technologie für die Entwicklung eines Landes spielt“, meint Tomas. „Länder wie Myanmar brauchen die Technologie, um die junge Demokratie zu stabilisieren und das Tor zum 21. Jahrhundert aufzustoßen.“ Die politische Öffnung des Landes im Jahr 2015 überflutete das ehemalige Burma mit externen Einflüssen und zwang es zu einer Reformulierung der eigenen Identität. „Der Einfluss der Heranwachsenden und das Vertrauen, das die Gesellschaft in sie setzt, ist bereits heute unglaublich groß“, stellt Tomas fest. Ihr Streben nach Innovation, Fortschritt und Bildung prägen das gesellschaftliche Bild. „Diese Jugendlichen eilen der Zukunft entgegen und die Bevölkerung glaubt fest, dass die jungen Leute das Potenzial dazu haben, dem Land eine erstrebenswerte Perspektive zu ermöglichen. Sie haben die Werkzeuge, aber ihnen fehlt das Wissen.“

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NPOs wie Charity Oriented Myanmar (COM) schließen diese Lücke, indem sie Jugendlichen spezielle Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen anbieten. „Während ich in Spanien als ‚Digital Native‘ aufgewachsen bin, mussten sich Gleichaltrige in diesem Land ihre IT-Fähigkeiten erst mühsam erarbeiten“, vergleicht Tomas. „Die gesellschaftlichen Entwicklungen von Spanien und Myanmar gleichen sich, nur fanden sie in einem Abstand von etwa 30 Jahren statt. Myanmaren eignen sich die neuen technischen und politischen Gegebenheiten allerdings viel schneller an. Was uns Jahre gekostet hat, bewältigen sie in Monaten.“

Tomas und sein Team wurden mit der Erstellung eines Rahmenplans für COMs gegenwärtige wie zukünftige Entwicklungen beauftragt und kreierten eine Go-to-Market Strategie für ein geplantes Jugendinstitut, das zwischen 2018 und 2020 ins Leben gerufen werden soll.

Charity Oriented Myanmar (COM) ist eine nationale, durch Jugendliche geleitete, zivilgesellschaftliche Organisation. COM hat es sich zum Ziel gesetzt, das soziale und politische Bewusstsein von jungen Erwachsenen und Frauen zugunsten der demokratischen Gesellschaftsordnung und der sozioökonomische Entwicklung Myanmars zu stärken.
Silid Aralan Inc. hat die Vision, bis 2020 eine landesweit bekannte Organisation mit regionaler Präsenz zu werden. Die NPO sieht sich als Lernbegleiter und verfolgt das Ziel, lernschwachen Kindern Freunde an Bildung zu vermitteln.
Stepping Stones International kämpft für eine Welt, in der gefährdete Jugendliche im Alter von 12-25 Jahren dazu befähigt werden, ihre Träume zu verwirklichen.

Als Millennials gehören Rebecca, Tomas und Michelle der ersten Generation der „Digital Natives“ an, die sich Aufgabenbereichen wie Bildung, Gesundheit oder der Vermittlung von Kompetenzen verschrieben fühlt, die traditionell im Verantwortungsbereich der Regierungen lagen. Laut Deloitte (The Millennial Survey) wird die heutige Jugend bis zum Jahr 2025 etwa 75 Prozent der Weltbeschäftigten ausmachen, doch viele Millennials verfügen noch nicht über die notwendigen Qualifikationen für eine Karriere in der digitalen Wirtschaft. Derzeit befinden sich weltweit mehr als 74,5 Millionen Heranwachsende außerhalb eines gesicherten Beschäftigungsverhältnisses. SAP sieht sich in der Verantwortung, Jugendliche auf die Herausforderungen in einer digitalisierten Welt vorzubereiten.

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Hilfe zur Selbsthilfe    

Neben dem positiven Einfluss auf die einheimische Gesellschaft, hat das SAP Social Sabbatical auch die berufliche Weiterentwicklung seiner Teilnehmer zum Ziel. „Zunächst dachte ich nicht, dass ich mit meinen Fähigkeiten zur Umsetzung der Aufgaben beitragen könnte“, gibt Rebecca zu. „Die Anforderungen unterschieden sich sehr von meinen alltäglichen Aufgaben im Kundensupport. Mit nach Hause nehme ich vor allem das erworbene Wissen über Markteinführungsstrategien.“ Michelle aus dem Partner Support sieht in der Verbesserung ihrer Kommunikationsfähigkeiten ihre größte Entwicklung: „Während dieser Reise habe ich mit vielen verschiedenen Menschen gesprochen. Nun mache ich mir die Dinge bewusst, die ich sagen möchte und achte darauf, wie ich sie am besten rüberbringen kann. Überhaupt war das Social Sabbatical für mich ein Monat der Selbstbewertung, heute sehe ich viele Dinge klarer.“ Tomas war der IT-Spezialist seiner Gruppe: „Im Product Support bei hybris löse ich tagtäglich die Probleme anderer, gebe Feedback und Ratschläge. Nur habe ich dies während meines Social Sabbaticals eben nicht von München, sondern von Yangoon aus getan.“

Für alle drei Teilnehmer war das Social Sabbatical ein Geben und ein Nehmen, ein Austausch von Wissen, Fähigkeiten und Emotionen. Schlichtweg eine umfassende Erfahrung. Rebecca resümiert: „Dieses Erlebnis hat mich unglaublich beeinflusst – auf persönliche, professionelle und kulturelle Weise. Für mich war es war die Gelegenheit meines Lebens.“

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