Stammdaten – jeder braucht sie, aber niemand will sie pflegen (2)

Feature | 15. September 2003 von admin 0

Erster Teil
SAP MDM schafft eine durchgängige Umgebung für die Integration von Geschäftsprozessen in heterogenen Systemlandschaften. Die Lösung unterstützt zudem die unternehmensübergreifende Kooperation, indem sie – unabhängig vom Standort oder Hersteller einer Anwendung – Datenkonsistenz sicherstellt. SAP MDM erlaubt eine schrittweise Implementierung. Kunden müssen also nicht alle ihre bisherigen Ansätze zur Datenharmonisierung in einem “Big Bang” aufgeben. Dies reduziert die Ausfallzeit und die Störung des Tagesgeschäfts auf ein Minimum.

Die Komponenten von SAP MDM

Die Komponenten von SAP MDM

Die wesentlichen Komponenten entsprechen der Enterprise Service Architektur (ESA), ) mit der sich bestehende IT-Investitionen einbinden und wieder verwenden lassen. Die Integrations- und Applikationsplattform SAP NetWeaver ermöglicht es, vorhandene Teillösungen auf der Basis von Web-Services und SOAP in eine neue Gesamtlösung zu integrieren.

SAP MDM besteht aus der SAP Exchange Infrastructure, dem Content Integrator, dem Master Data Server sowie SAP MDM-Adaptern zur Anbindung von SAP-Lösungen und Anwendungen von Drittanbietern.

Stammdatenobjekte sicher ans Ziel bringen

Die Integrationslösung SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) ermöglicht den prozessgesteuerten Datenaustausch zwischen beliebigen Anwendungen in einem heterogenen IT-Umfeld. SAP XI geht über den herkömmlichen, rein technischen EAI-Ansatz (Enterprise Application Integration) hinaus, denn sie verwaltet neben technischen Integrationsinformationen auch die übergreifende betriebswirtschaftliche Semantik, etwa Geschäftsszenarien, Schnittstellen oder Transformations- und Verteilregeln.
Beim SAP MDM vereinfacht SAP XI die Integration der Stammdaten. SAP MDM nutzt SAP XI während der Datenverteilung, um Geschäftsobjekte in vorher bestimmte lokale Anwendungen zu übertragen. Während SAP MDM für die Definition der Geschäftsobjekte und ihre fortlaufende Pflege zuständig ist, bietet SAP XI die erforderlichen Funktionen für die Weiterleitung, Einreihung (Queuing) und Konvertierung der Daten. Diese gewährleisten, dass die Objekte sicher an die richtigen Ziele gelangen.
SAP XI und SAP MDM sind über Publish-and-Subscribe-Mechanismen miteinander verknüpft. SAP MDM sendet die zur Verteilung vorgemerkten Stammdaten mit Hilfe offener Protokolle und Standards wie HTTP, XML und XSL an SAP XI (Publishing). Ein zentrales Weiterleitungsmodell innerhalb von SAP XI speichert Informationen darüber, welche Systeme in der IT-Landschaft Zugriff auf diese Stammdaten anfordern (Subscription). Beim Eingang neuer Stammdaten ordnet SAP XI den Objekten, die in jedem System durch einen anderen Schlüssel identifiziert werden, die entsprechenden Werte zu. Zudem konvertiert die Lösung semantisch gleichwertige Datentypen, die sich syntaktisch oder strukturell unterscheiden – etwa durch unterschiedliche Datumsformate (dd.mm.yyyy oder mm.dd.yyyy). Nachdem die Daten derart aufbereitet sind, verteilt SAP XI diese an die betreffenden Zielsysteme. Dies geschieht über einen Queuing-Mechanismus, der gewährleistet, dass die Nachrichten korrekt und genau einmal gesendet werden

Objektabgleich über eindeutige Merkmale

Der Content Integrator (CI) verknüpft die Stammdatenobjekte in verschiedenen Systemen über qualifizierende, unternehmensweit genutzte Attribute. Diese ermöglichen den Abgleich von Datenobjekten nach vom Benutzer festgelegten Regeln. Für das Objekt “Geschäftspartner” ließe sich etwa eine Trefferliste auf Basis der UmsatzsteuerID definieren. In diesem Fall findet der Content Integrator alle Objekte mit derselben UstID, und die Trefferliste wäre im ersten Schritt auf alle rechtlich zusammengehörigen Geschäftspartner beschränkt. Darauf aufbauend lassen sich weitere Regeln festlegen, die diese Trefferliste weiter einschränken. Kleinere Schreib- oder Tippfehler gleicht der Content Integrator aus, da er phonetische Algorithmen unterstützt: Einzelne Kurzbeschreibungen werden in Phoneme zerlegt, die dann die Grundlage für den Abgleich bilden (ab Release 3.0). Auf diese Weise identifiziert der Content Integrator zusammengehörende Stammdatenobjekte in den verschiedenen Anwendungen und entfernt Dubletten.
Die aus diesem Abgleich resultierenden ID-Zuordnungen dienen der Verteilung der Daten und erleichtern es, systemübergreifende Berichte und Analysen zu erstellen. Der Content Integrator enthält außerdem eine unternehmensweite Suchfunktion, mit der sich ermitteln lässt, in welcher Anwendung sich ein bestimmtes Stammdatenobjekt befindet.

