„Software kennt keine Grenzen“

Feature | 10. Februar 2003 von admin 0

Josh Coates

Josh Coates

Was steckt hinter der Idee von „virtual storage repositories“?

Coates: Der Bedarf an Informationen, die autorisierten Benutzern und Anwendungen überall und jederzeit zur Verfügung gestellt werden müssen, unabhängig vom physischen Standort des Speichermediums. Diese Anforderung wurde ursprünglich durch Endanwender-Applikationen angestoßen, um beispielsweise den Benutzern in Europa einen in Hollywood produzierten Song zugänglich zu machen. Die zunehmende Globalisierung jedoch macht heute dieselbe Funktionalität auch für die Datenspeicher der Unternehmen erforderlich.

Wie ist dieses Konzept in der Praxis verwirklicht?

Coates: Scale Eight baute zunächst weltweit vier große Rechenzentren auf, die mit Standardhardware und verteilter Speichersoftware arbeiten, um Anwendern einen Speicherplatz mit einem Volumen von Hunderten Terabyte in Form eines lokalen Speichernetzwerks zur Verfügung zu stellen. Dieses Netzwerk bedient Kunden auf vier Kontinenten, darunter The Microsoft Network, Viacom und Fujitsu. Jetzt übertragen wir die Portabilität der verteilten Speichersoftware auf Network-Attached Storage (NAS)-Systeme, die hinter Firewalls in den Rechenzentren der Kunden eingesetzt werden.

Ein Vorteil dieser Technologie ist es, die Spitzen in Firmennetzwerken zu senken. Welche weiteren Vorteile können Sie nennen – insbesondere unter technologischen Gesichtspunkten?

Coates: Die Beschaffenheit unserer Software bietet den Kunden die Möglichkeit, das gewünschte Ziel mit Standardhardware zu erreichen. Das Resultat ist im Wesentlichen eine konstant gesteigerte Performance bei sinkenden Kosten. Zusätzlich steht bei diesem Ansatz ein globales Dateisystem zur Verfügung, das Unternehmen mit mehreren Niederlassungen eine einheitliche Dateisystemstruktur bietet. Daraus ergeben sich Vorteile wie ein verbesserter Workflow, niedrigere Verwaltungskosten und die Möglichkeit, die Kapazität eines Dateisystems im laufenden Betrieb aufzustocken.

Lässt sich diese Technologie in Firmen jeglicher Größe einsetzen oder gibt es Beschränkungen?

Coates: Jedes Unternehmen, das ein Dateivolumen von mehreren Terabyte speichern und Benutzern global zugänglich machen möchte, kann diese Technologie einsetzen. Dies könnte sowohl ein multinationales Unternehmen mit weltweiten Niederlassungen sein als auch ein Startup-Unternehmen, das Kunden in zahlreichen Ländern erreichen möchte. Normalerweise besteht dieser Bedarf bei mittleren bis großen Unternehmen.

Welche Erfahrungen machten Ihre Kunden in puncto Kosteneinsparungen?

Coates: Durch die Implementierung der Scale Eight-Technologie konnten einige Kunden ihre Speicherkosten um 80 Prozent senken. Das US-amerikanische digitale Medienunternehmen Octavo implementierte unsere Technologie beispielsweise zu nur 20 Prozent der Kosten eines 500.000 US-Dollar-Storage Area Network (SAN). Andere Unternehmen, darunter Viacom, nutzen die Scale Eight-Technologie, um nicht mehr die Speicherinfrastrukturen zwischen den Niederlassungen in New York und Paris kopieren zu müssen – mit ähnlichen Kosteneinsparungen.

Während Ihrer Forschungstätigkeit haben Sie die „scalable clustering technology“ entwickelt. Könnten Sie diese Technologie kurz erläutern und auch inwiefern sie das Portfolio von Scale Eight beeinflusst hat?

Coates: Die skalierbare Clustering-Technologie bezeichnet die verteilten Basissysteme, die benötigt werden, um die Vorteile von „Rack-and-Stack“-Standardhardware zu nutzen. Im Wesentlichen besteht sie aus Implementierungen anspruchsvoller, sorgfältig durchdachter Algorithmen aus dem Gebiet der Parallelrechnerforschung. Ursprünglich integrierten wir diese Technologie in unseren Global Storage Service und unseren internen Unternehmensspeicher. Sie bildet außerdem die Grundlage für unsere NAS-Systeme.

Wo liegen Ihrer Meinung nach zukünftig wichtige Problemfelder bei Unternehmenssoftware?

Coates: Der Trend zu hoch entwickelter Software, die auf Standardhardware eingesetzt werden kann, wird sich für jeden Hardware- und Softwareanbieter, der sich weiterhin auf proprietäre Systeme konzentriert, zu einem Problem entwickeln. Die Kunden werden sehr bald erkennen, dass sie auf Festplattenlaufwerke und eigene Hardware keinen Aufschlag von 200 Prozent mehr zahlen müssen. Sie wissen, was jeder weiß, der den Mut zu echten Innovationen besitzt: Software kennt keine Grenzen. Sie können alles Erdenkliche durch Software nachbilden.

Wie sind Sie in diese Projekte eingebunden?

Coates: Unsere Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung arbeiten kontinuierlich daran, Software für verteilte Systeme zu konzipieren, die für Standardhardware höchste Performance zu niedrigsten Kosten ermöglicht. Dies wird zunächst NAS-Systeme mit hoher Kapazität hervorbringen und uns letztendlich in die Lage versetzen, NAS-Systeme mit branchenführender Performance anzubieten.

Was ist Ihr persönliches Motto?

Coates: „Pragmatismus ist eine verloren gegangene Tugend.“

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