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Spielanalysen als Wettbewerbsfaktor

Feature | 16. Juni 2015 von Kamila Laures und Paul Baur 0

Nicht nur in der Wirtschaft, auch im Sport spielen Analysen eine immer wichtigere Rolle. Sie können inzwischen sogar einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg einer Mannschaft leisten. Michael Niemeyer vom FC Bayern München und Stefan Wagner, bei SAP weltweit für den Bereich Media, Sports & Entertainment verantwortlich, erläutern in diesem Interview die Hintergründe von Spielanalysen.

Seit August 2014 unterhalten SAP und der Fußballclub eine Technologiepartnerschaft. Als offizieller Partner des FC Bayern München möchte SAP den Verein bei seinen Zielen unterstützen, die internationale Präsenz zu erhöhen, die sportliche Leistung noch zu steigern und den Bayern-Fans ein attraktives Online-Erlebnis zu bieten.

Seit Pep Gardiola 2013 den Trainersessel beim FC Bayern übernahm, ist Spielanalyse ein wichtiges Thema im Verein. Analysiert werden Videos, statistische und biometrische Daten von Spielen und vom Training, um sich dadurch Wettbewerbsvorteile gegenüber gegnerischen Mannschaften zu verschaffen. Kamila Laures, Media Relations Expert bei SAP, sprach kürzlich mit Michael Niemeyer, Head of Match Analysis bei FC Bayern München, und Stefan Wagner, SAP Global Manager für Media, Sports, and Entertainment, über die Rolle des Sportanalysten und die Bedeutung von Analysen für den Erfolg des Vereins.

Was versteht man unter Sportanalysen und wofür werden sie bei Bayern München eingesetzt?

Michael Niemeyer: Die Taktik ergibt sich aus zwei Dingen: aus dem numerischen Vorteil – also einer positiven Bilanz beim Ballbesitz, Eckstößen und so weiter – und den Spielerbewegungen. Beim Profisport geht es immer darum, die letzten fünf Prozent des einzelnen Spielers und der Mannschaft zu optimieren. Hierin sehe ich das letzte große Abenteuer im Sport. Wir versuchen herauszufinden, wie wir uns einen numerischen Vorteil verschaffen und wie wir die Taktik des Gegners und seiner einzelnen Spieler zu unserem Vorteil nutzen können. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir Analysen und Software ein.

Stefan Wagner: Wir hören von allen Fußballtrainern, dass die sportliche Leistungsfähigkeit kaum noch steigerbar ist. Und auch das technische Niveau hat ein Höchstmaß an Perfektion erreicht. Aber im taktischen Bereich gibt es immer noch unerschlossenes Potenzial. Und genau hier kommen die Daten ins Spiel. Mit ihrer Software für Datenanalysen hilft SAP den Trainern, die Wahrscheinlichkeit eines Siegs zu erhöhen.

Was wird analysiert, und wie sieht die Analyse im Einzelnen aus?

Niemeyer: Die richtige Software ist natürlich wichtig, aber die Mannschaft muss auch die richtige Einstellung dazu haben. Mit SAP HANA analysieren wir riesige Mengen an strukturierten und unstrukturierten Daten in Echtzeit. Dann braucht es einen erfahrenen Analysten und einen Trainer, die zusammenarbeiten und aus den Daten Rückschlüsse für das Spiel ziehen. Analysen machen keinen Sinn, wenn man nicht die richtigen Spieler für die gewählte Taktik hat. Deshalb muss man sicherstellen, dass die Spieler die Taktik in ihrem Spiel auch umsetzen können. Hierfür müssen die Spieler eine bestimmte Offenheit mitbringen und die Daten auch verstehen können. Und das ist auch der Grund, warum die Lösung intuitiv und visuell ansprechend sein muss.

Wagner: Unsere Sportkunden geben uns auch die Rückmeldung, dass die Lösungen, die Tools und die Technologie anwenderfreundlich sein müssen. Unser Ziel ist es, so viele manuelle Prozesse wie möglich zu automatisieren, um der Mannschaft mehr Zeit auf dem Spielfeld zu geben. Datenanalysen müssen optisch leicht erfassbar sein und einfach auf dem Smartphone oder Tablet abzurufen und zu nutzen sein.

Können Analysen im Sport wirklich genauso effektiv sein wie Analysen in der Wirtschaft?

Niemeyer: Die Wirtschaft dient uns als Vorbild für unsere Entwicklungen, und ich glaube, dass Sportanalysen ebenso effektiv wie dort sein können. Ich komme mit vielen Menschen aus der Wirtschaft zusammen und versuche, ihre Ideen auf unseren Sport zu übertragen. Ein Beispiel sind die Ratingsysteme in der Geschäftswelt, die man an das technische Scouting im Fußball anpasst. In den vergangenen Jahren hat ein Puzzleteil gefehlt – und zwar jemand, der bereit war, hier zu investieren und daraus eine Lösung zu machen. SAP war das fehlende Puzzleteil für uns. Mit einer Innovationspartnerschaft und innovativen Verfahren wie Design Thinking kann man das Beste aus beiden Welten – der Wirtschaft und dem Sport – zusammenbringen.

Wagner: Um sicherzustellen, dass die Analysen wirklich für den Sport geeignet sind, verbringen wir viel Zeit mit Herrn Niemeyer und seinem Team. Wir wollen wirklich verstehen, wie ihr Arbeitsalltag aussieht und mit welchen Problemen und Herausforderungen sie zu kämpfen haben. Erst dann können wir gemeinsam eine Vision entwerfen, wie ein perfektes Tool aussehen könnte. Mit SAP Sports One wird diese Vision nun Wirklichkeit.

Wie viel Automatisierung ist bei Sportanalysen überhaupt möglich?

Niemeyer: Computer können keine Entscheidungen treffen – zumindest sollten wir ihnen nicht erlauben, dies zu tun. Das Ziel von Software ist es, mehr Informationen in kürzerer Zeit zu liefern. Computer helfen beim Analysieren, aber man wird immer den Menschen und seinen Verstand brauchen. Wir versuchen, die Computer die Arbeit machen zu lassen – also Muster zu erkennen – und setzen unseren Verstand ein, um daraus eine Entscheidung abzuleiten. Bei diesem Prozess ist SAP eine große Hilfe.

Wagner: Unser Ziel ist es, mit SAP HANA jene Muster zu erkennen, die verlässliche Rückschlüsse auf die Zukunft zulassen. Wir können jetzt große Datenmengen aus verschiedenen Quellen und in verschiedenen Formaten analysieren. Deshalb lassen sich Informationen auf eine ganz neue Art und Weise kontextualisieren. Diese Erkenntnisse helfen dem Menschen, bessere und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wie sieht die Zukunft von Sportanalysen aus?

Niemeyer: Die Analyseabteilungen werden wachsen und eine immer wichtigere Rolle spielen – nicht nur im Fußball, sondern im Sport generell. Aber um das zu erreichen, muss jeder die richtigen Fragen stellen und in der Lage sein, die Ergebnisse der Analyse auf das Fußballfeld, den Tennisplatz oder die Formel-1-Rennstrecke zu übertragen. Wenn sich das Ergebnis dieser Arbeit nicht auf dem Fußballplatz umsetzen lässt, macht man etwas falsch. Eine gute Analyseabteilung muss in der Lage sein, ihren Erfolg zu messen.

Wagner: Die besten Mannschaften werden diejenigen sein, die gute Analyseabteilungen haben. Und einen Trainer, der die Relevanz der Daten versteht.

 

Bildquelle: Shutterstock

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