SÜDSALZ kombiniert Upgrade auf SAP ERP 6.0 mit Unicode-Umstellung

Feature | 12. März 2009 von Katja Bachert, SAP.info 0

SÜDSALZ verwaltet Produktvielfalt mit SAP ERP (Foto: SÜDSALZ GmbH)

Das Produktsortiment der SÜDSALZ GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Südwestdeutsche Salzwerke AG, umfasst neben Speisesalz auch Auftau- und Industriesalze, Salze für die Futtermittelindustrie sowie Pharma- und Gewerbesalze. Zudem ist das Unternehmen mit Sitz in Heilbronn in mehreren Geschäftsbereichen aktiv, unter anderem im Bergbau, Tourismus, Entsorgung und Reederei.

Produktvielfalt stellt hohe Anforderung an die Datenbank

Für die konzerninterne Datenhaltung besteht die größte Herausforderung deshalb darin, die verschiedenen Branchenprodukte in einer zentralen Datenbank abzubilden. Die Produktvielfalt stellt hohe Anforderungen.

Das SAP-System muss nicht nur Kleinstmengen wie 1g-leichte Speisesalzstreuer bis hin zu tonnenschweren Schiffsladungen Industriesalz abbilden – sondern auch viele Schnittstellen für die Anbindung der verschiedenen Geschäftsbereiche und Fremdsysteme verwalten. Nur dann funktioniert der komplizierte Logistikapparat für den europaweiten Vertrieb der SÜDSALZ-Produkte reibungslos.

Lange SAP-Tradition bei SÜDSALZ

Das bekannte Bad Reichenhaller Salz (Foto: SÜDSALZ GmbH)


„Seit dem Jahr 1998 arbeiten wir sehr erfolgreich mit SAP-Lösungen. Der Releasewechsel auf SAP ERP 6.0 war ein logischer Schritt in die Zukunft. Er ermöglicht uns, in den nächsten Jahren neue Funktionalitäten und Anwendungen auf Basis serviceorientierter Architekturen einzuführen“, erklärt Dr. Angelika Schwartz, Leiterin der Konzern-IT von SÜDSALZ.

Auch den internationalen Sprach- und Zeichenstandard Unicode einzuführen, sei eine Konsequenz des Upgrades gewesen, da SAP ERP 6.0 den Unicode-Standard unmittelbar bedingt. Beide Projekte zeitgleich umzusetzen war eine bewusste, wenn auch mutige Entscheidung. Denn werden zwei eigentlich eigenständige Projekte zu einem vereint, ist das Risiko groß, dass bei auftretenden Fehlern die Ursache nicht eindeutig identifiziert werden kann.

„Viele Mittelständler trauen sich nicht, das SAP-ERP-Upgrade zusammen mit der Unicode-Implementierung abzuwickeln, obwohl dies den Zeit- und Kostenaufwand deutlich verringert“, weiß Dr. Schwartz. „Deshalb haben wir uns auch für die XEPTUM Consulting AG als Partner entschieden, die auf solche Projekte spezialisiert ist.“

Unicode ist ein internationaler Standard, der allen Schriftzeichen und Buchstaben aus jeder Sprache einen eindeutigen digitalen Code zuweist. Ohne diese Vereinheitlichung haben international agierende Firmen oft Schwierigkeiten, Daten aus unterschiedlichen Ländern zu verwalten, da nicht alle Zeichensätze parallel installiert werden können. Mit Unicode ist es möglich, alle auf der Welt bekannten Zeichen in einer Datenbank darzustellen und zu verarbeiten.

Umfangreiche Testphase

Damit über die Projektlaufzeit von acht Monaten die Geschäftsprozesse ungestört weiterlaufen konnten, griffen Dr. Schwartz und XEPTUM-Vorstand Peter Eisele auf eine gleichermaßen zielführende wie praktikable Methode zurück – die sogenannte Sandbox.

Diese separate Hardwarearchitektur wurde als Eins-zu-Eins-Kopie des SAP-Produktivsystems inklusive aller Schnittstellen zu externen Fremdsystemen aufgebaut.

„Die Sandbox gab uns die Möglichkeit, den gesamten Releasewechsel theoretisch durchzuspielen. Damit konnten wir alle Entwicklungen, Prozesse und Schnittstellen auf Herz und Nieren testen, bevor das Upgrade auf SAP ERP 6.0 und die Unicode-Umstellung im Produktivsystem durchgeführt wurden“, so Eisele.

Vorteile der Sandbox-Lösung

  • Die vorhandene Drei-System-Welt mit Entwicklungs-, Qualitätssicherungs- und Produktivsystem wird nicht beeinträchtigt;
  • Entwicklungsstopps wirken sich nicht auf laufende Projekte aus;
  • erst nach Beseitigung der größten Probleme wird auf dem Entwicklungssystem gearbeitet;
  • Möglichkeit, den Upgrade-Prozess mehrfach durchzuspielen.

Der Testablauf war dreistufig angelegt. Die Organisation und Durchführung erfolgte mittels SAP Solution Manager.

  • Schritt 1: Funktionstest auf dem Sandbox-System – Überprüfung aller Programme sowie Schnittstellen für Verbindungsaufbau und Datenaustausch;
  • Schritt 2: Funktionstest auf zukünftigem Entwicklungssystem, erweitert um inhaltliche Überprüfung aller angebundenen Schnittstellen;
  • Schritt 3: Integrationstest auf zukünftigem Qualitätssicherungssystem: Hier wurden alle Prozesse integrativ noch einmal durchlaufen.