Im Stammdatenserver schlägt das Herz von SAP MDM

Herzstück von SAP MDM ist der Master Data Server (MDS). Dieser Stammdatenserver verwaltet als zentrale Verarbeitungseinheit die Stammdaten im gesamten Unternehmen. Der MDS ist in den Content Integrator und SAP XI integriert. Die im Content Integrator entstandenen Informationen über die Objektbeziehungen werden automatisch auf dem MDS gespeichert. Die SAP Exchange Infrastructure ist die zentrale Datendrehscheibe, über die Objekte in den MDS geladen, oder vom MDS in die lokalen Anwendungen verteilt werden. Die Verarbeitung aller Daten erfolgt ausschließlich auf dem MDS, die Anlage und Pflege hingegen ist sowohl auf dem Server als auch in den angeschlossenen Applikationen möglich. SAP gliedert die Aufgaben und Funktionen des MDS in die Objektschicht, die Serviceschicht und die Bearbeitungsschicht:

  • Die Objektschicht beschreibt die Stammdatenobjekte in flexibler und erweiterbarer Form und übergibt sie zur weiteren Verarbeitung an den Content Integrator und an SAP XI. Sie stellt vordefinierte Objekttypen bereit, die sich in spezifischen Anwendungen ergänzen lassen.
  • Die Service-Schicht bietet generische Dienste und Verfahren für die Verwaltung von Stammdaten. Dazu zählen unter anderem Objektanlage, Änderungs- und Statusverwaltung, Abfragen, Routinepflege, Autorisierung, Workflow und kooperative Datenbereinigung. Die Dienste sind bei Bedarf auch als Web-Services verfügbar.
  • Die Bereitstellungsschicht steuert die Verteilung der Stammdaten in enger Integration mit SAP XI. Neben der konventionellen Verteilung einzelner Objekte können die Objekte auch aus Gruppen zusammengestellt und gemäß dem im MDS definierten Geschäftskontext verteilt werden. Die Publish-and-Subscribe-Mechanismen in SAP XI sind darüber hinaus mit intelligenten Subskriptionsfunktionen ausgestattet, welche die Datenobjekte auf der Grundlage vordefinierter Geschäftskontexte an die lokalen Anwendungen senden.

Adapter stellen Anknüpfungspunkte für Anwendungen her

In einer heterogenen IT-Landschaft lassen sich Stammdaten nur dann korrekt verwalten, wenn jede Anwendung über einen SAP MDM-Adapter angebunden ist. Dieser Adapter empfängt alle generierten Stammdaten und vereinigt sie in einem gemeinsamen Datenformat, das SAP MDM die Zusammenarbeit mit allen geschäftskritischen Anwendungen erlaubt – unabhängig von ihrem Hersteller.
Da die Stammdatenattribute auf lokaler Ebene an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden können, ermöglichen es die SAP MDM-Adapter mit Hilfe bidirektionaler Zuordnungsfunktionen, geschäftsrelevante Daten aus der lokalen Anwendung zurück in SAP MDM zu übertragen. Dies sichert die Konsistenz der Datenobjekte. Die Zuordnungsfunktionen arbeiten sowohl mit den auf lokaler Ebene vorhandenen Such- und Extraktionsfunktionen als auch mit den SAP MDM-Diensten für Kontextsuche und technische Verteilung zusammen.
Für SAP-Systeme wird SAP MDM entsprechende Adapter mit vollem Funktionsumfang enthalten. Um die Vielzahl von Dritt- und Altsystemen abzudecken, stehen Werkzeuge und ein Entwicklungsrahmen zur Verfügung. Außerdem arbeitet SAP derzeit gemeinsam mit verschiedenen Partnern daran, ein umfassendes Adaptersystem in SAP MDM einzubetten.
SAP MDM unterstützt auf allen Ebenen offene Standards wie SOAP, HTTP, XSD, WSDL oder BPEL4WS. Darüber hinaus ist jede Komponente von SAP MDM skalierbar, da sie auf dem SAP Web Application Server basiert und sich daher über mehrere Instanzen installieren lässt.
Die umfassende Stammdatenpflege mit SAP MDM senkt zum einen die Kosten für die Verwaltung der Stammdaten und verringert zum anderen die Zahl der inkonsistenten oder veralteten Daten – was wiederum den Bedarf an kostspieliger Fehlerbehebung reduziert. Erste Erfahrungen von Kunden zeigten beispielsweise, dass das Bereinigen doppelt angelegter Datensätze die meisten Kosten verursacht. Müssen Dubletten mit bestehender Transaktionshistorie bereinigt werden, lässt sich der doppelte Datensatz nicht einfach löschen, da mit dem Stammdatenobjekt Wertefluss-relevante Informationen verknüpft sind. In Einzelfällen verursacht die Datenbereinigung rund 1000 Euro pro Dublette. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen in mehrfacher Hinsicht von den konsistenten Daten: Geschäftsprozesse lassen sich schneller abwickeln, die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit wird erleichtert und Analysen basieren auf korrekten Informationen.

Tobias Wittebrock

Tobias Wittebrock

Leave a Reply