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Software Campus: IT-Managerschmiede entlässt erste Absolventen

8. Dezember 2014 von Andreas Schmitz 0

Mentoren aus der Wirtschaft, Führungskräfteseminare, eigenes IT-Projekt: Im Software Campus lernen Doktoranden und Master-Studenten, wie Führung „geht“. Benedikt Kämpgen berichtet über seine Erfahrungen und seinen geplanten Berufseinstieg.

Herr Kämpgen, Sie werden noch in diesem Jahr als einer der ersten Absolventen den Software Campus abschließen. Hat Ihnen die IT-Führungsausbildung etwas gebracht?

In der Ausbildung steckt ein Riesenpotenzial. Meine Promotion am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) war ja bereits in vollem Gange, als mein Professor Rudi Studer auf mich zukam und mir von der Ausbildung für den IT-Führungsnachwuchs erzählte. Ich hatte das Glück, dass ich im ersten Jahrgang beim Software Campus dabei sein konnte. Das Besondere daran ist, dass die Fähigkeiten in Forschung und Wissenschaft, die ich durch meine Promotion bekam, durch Management-Fähigkeiten ergänzt werden, ohne dass die Arbeit der Promotion beeinträchtigt wird. Im Berufsleben später spielt ja nicht nur das Fachliche eine Rolle, sondern besonders auch die Führungspraxis. Das wird im Software Campus gut vermittelt.

Wie hat man sich das vorzustellen?

Jeder Student oder Doktorand bekommt einen Mentor zur Seite gestellt. Ich habe einmal im Monat mit dem SAP-Manager Uwe Obrock telefoniert. Er hat mit mir Ziele besprochen, Fragen gestellt, Kontakte hergestellt. Es war ungemein wichtig, einen erfahrenen Manager als Mentor zur Seite zu haben. Denn oft denkt man bei den technischen Herausforderung, die in der Informatik zu bewältigen sind, gar nicht mehr daran, ob man ein gutes Zeitmanagement hat und verliert auch seine eigentlichen beruflichen Ziele aus den Augen. Die zusätzlichen sechs Führungskräfteseminare zusammen mit den anderen Studenten waren ebenfalls sehr wichtig, um zu verstehen, wie etwa Veränderungsprozesse im Unternehmen begleitet werden können, aber auch, welche Fragen sich die anderen Studenten stellen, die ja in einer vergleichbaren Situation sind, möglicherweise eine große Karriere vor sich zu haben.

Sind Sie ein geborener Manager?

Die Frage habe ich mir auch die ganze Zeit über gestellt. Gerade die Führungsseminare haben mich auch dazu gebracht, darüber intensiv nachzudenken. Ich bin sehr technikaffin und meinen technischen Hintergrund möchte ich nicht verlieren. Andererseits besteht die Möglichkeit, besonders mit der Ausbildung am Software Campus, schon direkt nach dem Abschluss in eine Führungsrolle zu gelangen. Alleine mit der Promotion gelingt das nicht so einfach. Das IT-Projekt, dass jeder bewältigen muss, verlangt auch ein Stück weit Führungskompetenz, da man Mitarbeiter einstellen muss und so im Umgang mit seinen Mitarbeitern lernt, Aufgaben zu delegieren und sie anzuleiten. Hier lässt sich das Gelernte gleich in der Praxis anwenden. Das war sehr hilfreich.

Worum ging es in Ihrem Projekt?

Mir ging es darum, eine schnelle Anfragebearbeitung, etwa durch die In-Memory-Datenbank SAP HANA mit semantischen Techniken zu verschmelzen. Stellt etwa jemand die Frage nach dem Bruttosozialprodukt 2010 ans Web, extrahiert der „Linked Data Cube“ jene Daten aus dem Netz, die der Wahrheit besonders nahe kommen, also etwa die Angaben von Eurostat, der Weltbank und dem International Monetary Fund. Im Idealfall unterscheiden sich diese Ergebnisse nicht voneinander. Hier geht es primär um Datenintegration und -analyse. Spannend ist das Thema etwa für frei zugängliche Informationen von Behörden, die so genannten Open Government Data, aber auch in der Naturwissenschaft, wenn es darum geht, herauszufinden, wie hoch die Niederschlagsmenge in einem bestimmten Ort vor drei Jahren gewesen ist.

Inwiefern haben Sie hier von Ihrem Industriepartner SAP profitiert?

Sowohl mein Fachberater Torsten Leidig als auch der Mentor wurden von SAP ganz speziell für die Aufgabenstellung, die ich mir ausgesucht habe, ausgewählt. SAP war für mich der ideale Partner aus der Industrie, da ich für meine Aufgabe deren In-Memory-Technologie einsetzen konnte und die nötige Unterstützung dazu bekam. Zudem bekam ich durch die Kontakte meines Mentors zum SAP-HANA-Experten Christof Bornhövd in Palo Alto die Chance, zusammen mit einem Entwicklerteam mein Projekt  voranzubringen und weitere Experimente zu machen, um herauszufinden, wie sich Daten aus dem Web am besten analysieren lassen. So habe ich beispielsweise im Life-Science-Bereich Daten aus dem Web analysiert, um die Ähnlichkeit zwischen Genen oder Krankheiten herauszufinden. Zwar sind die Datenmengen bisher überschaubar, wir haben bis zu einem Gigabyte analysiert, aber das wird mehr werden.

Sie gehen auf in Ihren technischen Aufgaben?

Auf jeden Fall. Aber mir geht es sehr darum, dass die theoretischen Erkenntnisse auch Eingang in die Praxis finden. Unser Proof of Concept für den Linked Data Cube war sehr vielversprechend. Das Projekt hat gezeigt, dass Forschung und Industrie sehr gut zusammenpassen.

Letztlich sind hier wieder Management-Fähigkeiten gefragt, um den Transfer zwischen den Bereichen hinzubekommen?

Ich habe mich tatsächlich dazu entschlossen, ab dem nächsten Jahr das Angebot des Forschungszentrums Informatik (FZI) anzunehmen, eine Führungsrolle zu übernehmen – im Forschungsbereich Wissensmanagement. Glücklicherweise geht es in diesem Bereich vom FZI nicht „nur“ um Führung. Hier ist auch Technik-Knowhow sehr gefragt. Zudem überlege ich, dort „meinen“ Linked Data Cube in einer geteilten Promotion über SAP und das FZI weiter voranzubringen. Das passt alles gut zusammen.

Im Bild: Benedikt Kämpgen (re.) im Gespräch.

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