Start-ups als Motor der Innovation bei PepsiCo

Der HR-Leiter bei PepsiCo erklärt im Gespräch, mit welchen ersten Schritten Unternehmen den Weg für die Zusammenarbeit mit Start-ups bereiten können.

Früher konnten sich große Unternehmen für Innovationen jahrzehntelang Zeit nehmen. Diesen Luxus haben viele nicht mehr. 1965 hielt sich ein im Aktienindex S&P 500 vertretenes Unternehmen im Durchschnitt 33 Jahre. 1990 waren es noch 20 Jahre. Bis 2026 dürften es nur noch 14 Jahre sein.

Schnelle Innovationen sind überlebenswichtig. Doch oft ist zu hören, den Unternehmen fehle es an den nötigen Voraussetzungen. Sie bräuchten zu lange, um neue Lösungen einzuführen, und würden von Altsystemen ausgebremst. Statt grundlegend etwas zu verändern, begnügten sie sich mit kleinen Schritten.

Indessen sind die größten Unternehmen der Welt alles andere als untätig. Sie können zu Katalysatoren der Innovation werden und bei der Einführung neuer Technologie eine Vorreiterrolle einnehmen. Doch dafür müssen sie wissen, wie sie intern die Rahmenbedingungen für Innovationen schaffen. Wir bei Sapphire Ventures arbeiten regelmäßig mit innovativen Unternehmen zusammen, die ihren eigenen Weg in einem dynamischen neuen Umfeld finden möchten, das oftmals von visionären Start-ups und neuen Technologien geprägt ist.

Shakti Jauhar, Leiter des Bereichs Global HR Operations and Shared Services bei PepsiCo, betont, wie wichtig laufende Innovationen sind. Er hat ein Programm ins Leben gerufen, das seinem Team hilft, innovative Technologien für das Personalwesen von Start-ups zu bewerten und einzubringen. Das „90/90“ genannte Programm hat sich schon früh als Erfolg erwiesen. Ich habe mich mit Shakti Jauhar unterhalten, um mehr über die Rahmenbedingungen zu erfahren, die er geschaffen hat, um die Zusammenarbeit mit Start-ups zu beschleunigen. Dieser Ansatz kann für alle Unternehmen interessant sein, die schnelle Innovationen fest in ihrer Unternehmenskultur verankern möchten.

Der folgende Auszug aus unserem Gespräch zeigt, mit welchen ersten Schritten Unternehmen den Weg für die Zusammenarbeit mit Start-ups bereiten können.

Schritt 1: Alle Beteiligten hinter sich bringen und Ziele vereinbaren

Der erste Schritt mag selbstverständlich scheinen, doch tatsächlich wird er oft übersehen. Unstimmigkeiten machen unweigerlich jede Innovationsbestrebung zunichte. Unternehmen sind wie komplexe Maschinen, die nur funktionieren, wenn alle Räder reibungslos ineinandergreifen. Wenn die Rechtsabteilung andere Prioritäten setzt als die IT-Abteilung und beide andere Prioritäten als der Einkauf, dann rückt der Erfolg in weite Ferne. Immer häufiger sind es die Fachabteilungen, die unabhängig von der IT-Abteilung die Einführung von Technologien vorantreiben. Doch wären die Führungskräfte der Fachabteilungen gut beraten, sich mit CIO und IT-Leitung eng über die jeweiligen Innovationsprioritäten abzustimmen. Es muss geklärt werden, wo Partnerschaften eingegangen werden oder Lösungen selbst entwickelt werden sollen, wie schnell die Einführung erfolgen soll, welche technischen Risiken man einzugehen bereit ist und so weiter.

Bei PepsiCo ist ein wichtiger Schritt des Abstimmprozesses, einen Bedarf oder Bereiche mit Potenzial zu ermitteln und diese den Start-up- und Innovationsgemeinschaften zu präsentieren, um Lösungsvorschläge einzuholen. Die Problemstellungen reichen von CoEs, die ein neues Programm implementieren möchten, bis hin zum Wunsch nach Effizienzsteigerungen. Alle sechs bis neun Monate lädt das Team eine kleine Gruppe geeigneter Start-ups ein, um sich mit den Beteiligten über die festgestellten Problemstellungen abzustimmen. Diese Abstimmung ist ein zentraler Faktor für den späteren Erfolg von Start-ups, die das Programm durchlaufen.

Auf diese Weise wird eine Verständigung darüber erreicht, was realistisch machbar ist und wie sich die Umsetzung im Unternehmen gestalten wird. Unternehmensinterne Probleme herauszuarbeiten, ist die Grundvoraussetzung für die Schaffung interner Rahmenbedingungen für Innovationen. Für diesen Schritt sollten Führungskräfte unbedingt genügend Zeit einplanen, bevor sie Start-ups hinzuziehen.

Schritt 2: Dafür sorgen, dass die interne Infrastruktur und interne Plattformen bereit sind

Ebenfalls wichtig ist, die bestehende Infrastruktur zu prüfen und bei Bedarf zu modernisieren. Bei PepsiCo war der erste wichtige Schritt die Umstellung des HR-Kernsystems auf eine einzige Plattform für alle 83 Länder und rund 260.000 Mitarbeiter. Zusätzlich implementierte das Unternehmen weitere Technologien, um eine Art „Plug-and-Play“-System zu schaffen, das die Einbindung neuer Lösungen in die Kernplattform ermöglichen würde.

