Softwarepflege immer im Blick

Feature | 1. Juni 2004 von admin 0

Wem nützt Change Request Management?

Demuth: Unternehmen sowie auch öffentliche Verwaltungen haben Probleme, ihre IT-Anwendungen zu warten und zu ändern. Zumal wenn die beteiligten Mitarbeiter räumlich und organisatorisch verteilt sind, aber gemeinsam Softwareanpassungen, Entwicklungsarbeiten oder Produktivstarts durchführen müssen, wird es schwierig zu kommunizieren und den Überblick zu behalten. Viele Kunden suchten daher ein Produkt, wie wir es jetzt mit dem Change Request Management vorstellen, womit sich die Prozesse besser steuern und verfolgen lassen.

Wann ist das Change Request Management einzusetzen?

Demuth: Unsere Lösung hilft bei umfassenden Migrationsprojekten oder der Einführung neuer Prozesse, wie zum Beispiel eines Call Centers. Das Change Request Management unterstützt aber auch ganz alltägliche Prozesse, um etwa Software anzupassen oder neue Zusatzfunktionen (Add-Ons) einzuführen, wie etwa die Anpassung eines Produktkataloges oder die Änderung einer Preisliste. Stammdaten bedürfen auch laufend der Pflege; so sind immer wieder neue Kunden-, Lieferantensätze, neue Kostenstellen, Materialien und Produkte anzulegen oder Stammdaten neu zu strukturieren.

Was leistet das Change Request Management?

Demuth: Das Change Request Management hilft, Änderungs- und Wartungsprozesse über den gesamten Einsatzzeitraum von SAP-Anwendungen zu planen, zu verfolgen und zu überwachen. Das schließt auch Entwicklungsprozesse und Testläufe einschließlich der Produktivsetzung ein. So zeigt es etwa an, welche Schritte auszuführen sind und welcher Aufwand damit verbunden ist. Die Lösung gibt zum Beispiel Antwort auf die Fragen: Wie gestaltet sich der Workflow? Wie lange dauern Ausfall- oder Rüstzeiten? Sind Trainingsmaßnahmen erforderlich? Unser Change-Management bricht einen Projektplan für Änderungs-, Entwicklungs- oder Implementierungsprojekte auf Werkzeuge und Zuständigkeiten herunter – in viele kleine Arbeitspläne. Entscheidend dabei ist, die verantwortlichen Mitarbeiter zu unterstützen, also eine Perspektive – wir sagen top-to-bottom – aufzuzeigen.

Können auch Anwender, die keine IT-Fachleute sind, damit umgehen?

Demuth: Ja, das ist eines der Hauptziele unserer Entwicklung. Wir sehen, dass oft Nicht-Techniker im Projektmanagement verantwortlich tätig sind, und zwangsläufig gegen Kommunikationsprobleme unter allen an der Softwarepflege Beteiligten ankämpfen müssen. Das überwindet das Change Request Management: Alle Beteiligten in Fach- und IT-Abteilungen – Techniker wie Betriebswirtschaftler, Projektmanager, Entwickler, Tester und Systemadministratoren, sowohl im Unternehmen als auch in ausgelagerten Einheiten – erhalten eine gemeinsame Sicht auf die zu leistenden Arbeitsschritte. Allen sind die Prozessverläufe transparent. Sie sehen, welche Aufgaben erledigt und welche noch nicht erledigt sind.

Haben Sie das Change Request Management komplett neu entwickelt?

Demuth: Wir haben aus unabhängig voneinander bestehenden Komponenten eine Gesamtfunktionalität entwickelt. Unsere Aufgabe war es, diese komplett zu integrieren. Wir nutzten den Vorteil, bei SAP bereits die Komponenten als bewährte Teilwerkzeuge für eine Change-Management-Lösung verfügbar zu haben. Dazu zählen das Projektmanagement, wozu wir die SAP-Komponente cProjects nutzen, und SAP Help-Desk für die Verwaltung der Wartungsprozesse. Change Management setzt auch auf die technischen Werkzeuge, die in der Softwarelogistik, also im ganzen Umfeld von Software- und Customizing-Änderungen genutzt werden, um IT-Lösungen über den ganzen Lebenszyklus zu warten und zu ergänzen. Zudem verfügt SAP – was sehr wesentlich ist – über ein Solution-Management.