Der SAP Solution Manager umfasst Werkzeuge, Methoden und vorkonfigurierte Inhalte für den Betrieb und die Verwaltung von SAP-Software. Das Set an Werkzeugen unterstützt Unternehmen bei der zentralen Administration aller auf der SAP NetWeaver-Technologie basierenden Systeme. Von der Implementierung neuer Lösungen und Upgrades über Testläufe bis zum Produktivbetrieb überwacht, definiert und dokumentiert der SAP Solution Manager dabei jeden Prozessschritt.

Bei allen drei Systemen handelte es sich um Kopien des Produktivsystems. Auf jedem Einzelnen davon wurden sowohl das Upgrade als auch die Unicode-Umstellung durchgeführt.

Einen großen Mehrwert für die gesamte Testkoordination und Testunterstützung lieferte der SAP Solution Manager. Über diesen wurde in Zusammenarbeit mit den beteiligten Fachabteilungen ein Gesamtplan für alle zu testenden Vorgänge und Prozesse erstellt.
Nachdem jeder Konzernbereich die wichtigsten Transaktionen, Reports und Schnittstellen benannt hatte, zerlegte das Projektteam die komplette Systemarchitektur in mehr als 3.300 einzelne Testfälle.

Fall für Fall wurde mit Hilfe des SAP Solution Managers das gesamte IT-System auf interne und externe Schnittstellenkompatibilität – sowohl für das Upgrade als auch für die Umstellung auf Unicode geprüft.

Releasewechsel übers Wochenende

Nach den umfassenden Testläufen – etwa 770 Programme wurden überarbeitet und 160 neu geschrieben – waren alle Fehler ausgemerzt. „Verglichen zur knapp achtmonatigen Testphase verlief der tatsächliche Releasewechsel im Eiltempo“, erklärt Dr. Schwartz.

Um den Geschäftsbetrieb möglichst wenig zu behindern, setzte sich das Projektteam ein ehrgeiziges Zeitfenster – lediglich drei Tage (Freitag, Samstag, Sonntag) und vier Nächte dauerte der Wechsel für das SAP-Produktivsystem auf die neue SAP-ERP-Version.

25 weitere SAP-Projekte in Planung

Dr. Angelika Schwartz, Leiterin der Konzern-IT, und Dr. Roland Dietl, Geschäftsführer von SÜDSALZ (Foto: SÜDSALZ GmbH)


Mit dem erweiterten Upgrade hat SÜDSALZ eine zukunftsfähige und flexible Basis für die hohen Ansprüche eines Mehrbranchenunternehmens geschaffen. „Das erfolgreiche Ergebnis und die Zusammenarbeit mit XEPTUM sind für uns gleichermaßen zufrieden stellend“, fasst Dr. Roland Dietl, Geschäftsführer von SÜDSALZ zusammen. Das Projekt sei planmäßig verlaufen, obwohl es während der gesamten Laufzeit immer wieder neue Herausforderungen zu bewältigen gab.

„Im Vorfeld mussten Mitarbeiter und Administratoren im Umgang mit dem SAP Solution Manager geschult werden“, erklärt IT-Leiterin Dr. Schwartz. Auch seien während der Testreihen immer wieder inkompatible Schnittstellen aufgetreten, die einen zwingenden Releasewechsel der Fremdsysteme bedingt hätten. „Da solche zusätzlichen Problemstellungen im Angebot der XEPTUM bereits aufgrund von Erfahrungswerten mit benannt und berücksichtigt waren, konnten wir sichergehen, dass dadurch das Budget nicht gesprengt wurde“, fügt Eisele hinzu.

Für das Jahr 2009 plant IT-Leiterin Dr. Schwartz rund 25 weitere SAP-Projekte: „Unter anderem wollen wir unser SAP NetWeaver Business Warehouse erweitern, ein Modul für die Lagerverwaltung einführen und unser Berechtigungskonzept überarbeiten.“

Führende Salzhersteller

Die Südwestdeutsche Salzwerke AG (SWS) mit Sitz in Heilbronn und ihre Tochtergesellschaft Südsalz GmbH gehören zu den bedeutendsten Salzproduzenten Europas. Mit einem umfassenden Programm an qualitativ hochwertigen Stein- und Siedesalzprodukten decken SWS/Südsalz darüber hinaus in den Sparten Pharma-, Gewerbe-, Auftau- und Industriesalz die vielfältigen Anforderungen des Marktes ab. Die Marke Bad Reichenhaller steht für erfolgreiche Lösungen im Speisesalz- und Salzspezialitätensegment sowie für zahlreiche innovative Produkte im Gesundheitsbereich.

Gewonnen wird das Salz in den Bergwerken Heilbronn und Berchtesgaden und aus dem Solevorkommen im Gebiet von Bad Reichenhall. Die Weiterverarbeitung und Veredelung zu Siedesalz erfolgt in den Salinen von Bad Friedrichshall und Bad Reichenhall. Weitere Geschäftszweige wie Entsorgung, Reederei, touristische Einrichtungen und Unter Tage Archiv gehören ebenfalls zum SWS-Konzern.

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3 comments

  1. Stephan Kienle

    Als Mitarbeiter der TDS AG bin ich stolz darauf dass die technische Seite des RW und der Unicodemigration bei der TDS erfolgreich durchgeführt wurde.
    Warum ist der Artikel mit zwei Sätzen denn so extrem kurz? Und warum wird die TDS AG als Partner für den technischen Teil nicht erwähnt.

  2. Anonymous

    Das soll ein “Anwenderbericht” sein. Da ist ja die Presemitteilung, aus der auf den “Bericht” verlinkt wird, umfangreicher …. :-/

    • czeidler

      Upps, hier ist ein Fehler im CMS passiert, als wir auf das neue System umgestellt haben. Inhalt war zwischenzeitlich vollständig, jetzt nicht mehr. Hier fehlt natürlich noch jede Menge, wir sind dran. 😉

      Gruß, Christoph Zeidler, SAP.info

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