Es kann auch sinnvoll sein, es Start-ups zu erlauben, auf einer solchen Plattform in gewissem Maße zu experimentieren, um ihre Lösungen erfolgreicher zu machen. Manche Partner haben zum Beispiel einige Ideen für Start-ups übernommen. Sie haben einen App-Store eingerichtet oder eine Umgebung zur Verfügung gestellt, in der Start-ups eigene APIs für eine HR-Plattform schreiben können. Der plattformbasierte Ansatz hat schon seit einiger Zeit höchste Priorität im Unternehmen. Für die Personalabteilung von PepsiCo ist diese Infrastruktur der wichtigste Bestandteil der Bestrebung, Innovationen im großen Stil für Mitarbeiter verfügbar zu machen.

Schritt 3: Ein Konzept entwickeln

Der nächste Schritt ist die Entwicklung eines Konzepts, das einen Rahmen schafft, um neue Prozesse zu finden, einzubinden und zu skalieren. Auf diese Weise sichern Unternehmen auf Jahre hinaus ihre Innovationskraft und können laufend mit den besten Start-ups in ihrem Bereich zusammenzuarbeiten.

Beim Programm „90/90“ haben teilnehmende Start-ups 90 Tage Zeit, um ihre Lösung bei PepsiCo zu implementieren und ihren ROI zu demonstrieren. Damit ist für alle Beteiligten der Rahmen klar abgesteckt, um schnell zu bewerten, ob die Lösung als Erfolg zu verbuchen ist. PepsiCo bewertet Lösungen danach, wie sie dazu beitragen, übergeordnete Unternehmensziele zu erreichen und Probleme zu lösen. Für die Start-ups heißt das, dass in kürzester Zeit festgestellt werden muss, ob sie bereit sind, ihre Lösung auf einen Unternehmensmaßstab zu skalieren.

Unternehmen, die ein System aufbauen möchten, um in Partnerschaft mit Start-ups Innovationen in großem Maßstab umzusetzen, sollten folgende Punkte beherzigen:

  • Verbindungen nutzen: Die Unternehmen sollten Verbindungen mit VC-Unternehmen, Gründern und Startup-Investoren nutzen, um mögliche neue Partner zu finden. Beispielsweise hat PepsiCo dank seiner Partnerschaft mit Sapphire Ventures Zugang zu den unterschiedlichsten Start-ups und neuen Technologien, die dem Unternehmen helfen, seine Innovations-Roadmap weiterzuverfolgen.
  • Zeitrahmen eng stecken: Der Zeitraum für die Prüfung von Innovationen und Partnerschaften sollte knapp bemessen werden. Dies hilft dabei, konzentriert auf die Erreichung der Ziele hinzuarbeiten. Auch wird auf diese Weise der Prozess der Einbindung neuer Technologien standardisiert und wiederholbar.
  • Die beste Option finden: Wenn der Zeitrahmen eng gesteckt wird, wie beim Programm „90/90“ der Fall, sind keine großen Investitionen erforderlich. Die eigentliche Rentabilität könnte sich einstellen, wenn eine Lösung gefunden wird, die sich bereits nach kurzer Zeit dauerhaft selbst trägt.

Das Ziel bei der Entwicklung eines Konzepts für ein Programm wie „90/90“ besteht darin, für eine dauerhafte Dynamik im Unternehmen zu sorgen und den Aufbau neuer Partnerschaften zu erleichtern. Dazu bedarf es einer klaren Vision dessen, wie eine erfolgreiche Einführung neuer Technologie aussehen soll.

Schritt 4: Sich vorbehaltlos auf Neues einlassen

Den Innovationsprozess in Gang zu setzen, ist bei einem Programm wie diesen nur die halbe Miete. Ebenso wichtig ist es, langfristige Beziehungen mit den besten neuen Unternehmen auf dem Markt aufzubauen. Beziehungen mit Start-ups sind dann von Erfolg gekrönt, wenn die Unternehmen offen sind, vorausschauend denken und bereit sind, nicht nur kurzfristig zu investieren.

Auch müssen sie genau beobachten, was sich bei den Start-ups in ihrer Branche tut. Wenn viele Start-ups scheitern, zögern Unternehmen womöglich, zu viel Zeit aufzuwenden, um sich die Entwicklungen genauer anzusehen.

Das ist ein großer Fehler. Es stimmt, viele Start-ups überleben nicht. Doch die, die überleben, entwickeln sich weiter und prägen nach und nach die Einstellung von Unternehmen zu Innovation und Agilität. Irgendwann wird eines von ihnen auf noch nie da gewesene Weise die Geschäftswelt revolutionieren. Um wichtige Entwicklungen nicht zu verpassen, müssen führende Unternehmen ihren Markt genau beobachten.

Die Weichen auf Erfolg stellen

Große Unternehmen müssen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. In der modernen Welt bedeutet das, Möglichkeiten zu finden, schnell Innovationen einzuführen. Natürlich haben sie mehr zu koordinieren als kleinere Unternehmen, aber das bedeutet nicht, dass sie dazu verurteilt sind, stets hinterherzuhinken.

Vielmehr nehmen kluge globale Unternehmen wie PepsiCo als Innovatoren in ihrer Branche eine Führungsrolle ein. Sie bauen langfristige Partnerschaften mit den Communitys von Start-ups und Venture-Capital-Unternehmen auf und ebnen den Weg für regelmäßige unternehmensweite Innovationszyklen. Sie optimieren ihre internen Prozesse, um neuartige Lösungen in großem Maßstab zu nutzen. Damit sichern sie ihren Fortbestand auf Jahre hinaus.

Rami Branitzky ist Managing Director von Sapphire Ventures.