Was ist am bestehenden Solution-Management verändert worden?

Demuth: Der SAP Solution Manager war bisher auf den laufenden Betrieb ausgerichtet. Er steuert die produktiv genutzten SAP-Lösungen und verwaltet auch Schnittstellen zu Fremdanwendungen. Wir erweitern jetzt den SAP Solution Manager um eine neue Teilfunktion, die wir Change Request Management nennen. Change Request Management bildet eine Klammer über die erwähnten Komponenten. Es ist der zentrale Ort, um alle Maßnahmen per Änderungsauftrag (Change Request) über mySAP CRM Service anzustoßen und zu kontrollieren. Das Besondere daran ist die Verbindung zur operativen Welt. Der Änderungsauftrag fließt direkt in ein System hinein. mySAP CRM Service arbeitet nicht isoliert, sondern ist völlig integriert in die Systemwelten. Alle Prozessschritte, um einen Fehler zu beheben, eine Wartung oder ein Releasewechsel vorzunehmen oder ein ganzes Projekt zu implementieren, werden zentral dokumentiert.

Ist die Dokumentation in der Lage, auch gesetzliche Auflagen zu erfüllen?

Demuth: Immer häufiger verlangen Firmen und Behörden Validierungsverfahren, die Änderungsabläufe in Unternehmen verlässlich nachweisen. In erster Linie ist in diesem Zusammenhang das neue Sarbanes-Oxley-Gesetz zu nennen, aber beispielsweise auch die Auflagen der Federal Drug Administration (FDA), der US-Aufsichtsbehörde für die chemische und pharmazeutische Industrie, oder die Kontrollen zum Datenschutz. Mit Change Request Management lassen sich alle Eingriffe und Änderungen, die gesamten Abläufe von der Planung bis hin zur letzten technischen Operation sicher zurück verfolgen. Die elektronische Signatur sorgt dafür, dass nur befugte Personen bestimmte Aufgaben durchführen und freigeben.

Wann und wie wird das Werkzeug zum Änderungsmanagement ausgeliefert?

Demuth: Im dritten Quartal 2004 wird das Change Request Management erstmals allen Kunden angeboten. Das Werkzeug wird als eine vorkonfigurierte Lösung ausgeliefert. Der Aufwand, es zu installieren, bleibt gering. Das Change Request Management ist darauf ausgelegt, unmittelbar nach der Implementierung selbsttätig Informationen über die zur Zeit im System gepflegten Änderungen zu sammeln und zu inventarisieren. Es analysiert zunächst die Änderungshistorien, bevor sie für ein Change Management verwendbar sind. Die Einbindung des Change Request Managements macht es möglich, einen Wartungsprozess zu steuern oder eine Fehlerbehebung zu aktivieren. Ein nachfolgendes größeres Implementierungsprojekt kann cProjects für die detaillierte Projektsteuerung nutzen. Die Funktion, Änderungen über Systemgrenzen hinweg zu verfolgen – ein Tracking also, ist unmittelbar verfügbar.

Ihr Projektteam wird innerhalb der SAP über ein Förderprogramm finanziert. Was hat es damit auf sich?

Demuth: Die Initiative SAP Inspire sponsert unser Team zur Entwicklung des Change Request Management. Als so genannte Corporate Venturing Group fördert SAP Inspire unternehmerische Talente innerhalb der SAP mit dem Ziel, Innovationen und Ideen in Marktstrategien und neue Produkte schnell und flexibel umzusetzen, die bisher noch nicht Teil des SAP-Portfolios waren. Die Finanzierung des Change-Management-Projekts ist wie die der anderen Projekte jeweils auf 18 Monate beschränkt. Nach dem Sponsorship durch SAP Inspire wird das Projekt in die Standardentwicklung übergehen. Wir freuen uns, dass wir die Erwartungen bisher gut erfüllen konnten.

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